Donnerstag, 12. 8. 2010

Um 6.45 Uhr reißt uns der Wecker aus dem Schlaf.
Während sich Michi noch mal umdreht, stehe ich auf und bereite unser Frühstück zu.

Ein Blick aus der Balkontür zeigt einen strahlend leuchtenden Mauna Kea. Erst das zweite Mal in diesem Urlaub ist er morgens zu sehen.

Wir frühstücken gemütlich , ich werfe dann das Netbook an und stelle erfreut fest, dass wir mittlerweile am Langstreckenflug nach Frankfurt in die Business Class upgegradet wurden! Da kommt Jubel auf!

Wir verlassen das Hotel um 9 Uhr.

Alles ist soweit gepackt und wir fahren zur Saddle Rd. Der Pu'u O'o Trail in Verbindung mit dem Powerline Trail steht am Programm.
Ich möchte heute noch mal mit den altern Wanderschuhen laufen, anschließend dürften sie ein ganz klarer Fall für die Tonne sein. Die neuen Wanderschuhe nehme ich sicherheitshalber mit. sehr gut aus.

Wettermäßig sieht es sehr gut aus.

MM 15 ist passiert und schon verlassen wir den Asphalt und begeben uns auf die unpaved road. Die Piste ist aber in einem guten Zustand.

Der Mauna Kea ist völlig wolkenfrei.

Um 9.40 Uhr zweigen wir zum Parkplatz des Pu’u O’o Trails ein. Ein Harper-Auto steht bereits am Trailhead.

Wir ziehen unsere Wanderschuhe an und sind nach einigem Herumtrödeln um 10 Uhr endlich startklar.

Die Sonne lacht vom Himmel, es ist traumhaft schön

Ab Beginn gehen wir auf der nicht besonders geliebten a’a-Lava. Beidseits ist alte Lava, die bereits mit Moos bewachsen ist. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf einen kleinen Wald, links ist ein Steinmännchen.
Nach ein wenig bergauf und bergab sehen wir das Schild „Upper Waiakea Forest Reserve“. Nun geht es wieder ein Stück bergab.
Vor uns liegt eine Lichtung.
Auf dieser Lichtung blicken wir nach links und sehen wiederum den Mauna Kea mit seinen Observatorien.

Die a’a-Lava wird angenehmerweise durch Pahoehoe-Lava ersetzt. Wir gehen auf den nächsten Wald zu.

Rundherum ist es sehr still, wir hören nur Vogelgezwitscher, aber auch nicht allzu viel.

Eben überholen wir drei Wanderer, wahrscheinlich gehört ihnen das Harper-Auto.
Sie sind in unserem Alter, aber sehr warm angezogen, lange Hose, langes Oberteil, Hut, dick gefüllter Rucksack, Wanderstecken – da käme ich auch nicht vorwärts.

Vorhin, als wir gestartet sind, sahen wir sie nicht. D. h., in der kurzen Zeit haben sie keine große Strecke zurück gelegt. Vielleicht möchten sie überhaupt nur ein Stück gehen und wieder umdrehen.
In dieser Geschwindigkeit schaffen sie auch nicht die Trailkombination, die wir wieder laufen möchten.

Wir betreten den ersten wild-romantischen Wald. Beidseits wachsen niedrige Farne und ansonsten wachsen Koa-Bäume.
Es weht nur ein zartes Lüftchen, keine einzige Wolke trübt den Himmel.

Neben uns raschelt es und ich kann gerade noch ein braunes und schwarzes Federvieh erkennen.

Michi hingegen zeigt mir eine Himbeere, ich pflücke und vernasche sie Schmeckt lecker!

Seit Beginn des Trails sind wir schon an zahlreichen Ohelo-Büschen mit reifen Früchten vorbei gegangen, allerdings waren die Früchte doch zu sehr in Bodennähe. Es soll ja Männer geben, die ab und zu mal müssen

Wir gehen über ein Stück offene Fläche, um dann wieder in den nächsten Wald einzutauchen.

Der Boden ist mit Millionen von Koa-Blättern übersät.

Ab und zu ist der Trail auf der freien Fläche nur schwer zu erkennen, dann tut man gut daran, sich an roten, rosaroten oder auch blauen Bändern zu orientieren, die z. B. an Sträuchern befestigt sind.

