Montag, 4. 5. 2009

Um 6 Uhr erinnert sich das erste Handy an seine Pflicht, das zweite erst um 6.30 Uhr. Gut so

Ich wage einen Blick aus dem Fenster: In Richtung Saddle Road/Mauna Kea/Mauna Loa sieht es sehr dunkel aus.
Nur keine Müdigkeit vortäuschen, auch wenn sie echt ist Nach kurzer Zeit bessert sich das Wetter.

Michi verlautbart, er habe starken Muskelkater. Der Arme Ok, insgeheim schmeiße ich schon mal unseren heutigen Plan um, kurz darauf disponiert Michi um, er habe doch keinen Muskelkater (also was denn nun Ja oder nein ) und ich lasse die Tagesänderungen bleiben.

Beim Frühstück sind heute gegenüber sonst auffallend wenig Leute.

Nach dem Frühstück herrscht strahlender Sonnenschein, nur der Mauna Kea hält sich noch unter einer Wolkenschicht verborgen.
Ideales Wetter für unseren heutigen Plan Der sieht nämlich etwas Verbotenes vor – den Kahauale'a Trail, der gesperrt ist...
Wir hoffen allerdings, dass genau dann, wenn wir am Trailhead sind, ein Polizeiauto auftaucht. Unserer Erfahrung nach geschieht das immer am Vormittag. Warum wir uns ein Polizeiauto wünschen Leicht erklärt: Wir möchten – wenn möglich – vom Polizisten die Genehmigung haben, den Kahauale'a Trail trotz der Sperre gehen zu dürfen... Ob diese Rechnung aufgeht Und wenn nicht, was dann Nun, Pläne habe ich genug, daran soll es nicht scheitern

Um 8.40 Uhr fahren wir vom Hotel ab und 45 Minuten später stehen wir am Trailhead des Kahauale'a Trails.


2007, als wir den Trail liefen, stand hier ein neues Schild mit der Aufschrift "Kahauale'a Trail" und weiteren Hinweisen. Dieses Schild wurde mittlerweile entfernt.

Der eigentlich existierende orangefarbene Plastikzaun, der die Sperre des Trails bedeutet, ist niedergetrampelt. Das große Schild mit "Trail closed" weist zusätzlich darauf hin.

Wir sind das einzige Auto hier, rund um uns ist es vollkommen ruhig, nur ein paar Vögel zwitschern. Wie lange sollen wir auf ein Polizeiauto warten Oder nicht warten und einfach losziehen Aber was passiert dann, wenn der Polizist unser Auto sieht Wird es abgeschleppt Bekommen wir eine Strafe für das unerlaubte Begehen eines gesperrten Trails Fragen über Fragen, keine Antworten. Mist.

Michi beginnt schon, die Wanderschuhe anzuziehen, ich weigere mich, da ich immer noch auf das Polizeiauto hoffe. Aber wie lange War es am Ende schon hier

Während ich grüble, höre ich ein Motorgeräusch. Kurz darauf kann ich das nahezu ersehnte Polizeiauto erkennen. Mein Herz beginnt etwas schneller zu schlagen, zumal Michi bereits die Wanderschuhe angelegt hat.

Der Polizist parkt sich direkt neben unserem Auto ein, steigt aus, grüßt freundlich und dann kommt – wie erwartet – die Frage, ob wir denn den gesperrten Trail gehen möchten.

Ähem – ja... Wir kennen den Trail, sind ihn schon gelaufen und ja, wir wissen über die Gefahren Bescheid. Wir kennen auch den "big creek" (der Polizist muss erst aufgeklärt werden, was der "big creek" ist ).
Er fragt, ob wir ein Mobile Phone dabei hätten, was wir bejahen und notiert sich die Nummer. Bitte schön – gern geschehen
Nun will er noch wissen, wo wir auf Big Island wohnen. Kein Problem, auch diese Info geben wir gerne, Hauptsache, wir dürfen den Trail gehen

Wir müssen ihm versprechen, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit wieder beim Auto sind, aber das streben wir schon aus eigenem Interesse an.
Der Polizist notiert sich noch unsere Autonummer und mit einem "take care" verabschiedet er sich von uns. Puh Glück gehabt
Rasch notiere ich noch die Autonummer des Polizeiautos, nur für den Fall der Fälle

Nun ist es 9.45 Uhr, es hat 32,3° C und wir ziehen, nachdem auch ich meine Wanderschuhe angelegt habe, los.

Der Trail ist ziemlich rutschig und so kommen wir nur langsam voran.

Um 10.10 Uhr ist unmittelbar vor uns ein Crack von ca. ½ m Breite, er ist allerdings kaum tiefer als 70 cm und es ist nicht der "big creek".

25 Minuten später erreichen wir lt. GPS die 1 KILOMETER Marke. Ich schreibe Kilometer deswegen in Großbuchstaben, da der Trail in MEILEN ausgeschildert ist
1 km von insgesamt 12,3 km (wenn man die im Reiseführer angegebenen Meilen in Kilometer umrechnet), dafür haben wir 50 Minuten gebraucht – das sieht für den heutigen Tag nicht gut aus...

Um 11.10 Uhr stehen wir plötzlich vor dem 2-MEILEN-Marker. Wir sind völlig verdutzt, da das GPS 1,77 KILOMETER anzeigt

Fünf Minuten später steht neuerlich ein Schild mit der Aufschrift "Trail closed", ein weiteres Schild besagt "area closed". Hier geht es linkerhand zum Emergency Helipad, wie ein weiteres Schild verrät. Auch wird hier erstmals "Kahauale'a Trail" erwähnt.

