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Dienstag, 13. 7. 2010

ACHTUNG DAS IST EIN EXTREM FOTOLASTIGER TAG! ES IST ABER AUCH EIN GANZ SPEZIELLER TAG!

Um 5.30 Uhr läutet, wie schon des öfteren auf Kaua’i, unser Wecker.
Ich springe aus dem Bett und werfe einen Blick durch die Balkontür: Uihh, das Wetter sieht aber gut aus Rasch mache ich mich fertig und gucke bei der gegenüber liegenden Zimmertür hinaus, nämlich Richtung der Berge: Das sieht aber auch gut aus

Die Zahl 13 ist ja eigentlich meine Glückszahl, immer schon gewesen. Sollte sich das heute wieder einmal mehr bestätigen? Nein, ich kann’s nicht glauben.

Trotzdem packe ich unsere restlichen Sachen zusammen, während sich Michi mit der Morgentoilette beschäftigt.

Es ist 5.50 Uhr, alles fertig gepackt, es muss nur noch 6 Uhr werden, um Sara anzurufen und dann – tja, dann werden wir Genaueres erfahren.

Punkt 6 Uhr ruft Michi Sara an , aber Sara hebt nicht ab. Das war doch noch nie der Fall! Nach kurzer Zeit meldet sich der Anrufbeantworter, aber Michi legt auf.

Nach fünf Minuten der zweite Versuch, schließlich hebt Sara ab.
Sie sagt, dass es von dort, wo sie wohnt, unmöglich ist, eine eindeutige Wetterprognose zu stellen. Es könnte eventuell eine kleine Chance bestehen, von der Nordseite her zum Mt. Wai’ale’ale zu fliegen.

„Könnte“, „eventuell“, „kleine Chance“ – noch vager geht es eigentlich nicht…

Ok, unklarer Fall, aber wir werden nach Pt. Allen fahren. Diese kleine Chance lassen wir uns nicht entgehen. Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist schlecht, also heute oder nie!!

Um 6.53 Uhr stehen wir in Pt. Allen. Bei Interisland Heliccopters ist noch alles fest geschlossen, unser Auto ist das einzige hier.

Doch kurz darauf fährt ein weißer Pickup in unsere Richtung, das Tor zu Interisland Helicopters öffnet sich automatisch und im Augenwinkel sehen wir eine schwarz gekleidete Gestalt: Ken Ohne weiteren Aufenthalt fährt Ken das Auto vor den Hangar, muss dort aber ein wenig warten, bis sich das Hangartor öffnet.

Anscheinend dauert es ihm heute aber zu lange, er springt aus seinem Auto und geht zu Fuß in den Hangar hinein.

Im selben Moment kommt ein silberfarbenerer Honda Element, stellt sich neben unseren Jeep – es ist Robin

Rob steigt aus, wir begrüßen uns und dann sieht Rob, dass sich das Tor vom Hangar bereits öffnet und Ken’s Auto davor steht. Rob’s Augen werden immer größer, damit hat er überhaupt nicht gerechnet

Fast ständig geht unser Blick Richtung Mt. Wai’ale’ale, alles wolkenfrei

Robin meint, heute findet der Flug statt und geht Richtung Hangar.

Ich nehme das zum Anlass, sofort die warme Hose anzuziehen, tausche die Flip Flops gegen festes Schuhwerk. Michi hingegen trödelt, als hätten wir alle Zeit der Welt. Ken’s Verhalten zeigt doch klar und deutlich, dass Eile geboten ist

Schon hören wir vom Hangar ein Motorgeräusch, das Tor ist aber immer noch nicht ganz geöffnet Der Heli wird von dem uns ebenfalls schon gut bekannten Hawaiianer heraus gezogen.

Aber Moment mal Wie ist eigentlich der Hawaiianer in den Hangar gekommen Das Tor war doch geschlossen Hat er im Hangar geschlafen? Das wäre die einzige plausible Erklärung.

Der Heli – übrigens der rote – wird an uns vorbei auf das Flugfeld gezogen und endlich beginnt Michi ebenfalls, die lange Hose und festes Schuhwerk anzuziehen.
Zwischendurch legt er das GPS-Gerät, das wir unbedingt auf den Flug mitnehmen wollen, auf das Dach des Jeeps, damit es guten Empfang hat. Kurz darauf ein Piepen des GPS, alles OK, die Satelliten sind gefunden und schon wandert das Gerät wieder auf das Jeep-Dach. Der Heli wird, so meint Michi, gewiss überprüft, dann muss er noch voll getankt werden, wir müssen noch die Schwimmwesten bekommen, zahlen (bei wem eigentlich? Sara kommt ja erst um 8 Uhr und es ist noch nicht mal 7 Uhr?) und unterschrieben haben wir auch noch nichts.

