Donnerstag, 14. 5. 2009

Um 7 Uhr läutet das Handy, ich bin jedoch schon vorher munter. Ich hüpfe ins Bad, anschließend Michi und in dieser Zeit bereite ich unser Frühstück zu.

Wir humpeln ein wenig – nun ja, das ist übertrieben, ich gebe es ja zu Ich will es mal so ausdrücken: Wir spüren, dass wir gestern nicht ganz untätig waren

Doch keine Müdigkeit und keinen Muskelkater vortäuschen, auch wenn beides echt ist

Auf unserem heutigen Plan steht der Kuamo'o Nounou Trail.

Um 11.20 Uhr stehen wir am Trailhead des Kuamo'o Nounou Trails. Er befindet sich in der Kuamo'o Street rechterhand, unmittelbar beim Haus Nummer 5750, wie auf dem zugehörigen weißen Postfach zu lesen ist. Es ist aber auch ein Telefonmasten hier, der die Nummer 1/19 trägt, daneben ist ein gelbes Gate mit einem Durchtritt und dahinter ist das kleine braun-gelbe Schild "Start" zu sehen.

Es hat 35,1° C. Nun heißt es Wanderschuhe anziehen und dann los Welch ein Glück, dass ich mir vorgestern neue Wanderschuhe gekauft habe, denn meine gestern total verschmutzten Wanderschuhe muss ich erst waschen.

Nun noch mit Antimoskitospray eingesprüht, denn von diesen Tierchen gibt es hier mehr als ausreichend.

Zu Beginn führt der Trail über Wiese, die beidseits von einem Zaun begrenzt ist. Einige Bäume spendieren Schatten.

Nach wenigen Minuten geht es ein kleines Stück bergab und wir sehen eine Holzbrücke, über die wir gehen. Sie ist nur für Fußgänger und Radfahrer gedacht, jedoch nicht für Autos ausgelegt.

Nach der Brücke macht der Trail einen 90°-Knick nach links.

Über Waldboden, der mit Lavasteinen und Wurzeln durchsetzt ist, geht es weiter.

Der Zaun endet abrupt und die Bäume bilden über unseren Köpfen einen Tunnel, sodass wir im Schatten wandern. Wie angenehm

Nach 822 m wird der Wald lichter, d. h., die Bäume nehmen an Höhe ab, sodass wir schließlich eine fast 180°-Sicht haben. Rechterhand ist bereits ein Picknick Shelter zu sehen. Schräg rechts vor uns hält sich hinter den Wolken der Mt. Wai'ale'ale versteckt.

Bei genau 900 zurückgelegten Metern ist das Picknick Shelter erreicht. Hier stehen zwei Picknicktische mit je zwei Bänken.

Kurz nach dem Picknick Shelter tauchen wir wieder in den Wald ein. Der Weg ist stark mit Steinen und Wurzeln durchsetzt, mit Laub bedeckt und seit kurzem haben wir wieder einmal einen vierbeinigen Begleiter. Kohlrabenschwarz und groß – wenn er aufsteht, ist er größer als ich
Er läuft vor uns, kommt wieder zurück, läuft an uns vorbei, dreht um, läuft wieder vor und so geht es die ganze Zeit dahin.

Der Wald wird dichter und dichter.

Es ist 12 Uhr und wir haben mittlerweile knapp einen Kilometer zurückgelegt, wir sind also von einer Meile noch weit entfernt.
Gemeinerweise geht es deutlich bergab, wir können uns jetzt schon ausrechnen, was uns am Rückweg erwartet

Mein rechtes Knie, das ich gestern ein wenig verletzt habe, tut ganz schön weh, das Bergabgehen bekommt ihm nicht.

Wir wandern durch den wunderschönen Wald, in dem u. a. Pandanussbäume und vieles mehr wachsen.

