Samstag, 2. 5. 2009

Strafweise für unser spätes zu-Bett-gehen bimmelt das Handy erst um 6.45 Uhr.

Vom Bett aus kann ich den wolkenfreien Mauna Kea erkennen Oben ist er ein klein wenig mit Schnee bedeckt. Auch der Mauna Loa ist vollkommen frei. Ein wunderschöner Tag beginnt

Nach der Morgentoilette gehen wir zum Breakfast Buffet. Hier im Hilo Hawaiian Hotel merkt man von einer Weltwirtschaftskrise nichts, vielmehr entsteht der Eindruck, dass die ganze Weltbevölkerung unterwegs sei.

Unseren ursprünglichen Plan, nämlich den Kipuka Nene Trail alias Halape Trail zu gehen, lassen wir fallen. Unser neuer Plan sieht trotzdem die Fahrt in den Volcanoes NP vor. Dort möchten wir einen Teil des Ka'u Desert Trails laufen.

Um 11 Uhr – wir fahren auf der Hilina Pali Rd. – wird es, wie erwartet, trüber und trüber. Schönen Gruß von der SO2-Wolke

Entlang der Hilina Pali Rd. sind geschätzte 50 % des Baumbestandes schwer geschädigt, die Bäume sind silbergrau und haben fast keine Blätter mehr. Es wirkt gespenstisch, wenn man durch den silber-weißen Wald fährt.
Der Mauna Iki Trail ist gesperrt, ebenfalls aber der Kipuka Nene. Bei letzterem Trailhead ist das Wandermannszeichen durchgestrichen, bei genauem Hinsehen ist ein Zaun zu erkennen - letzteres ist aber nicht auf diesem Foto

Am Ende der Hilina Pali Rd. – am Hilina Pali Lookout – stehen zwei Autos am Parkplatz. Aus einem hängen bei den Fensterscheiben Wäschestücke heraus, offenbar zum Trocknen.

Wir ziehen unsere Wanderschuhe an, Michi schnappt das Stativ und wir starten um 11.15 Uhr auf dem Ka'u Desert Trail, der zwischen der Mauna Iki Junction und dem Crater Rim Trail gesperrt ist. Vom Ende der Hilina Pali Rd. bis zur Mauna Iki Junction ist der Ka'u Desert Trail geöffnet, das wären 7,7 km one way, mit einer angeblichen Höhendifferenz von 183 m. Es weht ein leichter Wind, meine Uhr zeigt 30,0° C an.

Der Ka'u Desert Trail führt zu Beginn über Lavaboden, der teilweise mit Gras bewachsen ist. Beidseits des Weges wächst hüfthohes Gras, das teilweise vertrocknet ist. Der Trail ist mit Steinmännchen, die aber nicht nötig wären, markiert.
Blühende Ohias säumen den Weg, es ist wunderschön

Um 11.50 Uhr verspüren wir Durst, der gestillt werden will. Beim Griff nach der Wasserflasche im Rucksack fällt mir auf, dass ich die Geldbörse nicht spüren kann Schock
Michi weiß auf Anhieb den Aufenthaltsort meiner Geldbörse Sie steckt bei der Handbremse im Jeep Mein Herz beginnt zu rasen, Erinnerungen an den 29. September 2007 werden wach. Ich will mich alleine auf den Weg zurück zum Auto machen, Michi soll in der Zwischenzeit mit all den Sachen hier warten, doch er dreht den Spieß um: Er geht (eilt) zum Auto, ich bleibe zurück... Recht ist mir das nicht, zumal er sich weigert, etwas zum Trinken mitzunehmen Er meint, im Auto haben wir ohnehin weitere Wasserflaschen. Das stimmt ja, aber bis dahin Männer...

Nun hocke ich hier – allein im Ka'u Desert – und warte. Michi wird für hin/retour mindestens 30 Minuten brauchen.

17 Minuten später sehe ich ihn am Horizont Uihh, er ist aber schnell Bleibt noch die Frage offen, kommt er mit Geldbörse oder ohne Was hat er zu berichten
Er kommt näher und ich kann die Geldbörse in seiner Hand erkennen Ein Felsklotz fällt mir runter Kurz darauf ist er bei mir, die Geldbörse kommt in den Rucksack und wir wandern weiter.

In der Folge ist der Weg ist immer mehr mit Gras und Farnen bewachsen. Wir können deutliche Wildschweinspuren erkennen. Die enorme Anzahl der Steinmännchen ist fast schon beeindruckend, obwohl der Trail bis jetzt kein einziges Steinmännchen erfordern würde. War hier mal jemandem langweilig

Um 13.10 Uhr legen wir auf einem kleinen Lavafeld eine Trinkpause ein, es hat 29,3° C. Nur 10 Minuten später gibt es eine Passage, die einzig und allein aus schwarzem Sand besteht. Es fehlt nur noch das Meer direkt daneben

Bald darauf ändert sich die Landschaft, wir gehen auf ein Wäldchen zu, das fast ausnahmslos aus Ohia-Bäumen besteht, die aber gut und gerne zur Hälfte abgestorben sind. Die zweite Hälfte blüht dafür umso schöner. Wir sind von braunen Lavasteinen umgeben und es geht auf erdigem Boden, der mit Lavasteinen durchsetzt ist, weiter.

