Freitag, 1. 5. 2009

Unfair Das Handy nimmt keine Rücksicht auf meine beinahe schlaflose Nacht und bimmelt um 6 Uhr Nichts da, heute wird es ignoriert, soll heißen: Wir schlummern bis 7.45 Uhr weiter

Draußen sind sehr viele Kinderstimmen zu hören. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass unten am Strand die Kids einer Schulklasse sind. Sie tragen grellgelbe T-Shirts. Offenbar haben die Kids schon das Buffet gestürmt, sodass wir uns nun auf den Weg dorthin machen können.

Anschließend testen wir das Wissen der Lady beim Information Desk. Wir wollen in Erfahrung bringen, ob sie etwas über den aktuellen Lavafluss weiß oder nicht.

Wir bekommen die äußerst hilfreiche Antwort, dass ein Mal Lava fließe, dann wieder nicht. Die Lava Viewing Area ist ab 5pm geöffnet, letzter Einlass ist um 8pm, um 10pm wird das Gate gesperrt. Na gut, das wissen wir auch, bedanken uns und gehen ins Zimmer.

Ein Kontrollblick aus dem Fenster zeigt einen stark bewölkten Himmel.

Das Kreuzfahrtschiff Rhapsody of the Seas läuft gerade in der Hilo Bay ein, es fährt ganz knapp am Hilo Hawaiian Hotel vorbei.

So, wir haben bereits gefrühstückt (ja, wir sind im Urlaub ), nun reißt der Himmel immer mehr auf, über Hilo scheint sogar die Sonne

Für uns steht fest: Ab in den Volcanoes NP Wir möchten einen Teil des 'Ainahou Trails gehen und abends möchten wir zur Viewing Area.

Um 10.35 Uhr sind wir beim Kilauea Visitor Center, wir möchten Infos einholen, was es mit der Nenes Sanctuary und der 'Ainahou Ranch auf sich hat.

Der Volounteer, der uns gleich beim Eingang anspricht, welche Infos wir möchten, kann unsere Fragen nicht beantworten – er tanzt auf Eiern herum.

Laut seiner Auskunft wurden die Nene zu anderen Plätzen gebracht, da dort, wo sie bisher waren, "to much trafic" herrsche Er redet einen Schmarrn, wie er größer nicht sein könnte – vonwegen too much trafic... Kein Tourist hat die Möglichkeit, dorthin mit dem Auto zu fahren. Gestern, als wir dort waren, war auf dem Trail kein einziger Mensch unterwegs, also auch nichts mit "to much trafic"

Und dass es im Volcanoes NP eine 'Ainahou Ranch geben soll, davon weiß er überhaupt nichts, im Gegenteil. Er behauptet, dass es gar keine Ranch im NP gibt.

Also wenn wir es nicht wüssten, wir würden ihm glatt glauben...

Ich stelle mir nur gerade vor, wie es einem "Normaltouristen" geht. Er bekommt etwas erzählt und muss es glauben, weil er keine Gegenbeweise hat...

Egal, wir fahren die Chain of Craters Rd. und stehen um 11 Uhr vor dem Gate des 'Ainahou Trails.

Zehn Minuten später starten wir. Es ist sehr stark bewölkt, die Temperatur finde ich angenehm, aber meine Uhr zeigt 32,8° C.

Auffallend sind etliche tote Bäume, nur mehr graues Gehölz, sonst nichts. SO2 ist halt doch nicht so gesund...

Ein Ranger-Auto kommt uns entgegen, der Fahrer grüßt uns auffallend freundlich. Noch ahnen wir nicht, dass wir ihm im Laufe des Urlaubes noch mehrmals begegnen werden.

Um 11.40 Uhr sind wir bei der 'Ainahou Ranch, die es laut Volounteer gar nicht gibt

Der Rasen macht wiederum einen sehr gepflegten Eindruck, aber es ist sehr ruhig, wir hören niemanden arbeiten. Die drei Nene sind auch wieder hier.

Wir sehen uns die Ranch genauer an. Sie ist nicht nur sehr verlassen, sondern wir haben den Eindruck, dass sie ein wenig mehr verwildert ist als 2007, als wir zuletzt hier waren.

Ich gucke durch eine Fensterscheibe ins Innere und sehe ein Schild lehnen mit der Aufschrift "use for 'Ainahou House is by reservation only interested".

Auf der rechten Seite der Ranch ist eine frische Reifenspur zu sehen, hier hat jemand richtig umgeackert.

