Montag, 27. 4. 2009

Erbarmungslos wirft uns das Handy um 6.30 Uhr aus dem Bett. Wir machen uns rasch fertig und gehen zum Breakfast hinunter, das ab 6.30 Uhr erhältlich ist.

Der Kaffee hat zwar die übliche Farbe, der Geschmack hat allerdings nur wenig Ähnlichkeit mit Kaffee. Wir bedienen uns am Buffet und dürfen $ 25,25 zahlen, was nicht gerade wenig ist.

Wettermäßig ist es wechselhaft. Im Augenblick ist der Mauna Kea nicht zu sehen, aber langsam kommt blauer Himmel
hervor. Richtung Volcanoes NP sieht es nach wie vor düster aus.

Egal, wir fahren trotzdem um 8 Uhr in den Volcanoes NP, schließlich haben wir das Permit für den Napau Crater Trail. Umdisponieren und auf die Saddle Rd. fahren, um den Pu'u O'o Trail zu laufen, können wir immer noch.

Je näher wir dem NP kommen, umso mehr brennen mir die Augen und mein Hals kratzt. Schönen Gruß vom Schwefeldioxyd

Um 9 Uhr stellen wir den Jeep bei der Mauna Ulu parking area ab, ziehen unsere Wanderschuhe an und starten um 9.15 Uhr.
Über uns ist blauer Himmel mit zahlreichen Wolken durchzogen.

Wir sind noch nicht lange unterwegs, springt vor uns eine ca. 5 cm große Spinne. Würde sie sich nicht bewegen, wir würden sie gar nicht sehen, denn sie ist Lava-farben.

Was mir gegenüber früheren Jahren hier fehlt, sind die gelben Leuchtmarkierungen, die mehr als spärlich zu sehen sind, es wurden allerdings – verglichen mit 2007 – mittlerweile große Steinmännchen errichtet.

Um 9.45 Uhr sind wir bei der Abzweigung zum Pu'u Huluhulu, gehen aber nicht hinauf. Es kommt ein ziemlicher Wind auf und vom Pu'u O'o kommt die altbekannte SO2-Wolke auf uns zu.

Erfreut stelle ich fest, dass ich den Reisezeitraum richtig erwischt habe, denn ich wollte, dass wir genau zur Ohelo- und OhiaBlüte auf den Inseln sind. Bei den Ohelos sind teilweise schon die orangefarbenen und weißen Beeren sichtbar.

50 Minuten später sind wir beim direkt neben dem Napau Crater Trail gelegenen ehemaligen Lavasee. Dieses "Loch im Boden" halten die meisten Touristen (so auch ich bis 2007) für einen Krater, was es aber definitiv nicht ist. Dieser ehemalige Lavasee trägt jedoch derzeit keinen offiziellen Namen.

Er weist zahlreiche große Risse auf und sieht nicht wirklich zuverlässig aus. Nach wie vor weht ein heftiger Wind, aber temperaturmäßig ist es ideal, was die Sicht nicht behaupten kann.

Wir wandern über dampfende Lavaspalten hinweg, denn wir befinden uns in einem Gebiet, in dem es qualmt und qualmt und qualmt. Es ist wunderschön

Um 11 Uhr legen wir eine kleine Trink- und Verschnaufpause ein, bis zum Makaopuhi Crater ist es nicht mehr allzu weit.
Linkerhand des Makaopuhi Craters ist ein kleiner Hügel, dort befindet sich der Krater "Kane Nui o Hamo", der am kleinen Einschnitt in der Landschaft zu erkennen ist.

Wir gehen in diese Richtung, in der es ebenfalls enorm qualmt, was auf Regenfälle in der letzten Zeit zurück schließen lässt.

Der Weg ist soweit mit Steinmännchen markiert, bis wir um 11.15 Uhr am Boden – offenbar mit Spray geschrieben – das Wort "END" sehen.

Ab dann wandern wir querfeldein, immer im Hinterkopf, dass das Gebiet unter uns instabil ist.
Dass hier nur äußerst selten jemand geht ist daran zu erkennen, dass der Lavaboden so gut wie keine Abnützungserscheinungen zeigt. Es knirscht unter unseren Füßen, da wir mit den Schuhen die oberste Lavaschicht abrubbeln.

Wir streben auf das Wäldchen zu, das wir sehen und hoffen, dass wir dann – wie auch immer – den Kane Nui o Hamo – sehen.