Wie ab und zu , bin ich anderer Meinung, denn aus der gewissen Hektik der anderen schließe ich, dass wir uns eher beeilen und nicht herumtrödeln sollten.

Plötzlich ruft Robin vom Heli zu uns herüber „come on, let’s go!“ – also fliegt doch Robin

Wir laufen zum Heli und Rob erklärt, wir setzen euch auf die rechte Seite, Michi nach hinten und ich soll vorne sitzen.
Was heißt eigentlich „WIR setzen euch auf die rechte Seite“

Plötzlich vermisst Michi sein GPS-Gerät, er sitzt aber schon im Heli, ich bin gerade noch heraußen. Also flitze ich zu unserem Jeep hinüber und hole das am Autodach liegende GPS.

Ich eile zurück, steige in den Heli und Robin sorgt dafür, dass ich ordentlich angeschnallt bin, dann geht er auf Michis Seite und setzt sich neben ihn.

Aha Also fliegt Ken und nicht Robin, wie letzterer die ganze Zeit gehofft hat. Irgendwie tut mir Robin leid, er hat sich so sehr darauf gefreut, uns fliegen zu dürfen und nun ist er Gast

Ken kommt mit einer Spiegelreflexkamera aus dem Hangar, reicht sie Robin, steigt in den Heli und startet ihn.

Kurz darauf geht es los – über den Highway und die Kaffeeplantagen hinweg.

Ken fragt, was wir alles sehen möchten und wir geben all unsere Wünsche bekannt, nämlich die üblichen Highlights und natürlich – aber das weiß er ohnehin – den Mt. Wai’ale’ale. Mehr als Scherz sage ich zu Ken, er solle sich die Freiheit herausnehmen und mit uns dorthin fliegen, wo er es für am schönsten hält. Dass er das ernst nehmen würde, ist mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar

Er schlägt aber vor, zuerst zum Mt. Wai’ale’ale zu fliegen, nicht dass er sich dann wieder in Wolken hüllt und wir genau nicht das erleben, was wir erleben möchten.

Es herrscht Sonnenaufgangsstimmung, in den Tälern liegt der Schatten.

Gesagt, getan – wir fliegen direkt auf den Mt. Wai’ale’ale zu

Was wir nicht wussten ist, dass das Gebiet, über das wir nun fliegen, den Robinson’s gehört, ausgenommen der Mt. Wai’ale’ale. Die Robinson’s werden allerdings das Land abgeben müssen, da sie es für nichts nutzen können, so gesehen ist es wertlos.
Es ist unzugänglich, zu steil, es rutscht alles ab. Wenn man etwas rodet, wäscht der nächste Regen die rote Erde davon – kurzum: Es ist sehr, sehr schwierig.

Das alleine wäre aber nicht der Grund, weshalb die Robinson’s dieses Land abgeben müssen. Der Grund dafür ist, dass die „neue Regierung“ die Steuern erhöht.

Die Robinson’s müssen jährlich Steuern zahlen, Jahr für Jahr mehr, können aus diesem Gebiet aber keinerlei Nutzen ziehen.
Das einzige, was machbar wäre, ist Wasser für die Kaffeeplantagen sammeln.

DIE NACHFOLGENDEN FOTOS SIND VOM MT. WAI'ALE'ALE

Schon nach zehn Minuten ist das Plateau des Mt. Wai’ale’ale vor uns zu sehen, wolkenfrei Von der rechten Seite kommen ein paar Wolken von unten herauf. Das Licht ist eher duster und nicht richtig schön. Wir fliegen von einem Krater auf das Plateau zu. Zuerst kann man sich noch nicht so richtig orientieren.

Die weiße Wolke, die man hochsteigen sieht, kommt vom Olokele Canyon, auch als Blue Canyon bekannt.

Auf den beiden folgenden Fotos sieht man die Regenmessstation.


Langsam geht Ken mit dem Heli hinunter, aber wir landen nicht.
Ken erklärt, dass das ganze Plateau wie ein Schwamm ist, jetzt nach dem vielen Regen noch weitaus mehr als sonst. Er möchte aus Sicherheitsgründen nicht landen. Auch egal, wir sind vielleicht 5 cm über dem Erdboden

Auf dem eigentlichen Plateau des Mt. Wai’ale’ale sieht man nicht enorm viel Wasser, wie wir es eigentlich erwartet haben. Ken nimmt Kurs auf eine Art Wiese und wir können die Vegetation ganz aus der Nähe sehen. Die niedrigen Pflanzen glitzern, da sie nass sind. Es gibt zahlreiche Grünschattierungen.

Die Vegetation ist sehr niedrig, der nahezu ständige Regen verhindert höheres Wachstum. Die Höhe der höchsten Pflanze schätze ich auf ca. 15 cm. Die Größe des Plateaus kann ich schwer einschätzen, ev. sind es zwei Fußballfelder? Nein, es ist größer, wenn ich mir die Bilder ansehe. Es wachsen einige endemische Pflanzen und zwar solche, die ausnahmslos am Mt. Wai'ale'ale wachsen und sonst nirgends auf der Welt.