In unmittelbarer Nähe stehen zwei verrostete Wassertanks, in die das Dachwasser geleitet wird.

Hinter der Ranch steht ein mit Holz umkleideter Wassertank, der relativ neu aussieht, aber schon 2007 hier stand.
Linkerhand der Ranch stehen ein paar hölzerne Gartentische mit Sesseln bzw. Bänken.
Unmittelbar daneben befindet sich ein großer Raum, der nur mit ein paar Holzsparren zugenagelt ist und wir sehen daher gut hinein. Es liegt viel Unrat drinnen.
Hinten im Garten steht eine Mini-Solarpower-Station.

Ebenfalls im Freien befinden sich pit toilets, die man gesehen haben muss
Es gibt ein single und ein double Also Pärchen können hier gemeinsam ihre Notdurft verrichten So etwas habe ich doch noch nie gesehen Ich stelle mir gerade vor, wie ein Mann zu seiner Frau sagt "Liebling, komm, gehen wir ...."

Wir sehen uns wiederum die verschiedenen Bäume an, die liebevoll mit Namen versehen sind – alles für Touristen vorbereitet, wenn es nur mit der Ranch auch aufwärts gehen würde.

Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, was wir demnächst alles über die 'Ainahou Ranch erfahren werden...

Um 12 Uhr, nachdem wir alles gründlich inspiziert haben, ziehen wir wieder von dannen.
Wir gehen aber nicht zurück, sondern auf dem 'Ainahou Trail weiter. Linkerhand steht ein Pferdeanhänger.

Zur Bodenbeschaffenheit: Hier ist großteils a'a-Lava, es geht ständig leicht bergab.

Um 12 Uhr steht vor uns ein Gate, ein darauf montiertes Schild trägt die Aufschrift "Endangered species closure, absolutly no entry".

Die Piste macht nun einen 90°-Winkel nach rechts, dem wir folgen. Temperaturmäßig ist es angenehm, es hat 26,5° C.

Kurz darauf erscheint rechterhand ein grober Maschendrahtzaun, es ist eine Wildschweinfalle..

Schließlich erreichen wir "unsere" Hütte, auf deren Stufen wir gestern picknickten.

Linkerhand – wie gewohnt – Nenes Sanctuary. Plötzlich sehe ich hinter dem Zaun eine junge Frau am Boden sitzen, sie fotografiert.

Hinter dieser jungen Frau verbirgt sich eine Volounteerin, die sich zwischendurch auch immer wieder Notizen macht. Sie beobachtet die Nene, von denen heute etliche hier sind.
Und jetzt sehen wir auch einen niegelnagelneuen Pickup, direkt vor dem Zaun der Sanctuary, stehen.

Nach einiger Zeit steht die Volounteerin auf, trägt beidseits Eimer und geht in Richtung Gehege, die Nene folgen ihr mit lautem Geschrei.

Es ist nun eines ganz deutlich zu erkennen: Die Auskunft des Volounteers im Kilauea Visitor Center ist durch und durch falsch. Er wusste offensichtlich nicht, was er überhaupt sagen sollte und redete halt einfach irgendetwas.
Denn – wenn die Nenes woanders hingebracht wurden, weil hier "to much traffic" herrscht, weshalb sind heute so viele Nenes hier Sind wohl über Nacht eingeflogen...

Um 13 Uhr treten wir den Rückweg an. Dunkelgraue Wolken hängen am Himmel, die Temperatur beträgt 25,3° C.

Nur fünf Minuten später biegen wir linkerhand in eine Fahrstraße ein, sie scheint entweder gar nicht oder nur sehr wenig befahren zu sein.

Kurz darauf stehen wir vor einer Wildschweinfalle, in der zahlreiche Papayas liegen, Doch was soll das Die Tür ist offen und lässt sich einfach nicht verschließen. Sie steckt viel zu tief in der Erde drinnen Ich lege sie frei und dann schnappt die Tür so zu, wie man es erwartet. Na also, geht doch.
Wir trinken ein wenig und gehen weiter. Es weht ein sanfter Wind und ist stark bewölkt. Letzteres ist für Fotos nicht ideal, dafür aber für uns.

Beim Pferdetransporter sehen wir gegenüber eine Hütte, die wir vorhin gar nicht wahrgenommen haben, ein kurzer Fahrweg führt dorthin.

