Freitag, 13. 8. 2010

Um 6 Uhr werde ich kurz munter und werfe einen Blick durch die Balkontür. Der Mauna Kea wird gerade sehr schön von der aufgehenden Sonne beleuchtet.
Ich lege mich noch mal nieder und schlafe die nächste Runde.

Um 8.30 Uhr läutet der Wecker und reißt mich aus den Träumen. Ich stehe rasch auf und bereite unser Frühstück zu. Kaum bin ich fertig, wird Michi munter und wir frühstücken sehr, sehr gemütlich vor der geöffneten Balkontür mit Blick auf die Hilo Bay und den mittlerweile stark verschleierten Mauna Kea.
Wirklich gut, dass wir den Toaster gekauft haben, damit ist der Quietsch-Toast kein Quietsch-Toast mehr. $ 16, die sehr gut angelegt sind, überhaupt bei solch einem Langzeitaufenthalt.

Heute steht die Fahrt auf den Mauna Kea am Programm. Anschließend werden wir aber bald ins Hotel zurück fahren, um dann zum Prince Kuhio Plaza SC zu fahren, denn ich brauche unbedingt eine große Ansichtskarte und diese habe ich bisher nicht bekommen.
Auch müssen wir Chris anrufen, ob sich für morgen etwas geändert hat.
Um 11 Uhr verlassen wir das Hotel, in Hilo ist es trocken.

Auf der Saddle Rd. ist strahlend blauer Himmel, der Mauna Kea vollkommen wolkenfrei, die Observatorien lächeln uns an, es ist traumhaft schön

Um 11.50 Uhr biegen wir auf die Mauna Kea Access Rd. ein.

Die Hügellandschaft ist wunderschön. Beidseits die weiten Landschaften der Parker Ranch, wobei sich die Frage erhebt, ob das auch heute noch alles Parker Ranch ist oder eventuell schon Hawaiian Homelands gehört.

Auf zu zahlreichen Foto- und Filmstopps!

Ein Blick zurück zum Mauna Loa.

Wir krabbeln die Mauna Kea Access Rd. hoch, es sind 30 mph erlaubt, aber mit dem Jeep erreiche ich sie kaum. Egal, ich will ohnehin nicht rasen.

Um 12.05 Uhr verrät uns eine Info-Tafel, dass sich das Visitor Center in einer Viertel Meile befindet.

Dort angekommen, sitzen einige Leute beim Picknick. Es hat 52° F.

Wir gucken uns im Visitor Center um und sehen uns den Film an, der aber schon bald langweilig wird. Die Bilder passen überhaupt nicht zum Text.

Der Radfahrer, den wir vorhin überholt haben, sitzt vor uns und rastet sich aus, hat sichtliche Atemprobleme, hustet einige Male und geht dann hinaus.

Wir machen es ihm nach, aber nur mit dem hinaus gehen, das Husten lassen wir bleiben ? Der Radfahrer lehnt sein Fahrrad an ein offensichtlich einheimisches Auto an und setzt sich auf den Kofferraumdeckel. Er wartet auf seine Eltern, die hier hiken, wie er erzählt.

Er erzählt weiters, dass er letztes Jahr eine ganze Stunde für die Strecke benötigt hat und dieses Jahr schaffte er es in 50 Minuten. Viel Spaß beim weiteren Training

Um 12.50 Uhr fahren wir weiter.

Unmittelbar nach dem Visitor Center endet der Asphalt. Ich schalte den Allrad ein. Linkerhand geht der Humu’ula Trail weg.

Zu Beginn ist die Piste in einem sehr guten Zustand.

Der erste Stopp ist bereits eingelegt, denn auf der gegenüber liegenden Seite habe ich am Mauna Loa die Mauna Loa Observatory Rd. entdeckt.

Typisch ist außerdem, dass ich dann, wenn ich die Tele nicht mit habe, sie, so wie heute zum Beispiel

Der Zustand der Piste verschlechtert sich deutlich. Ich fahre nun auf „1“. Landschaftlich ist es trotzdem wunderschön!
Kurz nach Meile 2 bleiben wir rechterhand am Pistenrand stehen. Links unterhalb ist ein bunter Vulkankegel.