Ken fliegt auf einen kleinen See zu, sieht fast wie ein Biotop aus. Er erklärt, dass jetzt – in diesem Augenblick – das Wasser völlig ruhig ist, aber normalerweise ist es so, dass nahezu immer ein heftiger Wind weht, der das Wasser aufpeitscht und dieses unruhige Wasser hat dem Berg den Namen „Wai’ale’ale“ gegeben, was so viel wie „aufgepeitschtes Wasser“ heißt.

Damit man sich den Namen des Sees leichter merken kann, heißt er der Einfachheit halber "Wai'ale'ale Lake" - kein Scherz!

Zusatzanmerkung: Rechts im Hintergrund ist der Kawaikini, die höchste Erhebung von Kaua'i.

Und nochmal ein letzter Schwenk zum Olokele Canyon, besonders am rechten Foto sieht man ganz schön weit in die Ferne.

In einer Linkskurve geht es weiter und wir sehen den Ka'awako Hei’au. Wir können ein paar Lavasteine erkennen, die relativ schön angeordnet, aber teilweise stark überwuchert sind. In unmittelbarer Nähe des Hei’aus sind zahlreiche weiße Korallen zu sehen, die die früheren Hawaiianer hier herauf gebracht haben, um sie während ihrer religiösen Zeremonien den Göttern als Geschenk zu übergeben.

Der Schatten des Helis ist direkt über dem Ka'awako Hei'au! Die Umrisse des Hei'aus sind ganz gut zu erkennen und linkerhand davon größere und kleinere Ansammlungen der weißen Korallen.

Ken fliegt den Heli wieder um eine Spur höher und im selben Moment kommt die Sonne hervor, es läuchtet und glitzert in sämtlichen Farben.

Hier oben herrscht eine fast gespenstische Atmosphäre, gleichzeitig ist es ein ganz friedliches Gebiet, es ist sehr schwer zu beschreiben.

Vor einigen Jahren wurde ein Wildschweinzaun errichtet (sämtliches Material hat Ken hierher geflogen), denn diese Tiere würden auch die letzte Vegetation vernichten.

Ken erklärt, dass Leute mit Zaunarbeiten beschäftigt sind, aber wir sehen niemanden. Vermutlich ist es jetzt zu früh dafür.

Der Zaun ist in einem schlechten Zustand und Ken bestätigt, dass die Erosion, die durch das viele Wasser entsteht, daran Schuld ist. Das ganze Material wird ausgewaschen und korridiert unwahrscheinlich schnell. Es ist seltsamerweise auch Salzwasser dabei, das vom Meer hinauf gepeitscht wird.

Wäre der Zaun nicht, würden die Wildschweine größere Stellen frei legen, in denen Pfützen entstehen und dort können Moskitos brüten, die eine Malaria-ähnliche Krankheit auf die Vögel übertragen können und somit gehen die hier seltenen Vögel zurück - ein Kreislauf, der nur noch von den wilden Ziegen getopt wird, die die Reste auffressen und am Schluss ist der ganze Boden kahl.

Wir kreisen einige Male über dem Mt. Wai’ale’ale und schließlich fliegen wir zur Na Pali Coast.

Lust auf einen kleinen Film vom Mt. Wai'ale'ale? Bitte schön! >> Hier geht es zum Videoclip (03:30)

ENDE DER FOTOS VOM MT. WAI'ALE'ALE

Dabei kommen wir an zwei Arealen vorbei, die komplett glatzig-kahl sind, alles andere rundherum ist grün.

Nur oben, mit einem kleinen Zaun begrenzt, wachsen ein paar wenige Bäume mit einigen Büschen rundherum.

Ken klärt uns auf: An diesem Beispiel sieht man, was übrig bleibt, wenn die Tiere die Wurzeln der Pflanzen beschädigen, die ohnehin nur schwer anwachsen können, da der viele Regen die Wurzeln oftmals zu stark schädigt und andererseits Sonne rar ist.
Und um zu sehen, inwieweit die Pflanzen weiter wachsen, wenn weder Wildschweine noch wilde Ziegen dran können, wurde vor Jahren der kleine Zaun errichtet. Hier nun der Beweis

Der Boden der kahlen Stelle macht einen relativ harten Eindruck, d. h. es ist so, dass das Regenwasser alles, was weich ist, weg spült und die Lehmschicht darunter bleibt. Allerdings können dort keine Samen Wurzeln bekommen und es ist extrem schwierig, dort etwas anzupflanzen, außerdem fehlt in der heutigen Zeit das Geld für alles.