Das Gebiet unter uns ist sehr hohl. Wie hohl merke ich, als ich plötzlich einbreche Glücklicherweise passiert kaum etwas, ich habe nur einige Schürfwunden am Unterschenkel, die sofort zu bluten beginnen, sonst nichts.

Allerdings sehen wir jetzt wieder den Makaopuhi Crater, nur aus einer anderen Sicht. Ein Durchkommen durch das Wäldchen ist wegen sehr dichten Bewuchses nicht möglich und da wir bis zum Napau Crater kommen wollen, drehen wir nach etlichen Fotos und Filmaufnahmen um.

… doch nur kurz, denn es lässt uns keine Ruhe – wir möchten den Kane Nui o Hamo finden

Der Boden unter uns ist nach wie vor spröde und hohl. Der Makaopuhi Crater ist im Moment zu unserer Rechten und wir gehen über das knirschende Gelände weiter.

Um 11.45 Uhr stehe ich vor dem Makaopuhi Crater. Vor mir geht es offenbar senkrecht hinunter, rechts im Crater qualmt es ein wenig.

Zwar geben wir uns große Mühe, den Kane Nui o Hamo zu finden, aber es gelingt uns nicht. Wir müssen uns endgültig von der Sucherei lösen, da wir unser Tagesziel unbedingt erreichen und vor Einbruch der Dunkelheit wieder beim Auto sein möchten.

Bleibt nur eines: umdrehen und auf dem knirschenden Lavaboden zurück gehen.


Um 12.30 Uhr sind wir wieder am Napau Crater Trail, der Makaopuhi Crater befindet sich zu unserer Linken.

Der Himmel ist sehr stark bewölkt, es sieht nach Regen aus, optimistisch setzen wir jedoch unsere Wanderung fort. Übrigens hat es 26,5° C. Der ansonsten sehr starke Wind beim Makaopuhi Crater ist heute nicht besonders ausgeprägt.

Kurz darauf kommen wir zu "unserem" Wäldchen. Erstaunlicher Weise ist der Eingang stark verwachsen, gerade so, als würden die meisten Hiker beim Makaopuhi Crater kehrt machen. Na – uns kann es Recht sein.

Von einem "Aussichtspunkt" sehen wir sehr schön in den Makaopuhi Crater hinunter und linkerhand sehen wir im Krater jene Dampfwolke, die zuvor – auf der anderen Seite des Craters – rechts von uns war.

Wir gehen ein Stück weiter und ein quer liegender Baum möchte uns den weiteren Weg versperren – keine Chance, wir steigen drüber.
Kurz darauf das nächste Hindernis, nämlich der nächste schräg liegende Baum, wir können allerdings bequem unten durch gehen.

Um 12.50 Uhr stehen wir an der Kreuzung mit dem Naulu Trail bzw. Kalapana Trail und dem Lae'apuki Trailhead. Ein Schild verrät, dass wir noch 1,9 mi bis zum Napau Crater haben.

Weiter geht es durch den wild-romantischen Wald. Dieser Napau Crater Trail ist einer der schönsten im ganzen Hawai'i Volcanoes NP.

Zehn Minuten später kommt uns ein jüngeres Pärchen entgegen. Sie erzählen, dass man vom Lookout nichts sehen kann, da alles voller Rauchschwaden ist. – Mit etwas Anderem rechnen wir allerdings sowieso nicht, sondern genießen diese schöne Wanderung.

Während des Gehens verspeisen wir einen Trailmix, eine Mischung aus Erdnüssen, Cashewnüssen und Rosinen. Schmeckt ganz gut, kostet 99 Cent und ist im Foodland erhältlich.

Über uns ist der Himmel nach wie vor grau in grau und es stellt sich mir die Frage, ob wir heute nicht noch ordentlich eingewässert werden. Besonders günstig wäre das nicht, da wir unsere Wanderschuhe morgen unbedingt benötigen.

Um 14 Uhr erreichen wir die Old Pulu Factory.

Der Trail ist auch weiterhin gut erkennbar, aber nur ca. 30 bis 40 cm breit. Beidseitig wachsen Farne, die unsere Beine zerkratzen, aber wir wollten es nicht anders, deshalb sind wir auch in Shorts unterwegs

Zehn Minuten später sind wir an der Kreuzung, wo es linkerhand zur Napau Campsite und rechterhand zum Napau Overlook geht. Da wir uns die Campsite ansehen wollen, biegen wir links ab.