Nach einem Kilometer kommen wir zu einer Weggabelung, der rechte Weg bietet sich weitaus mehr an, deshalb bevorzugen wir diesen.
In der Ferne hören wir eine Motorsäge, es wird also eifrig gearbeitet.

Kurz darauf ragt ein ca. 50 cm langes Eisenrohr aus dem Boden, möglicherweise war früher eine Tafel daran befestigt.

Wir erreichen rechterhand einen Miniatur-Bambuswald, passt eigentlich nicht wirklich hierher, ist aber sehr schön zum Ansehen.

Nun geht wieder bergauf, nach wie vor über Waldboden mit Steinen und Wurzeln und sehr viel Laub.

Während oder nach Regenfällen würde ich den Trail nicht empfehlen. Durch das Laub wird er mit Sicherheit sehr rutschig.

Es hat 29,2° C, es weht ein angenehmer Wind, der uns etwas Kühlung verschafft.

Um 12.40 Uhr kommen wir zu einer kleinen Lichtung. Unter uns steht ein Haus mit einem blitzblauen Dach, links davon der entsprechende Pavillon dazu. Etwas weiter entfernt sehen wir wunderschön blühende Tulpenbäume.

Die starke Durchwurzelung des Trails lässt ein wenig nach, doch nur kurze Zeit, dann wird der Weg schmal und der Boden ist mit vielen Lavasteinen durchsetzt. Bis hierher sind wir genau zwei Kilometer gelaufen.

Der Trail macht einen scharfen Linksknick und schon haben wir wieder guten Waldboden unter den Füßen. Er wird kurz von einem quer über dem Weg liegenden Baumstamm unterbrochen, dessen Überquerung aber keinerlei Hindernis darstellt.

Bald darauf tauchen wir in einen Wald aus Norfolkpinien ein. Es ist traumhaft schön, auch wenn der Himmel nicht strahlend blau ist.

Um 13 Uhr erreichen wir wiederum eine Lichtung. Zu unserer Linken wachsen sehr viele Hawai'i Cherrys. Der Mt. Wai'ale'ale hält sich nach wie vor unter den Wolken versteckt.
Die Bäume knirschen im Wind, Vögel zwitschern und kreischen – ein herrlicher Tag

Wir genehmigen uns viele Hawai'i Cherrys, die eine Köstlichkeit für sich sind Sie sind auch schon richtig reif

Es kommt uns eine Joggerin mit einem kleinen Hund entgegen.
Wir kommen mit ihr ins Gespräch. Sie ist Jahrgang 1961, wohnte Mitte der Siebziger Jahre in Las Vegas, ist später nach Kalifornien übersiedelt und wohnt nun seit 12 Jahren auf Kaua'i.

Sie erzählt, dass der soeben abgelaufene Winter der kälteste war, seitdem sie hier wohnt. Monatelang gab es täglich Regen, es war bitter kalt. Ohne Socken und überhaupt ohne warme Klamotten war es auch im Haus unerträglich. Schlafen ging sie ebenfalls mit Socken und dicker Daunendecke.
Auch sie versteht nicht, dass immer von der globalen Erderwärmung gesprochen wird und überall werden weltweit außergewöhnlich kalte Winter gemeldet.
Sie erzählt weiters, dass es auch in Las Vegas immer kälter wird.
Früher arbeitete sie und auch ihr Mann bei General Motors.
Nun bietet sie alle möglichen Aktivitäten auf Hawai'i an und vermittelt auch Mietautos und sagt, sie hinterlässt bei unserem Auto ihre Visitenkarte. Ok, nichts dagegen, wir schildern, welches Auto wir haben, wird schon klappen.

Der kleine Hund, den sie bei sich hat, ist ein witziges Kerlchen, über den sie uns spaßige Dinge erzählt. Z. B. besucht der Hund jeden Morgen der Reihe nach sämtliche Nachbarn. Steigt sie ins Auto, springt er sofort auf den Beifahrersitz und schaut ganz interessiert hinaus.