Wir fliegen Richtung Alaka’i Swamp weiter, wo er uns den Bordwalk zeigt, den wir schon zwei Mal gelaufen sind.

Das ganze Material, das für den Bordwalk nötig war, hat Ken hierher geflogen.

Ken ist seit 25 Jahren in diesem Geschäft tätig und hat jeden Pfosten, jedes Brett – einfach alles – mit dem Heli hierher oder auch anderswo auf die Insel geflogen.

Michi fragt, wo denn der Kilohana Lookout sei (wir waren doch schon dort Welch peinliche Frage ), aber Ken fliegt gleich hin und hält den Heli direkt über dem Lookout in der Luft, sodass wir sehr schön auf die Hanalei Bay und Princeville sehen. Wir haben eine herrliche Sicht

Ein Blick zurück zum Mt. Wai’ale’ale zeigt, dass dort schon die Wolken aufgezogen sind, der Mt. Wai’ale’ale ist nicht mehr zu sehen.

Ken will uns nun etwas Besonderes zeigen, verrät aber nicht genau, was es ist

Es gibt einige Schutzhütten, die für Forschungsarbeiten zur Verfügung stehen, jetzt aber nicht im Betrieb sind. Es sind aber immer wieder tageweise Leute dort.
Das ganze Material für diese Hütten hat er ebenfalls mit dem Heli geflogen.

Will er uns solch eine Schutzhütte zeigen?

Wir fliegen also nach "irgendwo".

Und Ken fliegt immer niedriger!!

Sieht ganz nach Landung aus

Zumindest ist der überdachte Picknickplatz schon sehr nahe.

Hier gibt es auch wilde Pflaumen. Wir landen

Bei dieser Schutzhütte ist rund herum gerodet und es sind etwas höhere Bäume gepflanzt worden.

Diese etwas höheren Bäume haben einen besonderen Grund: In diesem Gebiet hängen die Wolken sehr oft sehr niedrig und man würde mit dem Heli oftmals die Hütte nicht finden, wenn einem nicht die hohen Bäume zeigen würden, wo sich die Hütte befindet.

Robin springt aus dem Heli, läuft zu den wilden Pflaumen, doch Ken ruft ihm zu, er habe die Plastiktüte vergessen Also läuft Rob zu Ken und schnappt die Plastiktüte

Mit frischen Vitaminen klettert Rob wieder zu uns in den Heli. Das war jetzt aber eine tolle Einlage von Ken Und vorbereitet, wie wir an den Plastiktüten erkennen können

Schließlich fliegen wir Richtung Na Pali Coast.

Der Waimea Canyon wird von der Sonne schön beleuchtet.

Sehr berühmt, aber jetzt im Schatten: Das Kalalau Valley.

Das Licht ist um diese Uhrzeit noch nicht sehr gut, einiges liegt im Dunkeln, sieht mit dem freien Auge allerdings sehr schön aus.

Wir erkennen sehr gut den Honopu Arch mit dem gleichnamigen Beach sowie den Kalalau Beach (auf dem Foto oberhalb rechts).

Anschließend geht es nach Hanalei und über dem Hanalei-Okolehao Trail drüber, wir sehen auch die Hinalele Falls, die wir Tage zuvor vom Hanalei-Okolehao Trail aus sehen konnten

Nun fliegen wir ein wenig ins Hanalei Valley hinein und sehen auf der linken Seite einige kahle Baumstämme, darunter aber dichte Vegetation. Ken erzählt, dass es hier vor nicht allzu langer Zeit gebrannt hat.

Wir bewundern die Hanalei Bay und zum wiederholten Male die Taro-Felder und den Wasserfall.

Jetzt nähern wir uns dem Mt. Wai’ale’ale von der Nordseite her und Ken prophezeit uns, dass wir gleich wunderschöne Fotos machen können. Ich bin bereit

Die spitze Erhebung ist wiederum der Kawaikini.

Und nochmals der Kawaikini, im rechten oberen Viertel des Fotos.

Kurz darauf „schmeißt“ er oberhalb des Blue Hole (= Olokele Canyon) den Heli um die Kurve

Erstaunlich ist, dass fast keine Wolken sichtbar sind, leider auch fast keine Wasserfälle. Wir sind schon mehrmals mit einem Heli hier gewesen, aber noch nie machte der Olokele Canyon solch einen trockenen Eindruck! Wie verrückt ist das denn Seitdem wir auf Kaua’i sind, regnet es so viel und jetzt die fast trockene Wand Welch ein Widerspruch

Nur beidseits des Olokele Canyons sind kleine Wasserfälle zu sehen, aber wir hätten mit weitaus mehr gerechnet.

Ken schraubt den Heli immer niedriger und - wir landen

Der Boden unter uns ist sehr nass und die Rotorblätter schleudern das Wasser aus der Wiese hoch und wir bekommen eine kleine Gischtwolke davon ab

Wir drehen uns um, filmen und fotografieren.

