Sonntag, 3. 5. 2009

Zuverlässig läutet um 6 Uhr das Handy. In diesem Urlaub machen wir häufig etwas, was wir in früheren Urlauben nicht taten: Wir wälzen uns noch eine Zeit lang genüsslich im Bett herum, bis wir uns entschließen können, aufzustehen Somit ist es wieder einmal 7.45 Uhr.

Ein vorsichtiger Blick aus dem Fenster zeigt, dass sich der Mauna Kea verborgen hält.
Draußen tut sich schon viel: Lifte fahren auf und ab, Türen fallen mit einem lauten "rums" ins Schloss, Gewirr von Kinderstimmen.

Auf Coconut Island scheint heute ein Fest stattzufinden, vielleicht gibt es wieder ein BBQ, wie schon des öfteren.

Wettermäßig ist es typisch Hilo: In der Nacht hat es stark geregnet, sowohl am Flachdach unter uns als auch am Parkplatz vor Coconut Island stehen große Wasserpfützen.

Mittlerweile ist es 8.20 Uhr und theoretisch könnten wir schon längst beim Frühstück sitzen – aber eben nur theoretisch. Michi hat im Badezimmer beschlossen, sich das Kinn ein wenig aufzuschlitzen, um das Frühstück hinauszuzögern und so warten wir nun ab, bis der Blutlauf gestillt ist

Unsere Wandersachen sind soweit fertig gepackt, aber wir haben noch nicht entschieden, wohin uns der heutige Weg führt. Vielleicht bringt der Kaffee beim Frühstück Klarheit in unsere Köpfe

Kinder, wie die Zeit vergeht Es ist 8.45 Uhr und langsam scheint das Blut an Michis Kinn gestillt zu sein. Morgen nehme ich ihm den Rasierer weg

Ich habe zwischenzeitlich Trailkarten vom Volcanoes NP verglichen und dabei festgestellt, dass die Karte, die man im Volcanoes NP bekommt, die allermieseste und ungenaueste ist.

Mein Blick schwenkt wieder hinaus aufs Meer – die Pride of America läuft gerade ein.

Endlich können wir zum Breakfast gehen. Dort ist die Hölle los. Vor uns waren schon enorm viele Leute beim Frühstück, sodass nicht mal mehr Stoffservietten vorhanden sind, Tische sind nicht abgeräumt, die Angestellten kommen einfach mit der Arbeit nicht nach.

Wettermäßig bessert es sich leicht, ab und zu lugt die Sonne hervor.

Um 9.30 Uhr sind wir wieder im Hotelzimmer.
Michi, der gestern Abend noch beteuerte, heute früh losfahren zu wollen, hat offenbar umdisponiert und macht auf Spätstarter.

Mittlerweile hat er auch festgestellt, dass er die Schweinegrippe haben müsse, denn wenn das jetzt "in" ist, will er kein Außenseiter sein

Egal, ich packe unsere Rucksäcke fertig – und Michi ist immer noch mit allen möglichen Dingen beschäftigt Z. B. hat er eine Paar Socken in seinem Rucksack gefunden und fragt mich, was er damit tun soll. Meine Antwort ist "nimm sie heraus oder lass' sie drinnen". "Ja, und was soll ich nun tun Herausnehmen oder drinnen lassen " Meine Güte, eines der beiden halt, ist doch egal
Jetzt "bedroht" er mich mit dem Schlauch, den er schon längst hätte waschen sollen.

Tja, heute ist Sonntag und Sonntag ist Ruhetag

Soviel zum Thema "früh losfahren"

Ich harre der Dinge, die da kommen. Michi macht ein paar gymnastische Übungen mit dem Schlauch, ähnlich Schwingbewegungen, wahrscheinlich, um die Wirbelsäule fit zu halten

Liebevollst und mit peinlichster Genauigkeit entfernt er jedes einzelne Wassertröpfelchen in seiner Maske, ich werde mit dem Handtuch bedroht und damit geschlagen Immerhin geht dann Michi gemäßigten Schrittes mit dem Wasserbehälter in der Hand in Richtung Badezimmer.

Um 10.15 Uhr fahren wir endlich los, der Volcanoes NP ist angesagt

 

Je näher wir kommen, umso dunkler wird es. Die Wolken des Pu'u O'o und des neuen Vents im Halema'uma'u Crater hinterlassen deutliche Spuren, wir spüren es auch in Hals und Rachen.

Beim Kilauea Iki Lookout machen wir einen kurzen Stopp. Es ist wirklich zu schade, dass die SO2-Dämpfe den an sich blauen Himmel verdecken und alles so trüb ist.
Wir biegen in die Hilina Pali Rd. ab und je weiter wir westwärts fahren, umso schlechter wird das Wetter.

Beim Trailhead des Kipuka Nene Trails stellen wir den Jeep ab und überlegen, was wir tun sollen. Schließlich drehen wir um, der Regen steht am Himmel.