Nach längerer Zeit verabschieden wir uns mit dem Aloha-Küsschen.

Wir setzen unsere Wanderung durch den Norfolk Pinienwald fort. Mitten drinnen steht ein einsamer Koa, er muss sich wohl verirrt haben

Nach 2,22 Km stehen wir vor 3 Schildern:

1. Links Kuamo'o Trail (aus dieser Richtung kommen wir)
2. End Kuamo'o Nounou
3. Nounou West, liegt direkt vor uns von links nach rechts

Wir folgen dem Schild Nounou West und gehen rechts.

Auf den Nadeln der Norfolkpinien geht es halbwegs steil bergab, aber der Trail ist mindestens 1,5 m breit, ist mit unterschiedlich vielen Wurzeln durchsetzt und mit Laub bedeckt.

Aber Moment mal – warum gehen wir eigentlich bergab Wir sollten doch bergauf gehen Ein Blick auf das GPS zeigt, dass wir falsch sind Wir gehen dzt. in Richtung der Häuser, rechterhand hören wir viele Hähne krähen, das stimmt nicht, also ist umdrehen angesagt.

Aber das ist ja eine ganz gemeine Aktion Wir sind wieder bei den Wegweisern und erst jetzt sehen wir, dass wir vorhin nicht 90° nach rechts, sondern noch schärfer rechts hätten gehen sollen – also fast einen U-Haken schlagen sollen...
Hier liegt ein riesengroßer, nicht zu übesehender Stein, daneben ein etwas kleinerer, aber auch nicht zum Übersehen und genau hier geht der Trail hinauf

Also nochmal zum Mitschreiben

Wenn man – so wie wir – über den Kuamo'o Nounou Trail kommt, dann an dieser Stelle (mit den drei Wegweisern) keinesfalls leicht rechts gehen, auch wenn der Weg unheimlich dazu verleitet, sondern einen ganz scharfen Haken nach rechts schlagen und nach dem großen Stein Ausschau halten.
Teilweise ist der Trail stark mit Wurzeln durchsetzt.
Nachdem wir auf dem richtigen Weg ein Stück gegangen sind, wachsen beidseits wieder einmal sehr viele Hawai'i Cherrys und wir sorgen für Vitaminzufuhr
Nun geht es ziemlich steil bergauf, aber wir haben ja schöne Ausreden, um Pausen zu machen: Hawai'i Cherrys links, Hawai'i Cherrys rechts

Um 14 Uhr macht der Trail eine Haarnadelkurve. Neben uns ist linkerhand am Horizont der Pazifik zu sehen. Es geht weiterhin ziemlich steil bergauf.

Eigentlich wollten wir heute einen Trail gehen, der etwas mehr eben ist Nur nichts anmerken lassen, sondern am Überangebot von Hawai'i Cherrys stärken

rechts im Hintergrund der "Kong"

Aber wir haben schon wieder einen Grund zum Stehenbleiben – der Grund heißt Kalalea Mountains, auch Makaleha Mountains genannt, die aber meist unter dem Namen "Kong" bzw. "King Kong" bekannt sind. Der Name "Kong" rührt daher, da die Mountains – wenn man das Profil betrachtet – wie King Kong aussehen.

 

Um 14.20 Uhr kommen wir zu einer Kreuzung, rechts geht es auf den Nounou, von links kommt der Nounou East Trail herein. Bis jetzt sind wir 3,2 Km gegangen.

An dieser Weggabelung wachsen einige Pandanussbäume sowie Hawai'i Cherrys bis zum Abwinken Wir gehen rechts weiter.

Nur fünf Minuten später erreichen wir das Picknick Shelter. Ein Stück dahinter befindet sich eine kleine Bank mit herrlicher Aussicht auf Wailua und den Pazifik.