Olokele Canyon, auch unter "Blue Canyon" bekannt

Nur eine Minute später wird der Himmel oberhalb von uns schwarz, also fliegen wir weiter.

Rob verschickt und empfängt jetzt laufend SMSen, Sara hat sich bei ihm gemeldet und mitgeteilt, dass Ken am Heliport nicht an der üblichen Stelle landen darf. Wir werden nicht ganz schlau, warum, wieso, weshalb, aber offenbar hat es irgendetwas mit den Motorglydern zu tun, die am selben Heliport landen und starten wie die Helis von Ken. Nach nicht langer Zeit löst sich das aber in Wohlgefallen auf und wir werden doch wie üblich landen dürfen.

Es geht wieder Richtung Waimea Canyon hinüber, wo ich sogar das Ende des Kohua Ridge Trails und des Po’omau Canyon Vista Trails erkennen kann. Ken erklärt es auch und ich erzähle, dass wir letztes Jahr bereits dort liefen, worauf er über das ganze Gesicht strahlt und meint, wir würden wahrscheinlich schon alle Trails auf Kaua’i kennen Nun ja, alle nicht, aber doch schon sehr viele

der berühmte Jurassic Park Wasserfall

 

Ken zeigt uns wieder das Robinson-Land. Im unteren Teil haben sich schon Motocross-Strecken entwickelt.

Wir blicken nochmals zum Mt. Wai’ale’ale zurück, der eine kleine Wolkenhaube hat. Der Wetterbericht stimmt also tatsächlich.

Über die Kaffeeplantagen geht es weiter und wir nähern uns dem Landeplatz, wo wir nach mehr als einer Stunde Flug aufsetzen.

Ken sagt zum Abschluss, er hoffe, dass der Flug dem entsprach, was wir uns gewünscht haben. Ja klar, sonst hätten wir zwischendurch schon Einspruch erhoben

Wir sind immer noch sprachlos über den Flug und dass vor allen Dingen das Wetter durchgehalten hat. Der 13. hat sich mal wieder voll und ganz bewährt

Vor dem Heli gibt es noch das obligatorische Abschiedsfoto mit Ken und er überreicht mir die wilden Pflaumen, die Rob gepflückt hat!

Während Ken noch im Heli sitzen bleibt, gehen Michi, Robin und ich zum Büro.
Robin sagt, es war ein Riesenglück für uns, dass Ken noch hier war und geflogen ist, da er Stellen angepeilt hat, die er – Robin – auch noch nie gesehen hat.

Ken kommt und wir wünschen ihm alles Gute für Idaho. Er erzählt, dass er hier in Pt. Allen schon die längste Zeit im Hangar wohnt Ja klar, im Hangar – wir lachen uns fast schief und veräppeln Ken
Ken wiederum lacht auch ein wenig, sagt aber, das sei wirklich wahr. Den Hangar habe er vor 26 Jahren bauen lassen. Er ist mit ungezählt vielen Bolzen im Boden verankert und Hurrikan-fest. Aus diesem Grund hat der Hangar auch keine Fenster, da dies immer die Schwachstellen sind.

Ken kommt wieder richtig in Fahrt, weiter geht’s mit seinen Erzählungen

Als der Hurrikan Iniki 1992 kam, war er gerade mit dem Auto unterwegs, als die erste Front vom Hurrikan kam. Die Blechdächer etlicher Häuser flogen durch die Gegend und er sah, wie ein solch wegfliegendes Dach auf zwei andere Häuser zusteuerte und diesen die Dächer wegriss. Kurz darauf war es völlig ruhig, ein blaues Loch am Himmel und zwei Minuten später kam die zweite Wand des Hurrikans und riss Schmutz, Müll, Sträucher – einfach alles – hoch, alles flog durch die Gegend.
Ken sagt, das war selbst für ihn ein Furcht einflößender Moment. Dann war es wiederum völlig ruhig. Sein Hangar hat nichts abbekommen.

Wir kommen noch mal auf seine angebliche Wohnung im Hangar zu sprechen und Ken beteuert, das sei dieses erhöht gelegene Stockwerk im Hangar, wo wir ihn vor wenigen Tagen sitzen sahen und von wo er dann zu uns herunter kam

Hmmm, dann stimmt das tatsächlich
Ken berichtet weiter: Er hat sich die Wohnung deswegen einbauen lassen, weil er ohnehin nur hier ist. Früher hatte er ein Haus, aber in diesem wohnte er so gut wie gar nicht, sondern immer im Hangar, sodass er schließlich das Haus verkaufte.