Aus dem Märchenwald heraußen, befinden wir uns auf Pahoehoe Lava.

Mittlerweile sind wir genau eine Stunde unterwegs. Richtig gut vorwärts kommen wir aber nicht. Obwohl wir den Trail vom letzten Jahr her schon kennen, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus.

Hier die Blüte einer Ohia lehua.

Rechterhand, etwas abseits, ernte ich eine Handvoll Ohelo-Beeren, die wir uns teilen. Sie schmecken köstlich!

Und weiter geht es am wunderschönen Trail.

Wir sind in einem lichten Wald. Linkerhand taucht das erste Loch einer Lava Tube auf.

Um 12.30 Uhr lassen wir uns in einem Wald für eine kleine Pause nieder und es folgt eine Bestandsaufnahme

4,3 Km in 2 Std. 10 Min. lt. GPS, stimmt nicht, genau zwei Stunden sind wir laut meiner Uhr unterwegs

Beim Weitergehen sehen wir linkerhand des Weges eine eingebrochene Lava Tube, die beidseits ihre Fortsetzung hat. Michi meint, wir hätten die Lava Tube schon letztes Jahr gesehen, aber das stimmt nicht.

Ich gehe ein Stück um die Lava Tube herum, sie ist ganz schön tief.

Kinder, wie die Zeit vergeht! Eine halbe Stunde haben wir uns jetzt mit der Höhle beschäftigt. Nun aber weiter

Über diese nicht sehr dicht bewachsene Fläche gehen wir auf den nächsten Wald zu.
Endlich, um 12.30 Uhr, betreten wir den nächsten Zaubermärchenwald.

Viele Farne wachsen, Ohias, Koa-Bäume, Vögel zwitschern, ganz sanft rauscht der Wind in den Blättern über uns und es wachsen sogar Baumfarne.

Die Steine am Boden sind mit Moos bewachsen, die Baumstämme ebenfalls.
Es ist wunder-wunderschön!

Pünktlich zur Mittagszeit, läuft uns unser Essen über unseren Weg: Drei braune Hüher, das wäre ausreichend

Es dauert nicht allzu lange, wir kommen aus dem Wald heraus und werden von einem Steinmännchen begrüßt.
Durch niedriges Buschland gehen wir weiter.

Der Trail ist jetzt durch Steinmännchen markiert, die gut sichtbar sind, vor allen Dingen deswegen, weil sie sehr hoch aufgebaut sind. Es sind aber nach wie vor rote, rosarote und blaue Bänder vorhanden.

Das sanfte Hügelchen im Hintergrund ist der 4.169 m hohe Mauna Loa. Erstaunlich, oder? Er sieht so niedrig aus.
Und schon sind wir im nächsten Wald drinnen. Auch in diesem zwitschern unheimlich viele Vögel.
Wir gehen über Pahoehoe-Lava und sehen viele Ohelo-Büsche mit den gleichnamigen Berries, von denen wir natürlich einige konsumieren müssen.

Sehr viele Nene Bush bedecken den Boden, dann immer wieder Farne, kleine Ohias, es ist ein Traum und keine anderen Menschen hier!

Es ist 13 Uhr, Zeit für die Bestandsaufnahme
Wir sind bis jetzt 5,3 Km gegangen, also in der letzten Stunde nur eine halbe Meile. Das sieht schlecht aus für den restlichen Tag

Etwas später kommen wir zu einem Wald, in dem wir nicht geradeaus weiter gehen, sondern zuerst rechterhand vorbei entlang des Waldrandes. Die Markierungen sind rosarot und orangefarben.

Schließlich führt uns der Trail in den Wald hinein. Wir versuchen, über die aus dem Boden ragenden Wurzeln nicht zu stolpern, teilweise sind sie mit Moos bewachsen. Es wachsen auch viele Baumfarne. Hier sieht es aber auch nach „Familie Schwein“ aus

Ich verspeise noch ein paar Ohelo Berries und stelle fest, dass heute unheimlich viele Helis fliegen, was sie in diesem Gebiet sonst nicht tun. Ob das mit eventuellen Buschfeuern zu tun hat?

Wald und offenes Lavaland wechseln sich ständig ab.