Wailua mit dem Wailua River

Insgeheim hoffe ich, dass wir hier umdrehen und nicht bis auf den Nounou hinauf gehen, aber da mache ich die Rechnung ohne den Wirt – ähem – Michi

Er meint gnädigerweise, zuerst Picknick und dann auf den Nounou

Hier beim Picknick Shelter unterhalten wir uns längere Zeit mit zwei Damen.
Sie möchten Details wissen, wie anstrengend oder auch nicht das letzte Stück bis zum Nounou wäre und wir klären sie auf.
Obwohl ich keine Schauergeschichten erzähle, nehmen sie vom Gipfelsturm Abstand.

Irgendwie ergibt es sich, dass Michi von seinen Schlaganfällen, vom Arbeiten aufhören und dem Auswandern nach Gran Canaria erzählt. Die 60-Jährige bekommt feuchte Augen und wischt sich Tränen weg, so gerührt ist sie.

Nach geraumer Zeit verabschieden wir uns. Die beiden Damen treten den Rückweg an und wir knöpfen uns den Gipfel vor.

Wir gehen auf einem ca. 50 cm breiten Pfad bergab, dann ein Stückchen waagerecht und nun sehen wir auch schon den Gipfel, der vor uns liegt.

nun geht es steil bergauf

Michi nimmt das Wort Gipfelsturm ernst, er stürmt nämlich wirklich

Ich lasse mir aber Zeit, wozu die Hetze Schließlich sind wir um um 15.15 Uhr am Gipfel, wo uns das schon bekannte einbetonierte Rohr empfängt.

Es gibt zwei neue Schilder: "Notice – End Of Trail" sowie "Warning" – Harzardous Cliffs!".

Wir genießen den grandiosen Blick von fast 380°, trinken ein wenig und machen uns um 15.25 Uhr bei 32,3° C wieder auf den Rückweg.

Bis hierher sind wir 3,63 Kilometer gelaufen, allerdings inklusive des kleinen Umweges, weil wir nicht rechtzeitig abgezweigt sind.

Zehn Minuten später sind wir wieder beim Picknicktisch. Ich muss dringend meine Schuhe entleeren, was sich – außer meinen Füßen – alles noch darin befindet, ist nicht mehr feierlich

Die Wolken über unseren Köpfen sind schon dunkelgrau, sie sehen nach Regenwolken aus.

Wir gehen sehr flotten Schrittes bergab, anscheinend ist der Teufel hinter uns her


Zehn Minuten später sind wir beim Bambuswäldchen, nochmal zehn Minuten später sind wir beim zweiten Picknicktisch.

Hier legen wir eine Pause ein und trinken wiederum etwas.
Beim Blue Hole des Mt. Wai'ale'ale scheint es zu regnen – was hatten wir doch für ein Glück

Um 17.20 Uhr sind wir beim Auto. Und wo ist die Visitenkarte der Joggerin Achja – hier, sie steckt an der Fahrertür

Insgesamt sind wir 7,67 Km gelaufen, die Gesamtzeit beträgt 5 Std., 56 Minuten.
Laut GPS stehen wir dzt. auf 116 m Höhe.

Beim Hotel angekommen holen wir uns etwas Warmes zum Anziehen, ehe wir ins Foodland fahren.

Wir fahren zum Coffee Bean und bestellen uns je einen Blueberry Smoothie, aber ohne whipped cream.

Anschließend gehen wir die paar Meter zum Foodland hinüber. Dort zahlen wir für praktisch nichts über $35.
Nun retour zum Hotel.
Während Michi in der Finsternis unsere Wanderschuhe reinigt, bereite ich unser Abendessen zu.
Gut, dass uns niemand zuhören kann Wenn wir uns fortbewegen, geht das nur mit "stöhn" und "ächz"
Daher werden wir morgen keine Wanderung unternehmen, sondern einen Schontag einlegen.

Der technische Teil will noch erledigt werden und um 23.30 Uhr gehen wir schlafen