Jetzt aber bezahlen! Wir gehen ins Büro, Sara ist bereits hier und will natürlich gleich wissen, wie der Flug war. Damit sie uns in Ruhe zuhören kann, setzt sie die nächsten vier Touristen auf die Couch bzw. auf die Stühle und schaltet das Video mit allen möglichen Infos ein

Achja, das Video haben wir natürlich auch nicht gesehen, ist aber auch völlig egal, wir kennen es schon auswendig

Allein an unseren strahlenden Gesichtern erkennt sie, dass der Flug ein voller Erfolg war, aber wir erzählen ihr natürlich alle möglichen Details.

Schließlich fragen wir Sara, ob Ken wirklich im Hangar wohnt (es lässt uns keine Ruhe) und sie bestätigt dies und erzählt praktisch dasselbe wie Ken.

Im Hangar ist es übrigens blitzsauber, man könnte beinahe vom Boden essen. Diverse Gegenstände sind beschriftet und in Reih’ und Glied aufgehängt. Ken scheint sehr darauf zu achten.
Der Hangar sieht insgesamt wie neu aus, obwohl er 26 Jahre alt ist… Sehr lobenswert

Michi kommt wieder zum Thema Heliflug zurück und zwar zu unserem letztjährigen, wo Ken zwei Mal mit uns im Dschungel gelandet ist. Michi will unbedingt wissen, ob Ken das immer macht.
Sara antwortet, nein-nein, das macht er nur ganz selten und man kann es auch nicht vorhersagen, er handhabt das nach Lust und Laune. Au weia! Ich dachte, wenn Ken fliegt, ist das Standard

Sara erzählt, es ist einzig und allein Ken’s Angelegenheit, er lässt sich dabei von niemandem etwas sagen oder verbieten. Es gibt offenbar niemanden, der ihm Vorschriften macht.

Interisland Helicopters wird ab Ken’s Abreise nach Idaho seine Arbeit in diesem Sinn fortsetzen. Ob gelandet wird oder nicht, hängt jeweils vom Piloten ab, nur dieser entscheidet das.

Sara betont, dass Interisland Helicopter die einzige Heli-Firma auf Kaua’i ist, die ganz spezielle – auf den Wunsch des Kunden – Touren unternimmt. Landungen bei Wasserfällen auf Privatgrund sind aber tabu.
Auch ist Interisland Helicopters laut Sara die einzige, die Rettungseinsätze fliegen oder sonstige Sonderflüge unternehmen.
Im Fall von Rettungseinsätzen fliegen sie aber nicht unter „Interisland Helicopters“, sondern unter „Air 1“.

Robin haben wir z. B. heute deutlich angemerkt, dass er sich schon sehr auf seine Arbeit als Nachfolger von Ken freut. Ob er offiziell der Nachfolger ist, weiß ich nicht, aber Robin fühlt sich so.

Wir plaudern lange Zeit mit Sara, das Finanzielle ist längst geregelt und sie sagt zu uns, wir sollten in Kontakt bleiben. Klar machen wir das! Aber gerne!

Heute ist, wie Sara weiter erzählt, Ken’s letzter Tag.

Vor dem endgültigen Verabschieden – mit Küsschen links, Küsschen rechts - bekommt auch noch Sara – so wie zuvor Ken – ein Trinkgeld. Es war von ihr unheimlich lieb, dass wir sie so oft in der Früh anrufen durften

Auf dem Weg zum Jeep begegnen wir nochmal Rob, der wieder mal mit dem Handy spielt
Wir plaudern auch mit ihm und er wollte mit jenen Touristen, die gerade den Videofilm ansehen mussten, fliegen, kommt schon wieder Ken mit den hochglanzpolierten Stiefeln aus dem Hangar geeilt (normalerweise geht er langsam) und ruft zu Robin, dass er jetzt den roten Heli nicht fliegen darf, es kam ein Notruf, der Einsatz ist dringend.

Robin zuckt mit den Schultern, so nach dem Motto „tja, dann halt nicht“

Wir fragen Robin, was denn los sei und erfahren, dass ein Selbstmörder an der North Shore auf den Klippen stehe, die Rettungskräfte seien bereits vor Ort, kommen aber nicht bis zu ihm hin und jetzt soll der Heli kommen und dem Selbstmörder klar machen, „überlege dir das jetzt gut, greif’ zum Seil oder spring“.
Ken, mit seinem auch in heiklen Situationen vorhandenen Humor meint, er macht es ohnehin kurz, er schmeiße ihn einfach die Klippen hinunter
Michi macht trotz des Ernstes der Situation mit und sagt zu Rob, er hoffe, dass es kein Dunkelhäutiger ist, denn wenn, dann schnitzelt Ken ihn vorher noch her Ken lacht lauthals!

Dass dies nur Scherze sind, ist wohl klar, denn schon geht's los.