Kurz darauf sehen wir ein Holzschild mit der Aufschrift "Toilet" und einem Pfeil geradeaus und nun ist auch schon das entsprechende Holzhäuschen sichtbar. Es ist eine pit toilet, ein Besen mit langem Stiel ist vorhanden.
Ich versuche herauszufinden, wo sich die Campsites befinden. Meiner Meinung nach ist keiner der Untergründe wirklich geeignet. Wenn man allerdings bei der Toilette links herum geht und dem Pfad weiter folgt, kommt man zu einer freien Lavafläche, die gut genug fürs Zelten zu sein scheint.

Hier ist auch der weitere Trail zum Napau Crater, der mit einem entsprechenden Schild "Stay on trail" und allen möglichen Warnungen gekennzeichnet ist. Ein Stück dürften wir auf diesem Trail noch gehen, ehe er gesperrt ist, da der Napau Crater seit Jahren nicht durchquert werden darf.

Wir drehen um und gehen zum Napau Crater Trail zurück.

Um 14.30 Uhr – spät, aber doch – sind wir am Ziel, dem Napau Overlook. Endlich – nach 1,5 Jahren – stehen wir wieder vor den Napau Crater, der uns zu Füßen liegt.

Wir machen es uns auf dem Boden gemütlich und verspeisen unser Mitgebrachtes: Würstchen aus der Dose. War der Pu'u O'o vor wenigen Minuten noch sichtbar, so ist er jetzt völlig verschwunden – die dicke SO2-Wolke ist daran schuld.

Um 14.50 Uhr beginnen wir mit dem Rückweg. Es ist feucht und auch kalt, weswegen wir unsere Jacken anziehen.

20 Minuten später gehen wir an der Old Pulu Factory vorbei.

Man glaubt es kaum: Um 15.35 Uhr () kommt uns ein junges Pärchen entgegen. Sie sind ganz schön spät dran... Sie haben eine beachtliche Ausrüstung, nämlich absolut nichts. Keinen Rucksack, nichts in Händen… Manchmal können wir uns nur wundern.
Die junge Frau interessiert sich für die Uhrzeit, da sie selbst keine Uhr trägt.

Um 15.40 Uhr sind wir wieder an der Kreuzung mit dem Naulu Trail. Laut meinem Plan liegen weitere fünf Meilen vor uns.

20 Minuten später sind wir gerade noch im Wäldchen und es beginnt zu regnen. So etwas müsste nun wirklich nicht sein Was bleibt uns übrig, als unsere Regencaps anzuziehen. Aber auch als wir aus dem Wald heraußen sind, regnet es weiter. Vor uns ist der Himmel grau in grau – herrliche Aussichten für den weiteren Rückweg

Es hört zwar bald darauf zu regnen auf, aber es geht solch ein unangenehmer kalter Wind, sodass wir die Regencaps als Windschutz anlassen. Neben uns ist der frühere Lavasee, es ist 16.55 Uhr.

Eine halbe Stunde später gehen wir am Fuße des Pu'u Huluhulu vorbei. Zur Abwechslung regnet es wieder.

Um 18.10 Uhr haben wir es geschafft – wir sind wieder beim Auto.

Es war eine wunderschöne Wanderung, auch wenn wir den Pu'u O'o fast nicht sehen konnten. Der Trail verlangt allerdings ein wenig Kondition, da er doch ganz schön lange und das Gehen auf der Lava anstrengend ist.

Wir ziehen unsere Wanderschuhe aus, legen die Regencaps ab und fahren zum Hotel zurück, wo wir um 19.30 Uhr ankommen. Ich kann kaum aus dem Auto aussteigen, in der Folge kaum gehen. Meine Oberschenkel brennen auf der Rückseite dermaßen, als hätte ich dort keine Haut, sondern eine riesengroße offene Wunde. Jeder Schritt ist eine Qual.
Nun ja, wir sind lt. GPS immerhin 21,3 Km gelaufen.

Nach dem Duschen statten wir der Wai'ouli Lounge einen Besuch ab. Nein, wir wollen keinen Mai Tai, ich möchte eine heiße Suppe, mir ist nämlich erbärmlich kalt und Michi hat sowieso Hunger.

Wie schön, in der Bar befindet sich nur die Angestellte, die wir schon seit langem kennen, sonst niemand.
Michi bestellt sich ein Chicken Gordon Bleu Sandwich und ich wähle, wie erwähnt, eine Suppe, egal, welche kommen mag.
Später, beim Versuch, wieder aufzustehen, gelingt mir das nur äußerst mühsam. Ich kann nach wie vor kaum gehen, da ich enorme Schmerzen habe.

Im Zimmer erledige ich noch den technischen Teil, ehe wir todmüde um 22.45 Uhr ins Bett fallen.