Die Piste ist jetzt wieder in einem ausgezeichneten Zustand, es war also nur ein kleines Stück sehr ruppig.

Ein normaler PKW überholt uns, der arme Teufel hat anscheinend überhaupt keine Zeit, er macht kein einziges Foto, ist aber ganz offensichtlich ein Tourist!

Wir stehen beim Schild „11.000 feet“. Michi fotografiert den bunten Kegel und er sieht auf die ausgebaute Saddle Rd.

Wir zockeln langsam und gemütlich hoch und genießen jeden Höhenmeter. Es ist ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel

Um 13.50 Uhr erreichen wir den Asphalt, der deutlich unterhalb des MM 5 beginnt, sprich 12.000 feet.

Gegenüber des MM 7 geht der Lake Wai'au Trail weg, der am Foto deutlich zu erkennen ist.

15 Minuten später stehen wir kurz vor dem MM 8, vor uns sind die ersten Observatorien.

Wir stellen den Jeep am Parkplatz bei den Observatorien ab, hier hat es 61° F.

Es sind nicht sehr viele Autos hier, mindestens die Hälfte der Autos sind „for official use only“.

Ich bleibe vorerst im Auto sitzen, um mich zu akklimatisieren.
Zwar versuche ich, die Situation mit Nüsse knabbern zu verbessern, aber naturgemäß misslingt das.

Michi filmt in der Zwischenzeit den Haleakala auf der Nachbarinsel Maui, aber ich schlafe schon

Irgendwann raffe ich mich auf, ziehe meine Wanderschuhe an und muss mich wieder setzen.
Einige Zeit später krame die Unterjacke sowie Wanderjacke hervor und gehe nach draußen, um ein wenig herumzuspazieren.

Nach geschätzten zehn Minuten komme ich zum versperrten Auto zurück, wo Michi schon wartet. Der Arme! Er wusste ja nicht, dass ich inzwischen soweit fit bin.

Noch ein Blick in die herrliche Kraterlandschaft:

Wir verspeisen unsere Jause, das muss jetzt endlich sein

Es ist enorm kalt, wir sind dick angezogen Michi schultert das Stativ samt Camcorder, ich hänge mir die Spiegelreflex um den Hals und wir möchten versuchen, endlich wieder auf den Mauna Kea zu gehen.

Hier einfach darüber steigen.

Hier ist er, der 4.205 m hohe Mauna Kea.

Es ist mühsam, wirklich mühsam, Schritt für Schritt gehen wir vorwärts, stets unser Ziel vor Augen.

Um 16 Uhr ist es bei 12.7° C geschafft: Wir sind am Mauna Kea 13.796 Fuß hoch

Hier heroben ist ein kleines Dreieck aufgebaut, mit und für Leihgaben für die Feuergöttin Pele.

Wir haben einen herrlichen Blick auf den gegenüber liegenden Mauna Loa. Die Anzeige auf meiner Wetteruhr sinkt zunehmend: 10,6° C, 9,8° C, 6.0° C – brrrrr

Um 16.20 Uhr treten wir den Rückweg an.

Am Parkplatz angekommen, steht neben unserem Auto ein weiteres, was ja keine Seltenheit ist, die Beifahrertür offen, der Fahrer alleine im Auto, er fährt ein Mustang Cabrio.

Der Fahrer grüßt freunlich zu uns herüber und fragt, ob wir diejenigen sind, die am Gipfel waren. Ja, das waren wir ? Er habe uns fotografiert und uns eine Nachricht hinter dem Scheibenwischer hinterlassen. Wir sollen ihm eine Mail schreiben, dann schickt er uns die Fotos.