Schon sehen wir, wie Ken den Heli startet, er hebt den Heli auf geschätzte 4 m über den Boden, legt ihn quer und jagt ihn wie einen Rasentrimmer über den Platz Kurz darauf sehen wir den Heli gar nicht mehr, so niedrig fliegt er über dem Meer (Frage: Was macht er dort draußen überhaupt, der Selbstmörder steht an der North Shore!). Rob vergisst, weiter zu SMSen und meint, Ken sei „a little bit crazy“

Wir erzählen, dass uns Ken gestern sagte, er habe über 300 Schusswaffen zu Hause und Rob antwortet „at least, at least, I think he told you only the half“
Wir lachen Tränen

Ken hat über seinem schwarzen „Anzug“, in dem er fliegt, auch einen Patronengürtel (ohne Patronen) umgehängt, aber er ist jedes Mal so ausgerüstet, als müsste er irgendwo abspringen

Michi und ich beschließen, dass wir – ehe wir zum Inventar gehören – doch lieber zum Auto gehen

Nie hätten wir vor den diesjährigen Gesprächen mit Ken gedacht, dass er so ein ulkiger Typ ist! Er kann Storys erzählen, unglaublich

Da es ziemlich warm ist, ziehen wir unsere langen Hosen, die Wanderjacke und die festen Schuhe aus. Jetzt ist es gleich viel frischer

Wir setzen uns in den Jeep und versuchen, zu realisieren, was wir alles gesehen haben. Nie um alles in der Welt hätte ich gedacht, dass es bei dieser Regenwetterlage gelingen würde, auf den Mt. Wai’ale’ale zu kommen Ich hätte nicht mal gedacht, dass ein normaler Heliflug um die gewünschte Uhrzeit zustande kommt.

Es ist der regenreichste Sommer seit 1914. Warum muss er gerade jetzt sein, wo wir hier sind Warum Oder sollen wir uns glücklich schätzen, dass wir solch ein seltenes Ereignis erleben dürfen

Nun aber los

Wir fahren Richtung Kapa’a, legen aber bei der Kaua’i Coffee Company einen Stopp ein und bei einem Espresso und Eis die Eindrücke des Helifluges weiter zu realisieren.

Es war ein total überwältigender Eindruck, der Mt. Wai’ale’ale ist ein ganz besonderer Fleck auf dieser Insel. Er ist kein nackter, nichtssagender Felsen, sondern eine ganz bezaubernde Umgebung, die eigentlich zum Verweilen einladen würde – wäre nicht alles schwammartig nass und innerhalb kürzester Zeit würde wieder der Regen einsetzen.

Wir sind schon fast in Kapa’a und sehen vom Mt. Wai’ale’ale überhaupt nichts mehr, die Wolken haben ihn komplett vereinnahmt.

Auch wenn wir sonst viel Pech mit dem Wetter haben, aber heute hatten wir riesengroßes Glück

Im Zimmer überspielen wir knapp 400 Fotos auf den Laptop, sehen uns die Bilder an, schwelgen in Erinnerungen, die erst kurz zurück liegen. Michi und ich lassen zum wiederholten Male den Flug sowie die diversen Gespräche Revue passieren.

Es ist fast 13 Uhr, die kleinen Rucksäcke sind gepackt und wir fahren in den Norden, genau genommen zu Limahuli Garden.

Die Berge sind in dunkle Wolken gehüllt, an der Küste ist blauer Himmel mit großen, weißen Wolken und es ist sehr sonnig.
So wie es aber jetzt in den Bergen aussieht, könnten wir nicht zum Mt. Wai’ale’ale fliegen.

Wir hatten riesiges Glück

Die Müdigkeit schlägt zu: Wir parken uns in Kilauea ein und genehmigen uns den nächsten Espresso

Kurz vor 15 Uhr stehen wir am Parkplatz des Limahuli Garden. Wir ziehen festes Schuhwerk an und dann ziehen wir los.

Für den Eintritt bezahlen wir je $ 15 und bekommen ein kleine Informationsbroschüre mit auf den Weg. Die Tour beginnt beim Brotfruchtbaum.

Obwohl wir uns wirklich bemühen, können wir keinerlei Verbotsschild für ein Stativ finden, deswegen gehen wir noch mal zurück und fragen sicherheitshalber nach, zwar ein wenig spät, da der Eintritt schon bezahlt ist, aber wir haben Glück: Stative sind erlaubt

Gleich hinter dem Visitor Center beginnt ein Teil des alten Bewässerungssystems. Es sind aufeinander gelegte Lavasteine zu sehen. Es wurden Terrassen angelegt und das Wasser zick-zack entlang geleitet. Auf diesen Terrassen sind Taro-Felder angelegt.

Vorbei an Taro und Ti-Pflanzen, geht es zu Sweet Potatoes und Bananas.

Rechts neben den Bananen entdecke ich grüne Zapfen, die nahezu senkrecht in die Höhe stehen. Leider gibt es keine Beschriftung.