Gut, also dann auf zum Naulu Trail. Während der Fahrt zum entsprechenden Trailhead verlautet Michis GPS-Gerät hier ein Krater, dort ein Krater und es sei auch ein sehr langer Trail zu sehen – welcher könnte das denn sein Bei der nächsten Möglichkeit halte ich an, um eventuell feststellen zu können, um welchen Trail es sich handle. Ist doch ganz einfach, das ist Escape Rd. Sie beginnt bzw. endet auf der Zufahrt zur Mauna Ulu parking area bzw. am anderen Ende in unmittelbarer Nähe der Thurston Lava Tube.

Michi schlägt umdisponieren vor, daher drehen wir um und parken uns auf der Mauna Ulu parking area ein.

links im Bild ist die Abzweigung zur Escape Rd. zu sehen

Wir gehen geschätzte 300 m in Richtung Chain of Craters Rd. zurück und biegen rechterhand (nordwärts) in eine Fahrstraße, die mit einem Gate abgesperrt ist, ein. Am Gate ist ein Schild mit der Aufschrift "Caution Helibase" befestigt.

Gegenüber der Escape Road – also auf der anderen Straßenseite – geht ein sehr schmaler Trail weg, der mit dem Wandermannszeichen markiert ist.

Es ist nun 12.30 Uhr und wir starten mit dem nördlichen Teil der Escape Rd. Bei genauem Hinsehen ist auch hier das Wandersmannzeichen zu sehen, somit ist es auch ein offizieller Wanderweg.

Wir gehen rechterhand am Schranken vorbei, das Gras ist etwas niedergetrampelt.

Zu Beginn ist die Escape Rd. eine geschotterte Fahrpiste, linker- und rechterhand wird sie von Farnen und Ohias gesäumt. Obwohl der Himmel stark bewölkt ist, ist es ziemlich schwül.

Es ist sehr ruhig hier, außen Vogelgezwitscher und unseren Schritten ist nichts zu hören. Wieder einmal mehr könnte sich der Bird Trail ein Beispiel nehmen.

Um 12.45 Uhr sehen wir ein Schild mit der Aufschrift "Parking" und beidseits – allerdings noch ein Stück vor uns – sind große Lavasteine zu sehen.

Zur Rechten haben wir einen wunderschönen Blick auf den Pu'u Huluhulu, leider ist das Wetter etwas trüb.

Unmittelbar nach den großen Lavasteinen befindet sich linkerhand der große Heli-Landeplatz.

Die Markierung ist einzigartig Sie besteht aus vier Lavasteinchen, die mit einem sandfarbenen Plastiksack halbherzig umwickelt sind und am Boden liegen!.
Seltsam ist, dass sich der Heli-Landeplatz genau über einer Lavatube befindet – hoffentlich hält sie lange genug Stand.

Auffallend sind die vielen Lava Trees, die hier stehen. Sie sind allerdings relativ klein. Linkerhand steht ein Lava Tree, bei dem wir sogar bei genauem Hinsehen den Baumstamm erkennen können.

Wir gehen weiter und Steinmännchen begleiten uns. Nötig wären sie jedoch nicht.

Ein wenig später steht rechterhand eine Messstation für einen Seismografen.

Ich begutachte die Messstation etwas näher. Die Daten werden an das Jaggar Museum übertragen, möglicherweise sind im Jaggar Museum jetzt ein paar Leute in leichte Aufregung versetzt, da ich den Seismografen durch mein Gehen etwas erschüttere.

Kurz nach dieser Messstation geht die a'a-Lava wieder in einen normalen Fahrweg, der etwas mit Gras bewachsen ist, über.
Beidseits wachsen Ohia-Bäume, aber auch sehr viele Farne.

Bald darauf sehen wir rechterhand einen breiten, mit Gras bewachsener Fahrweg, Fahrspuren sind nur zu Beginn sichtbar.

Es zwitschern außergewöhnlich viele Vögel. Insgesamt ist es hier wunderschön, fast schon paradiesisch.

Um 13.45 Uhr sehe ich urplötzlich mitten auf dem Weg einen hellblauen Messpunkt, er trägt die Aufschrift "US Department of Interior, National Center for Earthquake Research" sowie "Menlo Park Calif. Geological Survey".
Unmittelbar daneben befindet sich ein zweiter Messpunkt, der grau ist. Die Aufschrift ist schon ziemlich unleserlich, heißt so ähnlich wie "US Geological Survey, Elevation above sea XXX (unleserlich) feet, Bench Mark".

Weiter geht`s Und zwar ständig und ganz heimlich bergauf, richtig heimtückisch

Nach 2,67 gegangenen Kilometern legen wir bei einem rechterhand gelegenen großen Stein eine Pause ein und stärken uns ein wenig. Es hat 25,3° C.