Tatsächlich! Hinter dem Scheibenwischer steckt ein kleiner Zettel mit Name, Telefonnummer und Email-Adresse und dem Hinweis, dass er vier Fotos von uns am Summit gemacht habe

Wir bedanken uns und er fragt, ob wir nicht ein Foto von ihm machen könnten. Auf den Gipfel möchte er nicht, er habe keine warme Kleidung mit, aber rasch ein paar Fotos mit dem Mauna Kea im Hintergrund, das würde ihm schon sehr gefallen.

Na klar!

Er drückt mir seinen Fotoapparat in die Hand und ich fertige einige Fotos an, teilweise mit den Observatorien im Hintergrund, andere mit dem Mauna Kea im Hintergrund.
Dann fotografiere ich ihn noch mit unserer Kamera, sicher ist sicher.

Schließlich verabschieden wir uns und wir fahren hinunter.

Hinweis: Nach unserer Rückkehr schrieb ich dem freundlichen Mann eine Email, schickte ihm die Fotos, die ich schoss und bat ihn, uns die Fotos zu senden, was er umgehend tat. Er bedankte sich nochmals, dass ich Fotos von ihm geschossen habe. Er sei so viel auf Reisen, es gäbe aber nur wenige Fotos, wo er darauf zu sehen ist und die Fotos vom Mauna Kea freuen ihn besonders.

Hier zwei der Fotos, die er von uns schoss, als wir am Mauna Kea waren (das Datum habe ich absichtlich nicht wegretouchiert, da ich die Fotos im Original einstellen möchte):

Michi sitzt noch in voller Montur im Auto, ausgenommen sein Stirnband, auch die Handschuhe trägt er noch. Die Hände wärmt er sich im geheizten Auto.

Kurz nach dem Hinunterfahren und ehe noch die erste Haarnadelkurve kommt, stoppen wir, da ich unbedingt ein Foto von diesem Kraterkessel schießen möchte.

Der nächste Stopp ist kurz darauf. Ich gucke mir die Wolkenformationen an, während Michi filmt. Meine Blicke schweifen über die Landschaft und plötzlich sehe ich etwas, was ich letztes Jahr kein einziges Mal wahrgenommen habe! Ich sehe den Vent im Halema’uma’u Crater bzw. dessen Dampfwolke! Das muss auf Foto und Film gebannt werden

Wir legen einen Stopp ein, denn Michi möchte den Halema’uma’u filmen. Nach längerer Zeit kommt er zurück und er friert erbärmlich.

Originalton Michi (vom Voice Recorder abgetippt )

„Ich komme gerade von einer Klippe zurück, wo mich der Wind fast hinunter geweht hätte, von hinten packt mich der Wind und wirft mich über das Stativ, es war eiskalt.
Ich komme zurück und was sehe ich durch die Scheibe, während ich mich gegen den Wind stemme und versuche, mich mit dem Stativ zu stabilisieren?
Die Maus sitzt drinnen im T-Shirt, tief im Reiseführer vergraben, weitere Reiseführer ausgebreitet, die Karten wahrscheinlich auch noch. Da friert man sich den A… und die Ohren ab und die Maus tut Reiseführer schmökern. Na wirklich! Ein bisschen Internet noch und der Tag ist gelaufen. Da brauchen wir gar nicht da herauf fahren, ist ein Tag weg wie nix“

Originalton Angie

„Ergänzend muss ich mich jetzt aber wehren, denn das ist nur teilweise wahr
Ich sagte zuvor zu Michi, er solle sich die Ohrschützer aufsetzen, nein, das brauche er nicht, er habe ohnehin Watte in den Ohren. Dass er jetzt mit halb erfrorenem Gesicht zurück kommt, dafür kann ich doch nichts Die Handschuhe liegen hinten auf der Rückbank, dass er sie nicht anzieht, dafür kann ich auch nichts Und die Pu’us dort unten – da habe ich vor ganz wenigen Minuten zu ihm gesagt '‚bitte hab’ Verständnis, ich muss jetzt stehen bleiben, das Licht fällt jetzt so schön herein’. Dass ER jetzt draufgekommen ist, dass er das auch filmen könnte, dafür kann ich nichts, er hätte ja vorhin, wo ich zum Fotografieren draußen war und er im warmen Auto saß, auch aussteigen und filmen können, aber nein, der Zeitpunkt war ihm nicht genehm Also wirklich, alles muss ich mir nicht gefallen lassen, nur manches“

So, weiter geht’s in Richtung Visitor Center.