Es dauert nicht sehr lange, macht der Trail einen 90°-Knick nach Süden und wir gehen Richtung Meer.

Nach wie vor ist es stark bewölkt, aber die Sonne quält sich immer wieder hindurch, sodass es richtig heiß ist. Wir sind froh über die Wolken, ansonsten wäre der Trail wohl kaum gangbar.

Um 14 Uhr überqueren wir einen ziemlich breiten erkalteten Lavafluss., der sich im Aussehen gegenüber der sonst hier üblichen Lava sehr unterscheidet. Diese Lava ist dunkelgrau, die andere mittelbraun, außerdem handelt es sich hier um a'a-Lava. Blühende Ohia's passen hier wirklich gut her.

Wir überqueren das Lavafeld und gehen auf einem ca. 30 bis 50 cm breiten Weg bergauf. Oben angekommen sehen wir unter uns den nächsten erkalteten Lavafluss, d. h., wir müssen wieder bergab.

Ab jetzt geht es ständig bergauf / bergab, wir überqueren einen Lavafluss nach dem anderen.

Um 15 Uhr treten wir den Rückweg an. Es hat 26,9° C und ist sehr stark bewölkt.

Nach einer Stunde sind wir an jener Stelle, bei der ich heute Vormittag auf Michi wartete, während er zum Jeep zurück lief. Wir stillen unseren Durst und ziehen weiter.

Wettermäßig sieht es für uns nicht sehr gut aus. Der Himmel ist dunkelschwarz, es sieht stark nach Regen aus. Wir brauchen viel Glück, um trocken zum Auto zu kommen.
Kurz darauf ist der Himmel noch schwärzer und wirkt bedrohlich.

1 km von der Hütte entfernt steht ein markanter Ohia. Das wäre eigentlich eine herrliche Stelle, um Rast zu halten, aber es sind – wie fast im ganzen Ka'u Desert Gebiet – Millionen von Ameisen unterwegs.

Um 16.45 Uhr sind wir beim Auto und es regnet immer noch nicht

Wir fahren zum früheren Kipuka Nene Trailhead und erforschen, ob der Trail auf einem anderen Weg erreichbar ist oder nicht. Na klar ist er Man muss nur rechterhand am Zaun entlang gehen und kommt nach kurzer Zeit zu dem uns schon bestens bekannten Schranken.

Den nächsten Stopp legen wir beim Kilauea Visitor Center ein. Praktisch ist, dass die Toiletten Tag und Nacht zugänglich sind
Anschließend sehen wir uns noch die Pläne des Volcanoes NPs an. Wie könnte es anders sein - beim Ka'u Desert Trail ist der Beginn der Trailsperre falsch Irgendwie bekommen sie das nicht auf die Reihe. Schon 2007 gab es einige Fehler, die aber durch unseren Hinweis korrigiert wurden.

Wir fahren zum Jaggar Museum. Was wir dort um diese Uhrzeit tun Den neuen Vent im Halema'uma'u Crater beobachten Die Rauchschwade geht – zu unserem Glück – in nordwestliche Richtung.

Neben mir stehen zwei junge deutsche Pärchen. Ein Mann dieser Gruppe ist besonders klug – meint er zumindest Er erklärt den anderen, dass der Halema'uma'u früher ein Lavasee war (ok, das stimmt ja noch...). Eine der beiden jungen Frauen fragt "und wo ist das Wasser dann hin?" und wird sofort aufgeklärt "das ist abgeflossen" Aha, jetzt wissen wir es also auch endlich... Wasser fließt ab, das hätten wir uns auch denken können

Die vier Leute stellen fest, wenn der Halema'uma'u nicht jetzt, wo sie hier sind, ausbricht, dann tut er das in den nächsten vielen hundert Jahren auch nicht und verschwinden.

Wir bleiben noch eine Weile und fahren dann wieder nach Hilo zurück, wo wir um 20 Uhr ankommen.

Nun hat Michi eine hervorragende Idee Er schlägt nämlich vor, dass wir in die Wai'oli Lounge (= Bar des Hilo Hawaiian Hotels) gehen, damit ich dort eine Suppe essen kann. Das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen

Die diensthabende Lady an der Bar teilt mir aber mit, dass die Suppe heute Abend bereits aus sei, aber sie gehe zur Sicherheit fragen. Kurz darauf kommt sie mit einem Teller Salmon Soup zurück Das ist wirklich eine Delikatesse – eine cremige Suppe mit sehr vielen Fischstückchen drinnen, dezent gewürzt, echt lecker

Michi holt sich ein Hähnchenteil, das heute am kostenlosen Tisch angeboten wird.

Wie immer am Samstag, beginnt kurz nach 21 Uhr eine 3-köpfige Band zum Spielen, ein Pärchen tanzt.

Wir vertschüssen uns ins Zimmer, der technische Teil wartet noch auf uns. Kurz nach Mitternacht begeben wir uns zur Nachtruhe