In einem der kommenden Wälder picknicken wir und ich tausche meine alten Wanderschuhe gegen die neuen.

Am GPS-Gerät kontrollieren wir den Verlauf von Pu’u O’o Trail und Powerline Trail und machen uns auf den weiteren Weg.

Kurz nach unserem Jausenplatz kommen wir nach einem Stück auf der freien Fläche auf den nächsten Wald zu, stellen aber fest, dass unheimlich viel geschlägert wird, egal ob kleine Büsche oder große Bäume.
Sieht fast so aus, als würden sie eine Straße planen? Ich hoffe aber nicht, das will ich mir gar nicht vorstellen.

Gerade als wir am Grübeln über eine eventuelle neue Straße sind, kommt ein Pärchen von ca. 30 Jahren flotten Schrittes von hinten daher. Es stellt sich heraus, dass es Schweizer sind.
Rasch kommen wir auf die Emersine Cave zu sprechen, zu der sie – wie sich heraus stellt – auch wollen und dann möchten sie am selben Weg wieder zurück, nämlich am Pu’u O’o Trail, wovon ich ihnen abrate.

Wir unterhalten uns ein wenig, um 14.50 Uhr ziehen sie weiter und wir auch, wird auch Zeit.

Um 14.50 Uhr stehen wir an der Kreuzung zum Powerline Trail.
Er ist aber nicht als Powerline Trail angeschrieben, sondern nur am abgeschnittenen Masten zu erkennen. Es steht das Schild „Saddle Road 3,5 miles“.

Bis hierher sind wir 7,5 Km gelaufen und 4,8 Km liegen noch vor uns, dann sind wir allerdings erst an der Saddle Rd. und müssen entlang dieser noch zum Jeep zurück.

Nun gehen wir am Powerline Trail dahin, den wir vor wenigen Tagen von der Saddle Rd. bis zur Emersine Cave an einem Nachmittag gelaufen sind.

Bei der Emersine Cave begegnen wir den beiden Schweizern wieder. Sie gehen jetzt mit Taschenlampen bewaffnet in die Höhle. Wir nicht, wir gehen daran vorbei.

Laut unserem GPS sind es von der Kreuzung Pu’u O’o Trail / Powerline Trail bis zur Emersine Cave 888 m.

Wir genießen die Ruhe und freuen uns, dass uns das Wetter nicht im Stich lässt.

Etliche Zeit später sehen wir ein seltsames Messinstrument, so etwas habe ich vorhin schon entdeckt. Auch hier ist eine Oskar-Box, in dem das Messgerät drinnen ist. Michi meint, es sei dafür gedacht, Nebel in Bodennähe zu messen.

Kaum gehen wir ein Stück weiter, entdecken wir den nächsten Messpunkt. Diese gab es vor wenigen Tagen definitiv noch nicht.

Der Powerline Trail zieht sich jetzt irgendwie in die Länge, doch auf einmal hören wir die Autos, die auf der Saddle Rd. dahin brausen, wir sind aber noch einiges entfernt.

Es ist einfach fantastisch, der Mauna Kea ohne eine einzige Wolke, die Observatorien glänzen.

Wir stehen bei einem Ohelo Berry-Busch und genießen die reifen Früchte und in diesem Moment kommen die zwei Schweizer. Sie fragen, ob man denn die Beeren essen kann, was ich bejahe. Daraufhin pflücken sie auch ein paar. Hmm, köstlich!

Sie gehen raschen Schrittes Richtung Saddle Rd., wir folgen langsam und gemütlich, da wir immer wieder fotografieren und filmen.

Schließlich gehen wir an der Saddle Rd. entlang. Von vorne wird ein Auto immer langsamer und fährt schließlich auf die Standspur, es ist das Schweizer Pärchen! Sie fragen, ob wir nicht einsteigen wollen, sie bringen uns zum Jeep, denn der Weg ziehe sich doch noch ganz schön. Wir lehnen aber dankend ab.

Aber eines stimmt: Der Weg zurück zum Auto zieht sich gewaltig. Michi will auf der weiter unten liegenden Piste weiter gehen, aber wie sollen wir dort hinunter kommen? Auf dem Hosenboden vielleicht?