Ich fahre mit 4L weiter, ansonsten stehe ich ständig auf der Bremse, wenn ich mit 4H weiter fahre.

Um 17.45 Uhr sind wir beim Visitor Center und ich gebe den Allrad heraus. Es hat erfrischende 44° F.

Wir legen nur eine kurze Pause ein und fahren weiter.

Was hier an Betrieb ist, wie viele Besucher hier sind, das sind mindestens 200 Besucher!! Busweise werden die Leute herauf gekarrt.
Das ist komplett aus dem Ruder gelaufen! Im Visitor Center haben z. B. nie und nimmer 200 Besucher Platz, höchstens 50, aber nur, wenn sie stehen!!

Beim Kipuka Pu’u Huluhulu tauschen wir die Wanderschuhe gegen die Flip Flops.
Dann nützen wir unser „Wissen“ und Michi geht in Richtung des Plumpsklos, ich bleibe inzwischen beim Auto, anschließend tauschen wir die Rollen.

Frisch-fröhlich und erleichtert verlasse ich das WC, die Sonne knallt mir voll ins Gesicht, sodass ich praktisch blind bin. Ehe ich mich versehe, liege ich am Boden und weiß zuerst nicht, wieso, weshalb, warum ? Ich blicke stumm um mich - zu einem Schrei reicht es nicht - hat ein Idiot einen riesengroßen Stein direkt vor die Plattform, auf der das WC steht, gelegt und diesen Stein kann man bei Sonnenuntergang nicht sehen! Es ist also höchste Vorsicht geboten

Einige kleine Steinchen pule ich aus meiner Hose, wische mir den ärgsten Schmutz ab und gehe zum Auto zurück.
Achja, meine große Zehe blutet ein wenig
Nein, Sachen gibt’s!

Auf dem Kaumana Drive bleiben wir beim 7/11 stehen, Michi kauft eine Gallone Milch, offenbar 2 %, wie wir es immer haben und Michi fragt mich, als er wieder kommt, ob ich weiß, was eine Gallone Milch kostet (ausgerechnet MIR muss er die Frage nach Lebensmittelpreisen stellen! ). Antwort: Knapp über $ 4 die Gallone.
Falsch, sagt er, er hat $ 10,69 bezahlt!

Er bekommt von mir den Auftrag, die Gallone zurück zu bringen, was er auch tut.
Die Lady nimmt die Milch anstandslos zurück und Michi sagt zu ihr, das sei schon ein verdammt hoher Preis und sie meint, ja klar, man soll die Milch ja auch im Supermarkt unten kaufen, da ist sie viel billiger.
Wie wahr, wie wahr.

Um 19.20 Uhr sind wir in der Hotelgarage.

Im Zimmer werfe ich das Netbook an, von Chris ist keine Mail gekommen oder wäre eine gekommen und sie ist nur nicht eingegangen? Kommt ja leider immer wieder vor.

Nach einigen Überlegungen ruft Michi Chris an. Chris hat geschlafen und ist zuerst sehr langsam beim Reden
Ein Freund von ihm war vor zwei Tagen draußen, es fließe Lava an der Oberfläche. Also treffen wir uns wieder zum vereinbarten Zeitpunkt.

Ich richte für Michi drei Toasts her, für mich nur Schinken, Käse und einen Pfirsich.

In der Zwischenzeit überspiele ich die Filme und Fotos, wobei es bei den Fotos einen Haken gibt, denn am Laufwerk D ist kein Platz mehr.
Also gut, dann kommt jetzt alles auf die zweite externe Festplatte, wozu haben wir sie denn.

Trotz eifriger Bemühungen sind wir erst um 22.30 Uhr im Bett. Das wird wieder eine kurze Nacht. Wo soll das noch hinführen?

Sleep well