Wir gehen an Paper Mulberry, Sugar Cane und Coconut Palms vorbei.

Weiter führt der Weg an Shampoo Ginger, Candlenut Tree, Kava, Plumerias, Mangos vorbei zum Limahuli Stream.

In Richtung der Pandanüsse gehen wir zunächst ein kleines Stück bergauf, dann wieder bergab. Es geht auf einem schmalen Pfad weiter, beschriftet mit „Archaeological Site“ und somit schon fast wie durch einen Urwald, dem der Native Forest Walk folgt.

Ich lasse jetzt einfach wieder Bilder sprechen:

Im Hintergrund sehen wir die Makana Mountains.

Weiters sehen wir Yellow Strawberry Guava, Alula, das sind Pflanzen auf einem sehr niedrigen Stamm, ca. ½ m hoch, mit sehr saftigen Blättern.

Nun folgen Iliau und White Hibiscus und schließlich der „Viewpoint of Legend of Pohaku-o-Kane“.

Der Pohaku-o-Kane ist ein kleiner Fels, der sich gegenüber auf dem Abhang befindet. Mit freiem Auge kann ich ihn nur schwer erkennen. Auf nebenstehendem Foto in der linken unteren Bildhälfte zu erkennen.

Um 16.15 Uhr ist unsere Besichtigung des Limahuli Gardens beendet. Ehrlich gesagt, waren wir rückblickend gesehen, zu spät dran, denn wir hätten weitaus mehr Zeit im Garten verbringen können. Wenn jemand botanische Gärten genauso liebt wie wir, sollte mehr Zeit eingeplant werden.

Bei mittlerweile stark bewölktem Himmel – ausgenommen über dem Meer, dort ist blauer Himmel – fahren wir Richtung Nordosten bzw. die Ostküste südwärts und parken uns bei „Bananas Joe’s Fruitstand“ ein, wo wir um 17.10 Uhr ankommen. Beim Betreten werden wir sofort darauf aufmerksam gemacht, dass die „Küche“ schon geschlossen sei. Nun, wir möchten nichts Warmes essen, aber wäre vielleicht ein Banana-Drink möglich? Nein, das ist nicht möglich, die „Küche“ habe seit 17 Uhr geschlossen.
An der Tür steht geöffnet von 9am bis 5.30 pm, an Sonntagen geschlossen.
Auch in Ordnung. Wir kaufen eine Schale mit geschnittenen Ananas für $ 4, es gibt sogar Gabeln dazu.

Weiter geht’s nach Kapa’a und wir machen beim „ De ja vue“ einen kleinen Stopp.

Beim Herumflanieren stoßen wir auf das „Olympic Café", 1354 Kuhio Hwy., in Kapa’a.

Das Essen im Olympic Café schmeckt hervorragend, aber es ist viel zu viel und wir machen es wie die anderen und nehmen die angebotenen Doggy Bags dankend an. Somit ist das morgige Abendessen auch schon gesichert und wir fahren zum Hotel.

Im Zimmer laden wir die Fotos herunter, anschließend bereite ich einige Fotos vom Mt. Wai’ale’ale für meine Homepage vor, allerdings dauert das Hochladen enorm lange.
Noch ehe ich dies im Forum bekannt geben kann, trudelt schon eine Benachrichtigungsmail ein. F. hat offenbar meine Website beobachtet und kommt mir zuvor Er schreibt, ganz tolle Fotos vom Mt. Wai’ale’ale

Michi lädt noch die Filme herunter, während dessen ich eigentlich in der Kaua’i-Bibel etwas nachlesen will, aber es gelingt nicht – meine Gedanken sind beim heutigen Heli-Flug

Etwas später gucken wir noch TV, auf der Suche nach dem Wetter. Für heute Nacht ist bereits wieder Regen vorhergesagt und für die nächsten Tage ebenso.
Wir hatten riesenriesengroßes Glück Und es waren so viele glückliche Umstände, die zusammen trafen: Ken war entgegen seinem Plan noch nicht nach Idaho abgereist, sowohl Sara als auch Ken waren sehr bemüht, uns bei der geringsten guten Wetterchance den Flug zu ermöglichen.
Letztendlich sind wir auch sehr froh, dass Ken geflogen ist und nicht Robin, wobei das überhaupt nichts mit Robin persönlich zu tun hat, sondern vielmehr, da Robin selbst sagte, dass Ken Stellen angepeilt hat, die er – Robin – zuvor noch nie gesehen hat. Mit Robin hätten wir somit diese Stellen nicht sehen und auch die eine oder andere Info nicht bekommen können.

Das war ein wirklich sehr erlebnisreicher Tag, ein wunderwunderwunderschöner Tag

Endlich, um 1 Uhr nachts, gehen wir ins Bett