Der Trail ist – wie schon 2007 – mehrfach mit blauen Bändern markiert, abgesehen davon ist er immer wieder an den im Boden querliegenden kurzen Baumstämmen, die einem das Gehen erleichtern sollen, zu erkennen.

Wir kommen nun ganz gut vorwärts, es hat auch "nur" 28,1° C. Da es vollkommen windstill und der Trail doch ein wenig anstrengend ist, kommen wir ganz schön ins Schwitzen.

Um 12.25 Uhr springen wir bei gelaufenen 3,86 km über den "big creek", der wirklich sehr tief ist. Wie tief, weiß ich gar nicht, da der Boden des Creeks nicht zu sehen ist.

Die wilde Romantik dieses Trails ist nicht so schnell zu überbieten.

Wettermäßig sieht es stark bewölkt aus, es sind aber keine normalen Wolken, sondern die Wolke des Pu'u O'o, es riecht aber nicht sehr stark nach SO2. Es ist sehr schwül, das Thermometer will uns aber 27,7° C weismachen.

Rund um uns zwitschern enorm viele Vögel, der Bird Trail würde wieder einmal mehr erblassen.

Um 12.30 Uhr erreichen wir den 4-MEILEN-Marker, das GPS zeigt 4,02 KILOMETER
Es sind ganz danach aus, als würde hier ein Fehler bei der Bezeichnung Kilometer und Meilen vorliegen. Wir legen eine kurze Trinkpause ein, so geht's ja auch nicht

Der Wald lichtet sich und wir laufen auf einem sehr schmalen Lavastreifen. Es ist wunderschön hier Momentan schwirrt nicht mal ein Helikopter in der Nähe, sodass wir Natur und Ruhe pur haben.
Um 12.45 Uhr sind wir nach exakt 3 Stunden Gehzeit am Ziel Nach einer Linkskurve ist plötzlich der Pu'u O'o zu sehen

Vor uns liegt das große Lavafeld, ich kann gar nicht in Worte fassen, welch großartiges Gefühl das ist

Die uns schon von 2007 bekannten Schilder "Trail closed" und "area closed" sind nach wie vor vorhanden.

Lt. GPS sind es bis hierher 4,39 KILOMETER, laut Reiseführer 4,5 MEILEN

Irgendein Unbekannter hat dankenswerter Weise Bänke in Form von Baumstämmen errichtet.
Wir sind überglücklich Nur Michi und ich sitzen nun hier, hinter uns der Pu'u O'o und wettermäßig haben wir enorm großes Glück.
Ein Stück weiter draußen am Lavafeld sehe ich einige Ohia-Bäume, einer davon trägt schon zahlreiche Blüten.

Wir beschließen, hier zu picknicken, wie wir es schon 2007 taten. Zwischendurch schießen wir zahllose Fotos, wir können gar nicht genug von dem Anblick bekommen

Einige Male gehe ich ein Stück auf das Lavafeld hinaus, aber die sich nähernden Helikopter vertreiben mich immer wieder. Mit meinem weißen T-Shirt will ich nicht unbedingt entdeckt werden, wer weiß, was dann passiert...

Um 13.30 Uhr packen wir unsere Sachen zusammen und treten den Rückweg an. Grund für dieses relativ rasche Umkehren ist, dass sich die Wolke des Pu'u O'o sehr rasch nähert.

Kurz nach dem "big creek" beginnt es zu tröpfeln Wenn es nur nicht mehr wird...

Um 14 Uhr stockt uns der Atem. Wir hören rechterhand ein lautes Geräusch, irgendetwas bricht durch die Büsche. Das kann sich nur um ein Wildschwein handeln.
Und dann sehen wir es sogar, es scheint aber an uns nicht interessiert zu sein. Sehr gut

Michi möchte, dass ich vor ihm gehe. Feigling Mutig schreite ich voran, Spinnweben-durchbrechend, damit man(n) sich nicht mit solchen herumschlagen muss

Erfreut stellen wir fest, dass das Tröpfeln aufhört und stattdessen die Sonne heraus kommt

Um 15.35 Uhr, nach gelaufenen 8,3 Km und 25,3° C schnaufen wir bergauf und bergab, es ist unheimlich schwül. Es ist sogar schon Zivilisationslärm zu hören.

Es ist nun 16 Uhr und nach Gesamtkilometerangabe des GPS sollten wir schon längst beim Auto sein, sind wir aber nicht. Wiederum beginnt es zu regnen, aber diesmal um einiges mehr als zuvor. Das bedeutet, wir müssen/sollen uns beeilen.

Um 16.15 Uhr erreichen wir den Trailhead, das Auto ist schon in Sichtweite. Drei Räder sind mindestens noch dran, soviel ist schon erkennbar. Ich gehe näher – das vierte Rad ist auch noch dran, keine Scheiben eingeschlagen, ausgezeichnet
Es hat 24,5° C und wir ziehen unsere Wanderschuhe aus, ehe es noch mehr regnet.

Beim Hirano Store gönnen wir uns ein Eis und fahren dann nach Hilo zurück. Michi dreht die Aircondition im Jeep auf die kälteste Stufe und ich sehne mich nach einer heißen Suppe.

Doch zuvor stoppen wir noch beim Starbucks, wo Michi Espressos holt.
Um 17.45 Uhr sind wir wieder im Hotel.

Die heiße Suppe verkneife ich mir, stattdessen essen wir nur eine Kleinigkeit im Zimmer, denn der technische Krimskrams ist auch noch zu erledigen.

Früh, nämlich um 23 Uhr, gehen wir ins Bett