Michi meint, dass wir ca. 1/3 des Wegen zurückgelegt haben. Ob wir das auf der Karte eingezeichnete Gate heute noch erreichen

Plötzlich quert ein Pfau unseren Weg, aber bis ich die Kamera bereit habe, ist er auch schon im Dickicht verschwunden.

Um 14.40 Uhr sehen wir linkerhand eine relativ große Box. Sie interessiert mich jetzt. Der Deckel ist halb geöffnet, auf ihm klebt ein Schild mit der Aufschrift "Seismograph Equipment". Linkerhand liegt etwas Gerümpel und eine sehr große Batterie, die früher den Seismografen versorgt hat. Letzterer ist nicht mehr aktiv, es ist nur mehr das praktisch leere Gehäuse des Seismografen mit der zugehörigen Antenne zu sehen.

Rechterhand sehen wir schon eine Zeit lang mal mehr, mal weniger aus dem Boden herausragende Flacheisen, die ziemlich verrostet sind. Es muss sich um die Reste eines Zaunes handeln, der die Grenze zwischen dem District Ka'u und Puna gewesen sein könnte.
Michi schätzt das Alter der Zaunreste auf ca. 50 Jahre.

Um 15 Uhr bilden die linker- und rechterhand stehenden Bäume über unseren Köpfen einen Tunnel. Es ist relativ dunkel. Beidseits des Weges wächst Ginger, der aber nur teilweise geschnitten ist. Seitens des Volcanoes NPs wird Wert darauf gelegt, dass insbesonders der Kahili Ginger regelmäßig geschnitten oder zumindest umgeknickt wird, er wird als Unkraut angesehen, breitet sich viel zu rasch aus und vermeidet den Wuchs endemischer Pflanzen.

Wenige Minuten später stehen wir vor dem Gate. Es ist ein Schild mit der Aufschrift "This fence keeps pigs out" befestigt.

Ein weiteres Schild besagt "Please keep gate closed all the times". Bis hierher sind wir 4,68 km gegangen, allerdings von der Mauna Ulu parking area weg.

Wir verspeisen einen Müsliriegel und treten um 15.30 Uhr bei 26,1° C den Rückweg an.

Wettermäßig ist es stark bewölkt, die Sonne ist nicht zu sehen und wir sind mit 3,3 km/h unterwegs. Demnach müssten wir um 17.30 Uhr beim Auto sein.

Um 16.50 Uhr sind wir wieder beim Heli-Landeplatz und können uns an den Lava Trees kaum satt sehen. Eben kommt die Sonne ein wenig heraus.

Wir stehen vielleicht fünf Minuten hier, kommt uns ein junger Mann entgegen. Er trägt einen sehr großen Trekkingrucksack, an dem Ersatzwanderschuhe baumeln und schreitet im wahrsten Sinne des Wortes gemütlich dahin.
Obwohl wir ihn grüßen, sieht es zuerst so aus, als ob er uns gar nicht wahrnehmen würde – irgendwie steht er auf dem Schlauch. Doch dann fragt er uns, ob das eine Escape Rd. ist, was ich bejahe. Seine nächste Frage lautet, wie weit es denn noch bis zum Visitor Center sei, denn dort möchte er heute noch hin... Wir klären ihn auf, der junge Mann verliert für kurze Zeit die Sprache, wahrscheinlich denkt er, das Visitor Center liegt gleich ums Eck. Er bedankt sich und geht genauso gemütlich weiter wie zuvor. Nun ja, er hat sicher Campingequipment dabei, hat also kein Übernachtungsproblem.
Wenn er allerdings eine Taschenlampe dabei hat, kommt er irgendwann in der Finsternis beim Visitor Center an. Fragt sich nur, was er dann dort will. Es sperrt ja um 5pm.

Um 17 Uhr sind wir beim Anfangs-Gate, fünf Minuten später sind wir beim Auto, früher, als geplant.Wir sind insgesamt 9,26 km gelaufen.

Wir fahren Richtung Hilo zurück, aber zuerst ins Foodland, dann ins Hotel.

Beim Sack'n Save (so heißt hier großteils das Foodland) bleibt Michi im Auto sitzen, alternativ müssten wir Kameras und Stativ mit zum Einkaufen mitnehmen.

Im Hotel geben wir unsere Sachen ins Zimmer. Ich schnappe unsere Wäsche und gehe zur Laundry. Das geht heute recht flott, da anschließend auch ein Trockner frei ist.

Michi pilgert in der Zwischenzeit zur Rezeption, um das Bügelbrett mit dem Bügeleisen zu bestellen. Kaum sind wir im Zimmer, klopft es an der Tür. Ich öffne – das Bügelbrett samt Bügeleisen steht davor, aber sonst ist nichts zu sehen. Gerade so, als hätte diese Dinge eine gute Fee gebracht
Während ich bügle, richtet Michi unser Abendessen.

Weit nach Mitternacht gehen wir ins Bett