Trotzdem schaffen wir es irgendwie und gehen unten weiter. Diese Alternative ist auch nicht besser als oben zu gehen, aber wenigstens sind wir von der Saddle Rd. entfernt.

Die Sonne blendet mich gewaltig und scheint mir direkt in die Augen, sodass ich fast nichts sehe.

Um 18 Uhr sind wir bei 23° C beim Auto.

Wir sind insgesamt 14,5 Km gelaufen, insgesamt waren es 8 Std., 3 Min., sämtliche Pausen mitberechnet.

Ich bin streichfähig

Wir wechseln unser Schuhwerk und fahren nach Hilo zurück, wo wir uns um 19 Uhr im Prince Kuhio Plaza Shopping Center, neben dem „Kuhio Grille Restaurant“, einparken. Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet, aber das wollen wir jetzt wissen. Es ist ziemlich primitiv, scheint aber sehr gut besucht zu sein.

Ich bestelle ein New York Steak 8 oz und Michi gegrillte Leber, womit unser beider Wunsch, nämlich nicht nur Fast Food zu essen, in Erfüllung geht.

Die Bedienung ist sehr freundlich. Das Ambiente ist sehr rustikal und erinnert fast an Gran Canaria

Es schmeckt hervorragend. Wir trinken Diet Coke dazu und uns fällt auf, dass wir die einzigen Touristen sind.

Das Essen ist sehr schnell hier, mit Salat als Vorspeise, der im Preis inbegriffen ist

Ich höre ein Gespräch am Nachbartisch mit, dass besonders heute viele Sternschnuppen sichtbar sein werden, weil es so wolkenlos ist. Morgen auch noch, aber das ist nicht mehr so sicher.

Anschließend fahren wir zum Sack’N Save, zahlen $ 61 und mit der Maika’i Card sparen wir $ 20, ohne dieser Card hätten wir $ 81 bezahlt.

Nun ab mit den Sachen zum Hotel, wo wir um 21.15 Uhr ankommen.
Ich checke rasch die Mails, aber weder von Alana noch von Chris ist eine aktuelle Mail hier.

Um 21.45 Uhr sind wir schon wieder auf der Straße , es geht auf die Saddle Rd. – richtig – zum Sterne- und Sternschnuppen-Gucken

Auf der Saddle Rd. ist es über uns stark bewölkt, aber bald klart es auf und die ersten Sterne werden sichtbar.

Schließlich stellen wir beim Pu’u Huluhulu das Auto ab, es stehen schon fünf weitere Autos hier. Dummerweise – daran hätten wir ja vorher denken können – kommen genau um diese Zeit vom Mauna Kea die Sonnenuntergangsanbeter herunter und blenden, was nur geht.
Auch die auf der Saddle Rd. fahrenden Autos sind extrem störend.

Michi zieht sich sämtliche warme Klamotten an, auch das Stirnband über und geht mit der Kamera hinaus, während ich im Auto sitzen bleibe, ich friere sehr.

Mit 30 Sekunden Verschlusszeit ist es kaum möglich, den Fotoapparat offen zu haben, ohne dass ein Auto vorbei gefahren ist. Michi bemüht sich ohne Ende, aber es gelingt fast kein vernünftiges Foto.

Also gut, dann weg von hier und wir fahren ein kleines Stück die Mauna Loa Observatory Rd. hoch. Zu dumm, auch hier stehen schon Autos, warum sie die Scheinwerfer angeworfen haben, entzieht sich unserer Kenntnis.

Schließlich parken wir uns bei der Kipuka ’Ainahou Rd. ein, dort steht außer unserem Jeep kein Auto, die Straße hört aber nach ca. 20 m auf. Dieser Platz erweist sich als relativ günstig und Michi schafft ein paar gute Fotos.

Um 23.50 Uhr fahren wir wieder Richtung Hilo.

Die Baustelle ist noch nicht erreicht, tauchen wir plötzlich in den Nebel ein. Die Sichtweite ist geschätzte 60 m.

Um 0.50 Uhr sind wir in der Tiefgarage des Hilo Hawaiian Hotels. Die letzten wenigen Meilen ist Michi gefahren, ehe mir die Augen zugefallen sind.

Es folgt noch das Überspielen der vielen Fotos und des Filmmaterials.

Um 2.30 Uhr gehen wir ins Bett.

Sleep well