Die Stufen der Hütte eignen sich ausgezeichnet für unser Picknick, also nichts wie hin.
Linkerhand steht ein Picknicktisch mit zwei Bänken, aber der Tisch ist dermaßen schmutzig – nein, danke.
Hinter dem Zaun stehen zwei Pferde, die sehr gepflegt aussehen (ja, ich weiß, auf dem Foto ist nur eines ). Die Eisentür im Zaun trägt den Buchstaben "A", vermutlich für 'Ainahou.
Just in dem Moment, in dem wir uns auf die Stufen setzen, fährt die Volounteerin vorbei und grüßt sehr freundlich. Woher weiß sie eigentlich, dass wir hier sitzen? Um uns zu entdecken, muss sie ihren Kopf um 90° nach links drehen...

Wir genießen unser Mitgebrachtes. Um 14.20 Uhr verabschieden wir uns von den Pferden und hören schon wieder ein Motorgeräusch. Tatsächlich – ein Auto mit der Aufschrift "for official use only" kommt und bleibt stehen.
Uihhh Dürfen wir etwa nicht hier bei der Hütte sein
Falsch gedacht Der schlanker Ranger, der uns heute Vormittag schon begegnete, begrüßt uns freudig, er strahlt über das ganze Gesicht
Nur eines ist uns nicht klar – woher weiß auch der Ranger, dass wir hier sitzen... Er ist ja gezielt stehen geblieben. Hat ihm das etwa die Volounteerin per Funk mitgeteilt Das wäre eine Erklärung...

Bei 29,6° C und fast sonnigem Himmel gehen wir weiter.

Bei der 'Ainahou Ranch biegen wir ab, diesmal aber nicht zur Ranch, sondern zur Service Area. Wir sehen ganz frische Reifenspuren – ob die vom Ranger sind

Bei der 'Ainahou Ranch begegnen uns wieder die drei Nene. Wir gehen übers Gelände der Ranch und bewundern wieder einmal mehr die liebevoll beschrifteten Bäume und Sträucher.
Ja-ja, die 'Ainahou Ranch hat es uns angetan

Nach einiger Zeit gehen wir zum 'Ainahou Trail zurück, zweigen aber kurz darauf linkerhand wiederum in einen schmalen Pfad ein. Es scheint sich um einen Geo-Lehrpfad zu handeln.
Der Weg ist sehr gepflegt.

Um 15.30 Uhr sind wir bei 25,7° C wieder beim Auto, macht 8,3 gelaufene Kilometer.

Auf der Fahrt zurück stoppen wir im Kilauea Visitor Center, da wir hoffen, endlich einmal einen kompetenten Ranger zu finden, der uns Auskunft über die 'Ainahou Ranch geben kann.

Wir haben großes Glück, denn wir treffen Frank Box

Frank kennt die Geschichte der 'Ainahou Ranch, er kannte auch den früheren Besitzer, Herbert Shipman, Frank arbeitete auch 9 Jahre lang auf der Ranch. Er musste dafür sorgen, dass das Innere der Ranch sauber war.

Als die Eruption des Mauna Ulu zwischen 1969 und 1974 war, ging sehr viel Asche u. a. auf das Areal der 'Ainahou Ranch. Herbert Shipman, der die Ranch erbaute, versuchte mit Hilfe von laubbehangenen Ästen, diese Asche vom Dach der 'Ainahou Ranch zu fegen.

Der Volcanoes NP wollte sich die 'Ainahou Ranch aneignen, es entstand zwischen Herbert Shipman und der Verwaltung des NPs ein ziemlicher Streit. Doch Herbert Shipan ließ sich die Ranch nicht so einfach enteignen. Er wandte sich an das Government, dann weiter nach Washington und Washington antwortete, man solle Shipman die Ranch lassen, sie ist sein Eigentum.

Frank kann sich nicht mehr genau erinnern, wann Shipman letztendlich freiwillig die Ranch dem Volcanoes NP überließ, er meint, es müsse zwischen 1969 und 1972 gewesen sein.

Die Verwaltung des NPs kümmerte sich jedoch nicht um die Ranch, sodass sie mehr und mehr von der Natur vereinnahmt wurde.

Schließlich wollte die Verwaltung die Ranch für Feuerübungen abbrennen, doch das wurde von Mrs. Alana McKinney verhindert. Sie ließ die Ranch als historisches Bauwerk auszeichnen und solche Gebäude dürfen für Feuerübungen oder dergleichen nicht verwendet werden.

Wer Alana ist, wird etwas später verraten

Seit vielen Jahren wird nun versucht, die 'Ainahou Ranch zu restaurieren.
Dies wird aus mehreren Gründen erschwert:

1. Ist die Ranch ein historisches Bauwerk, deshalb darf am Äußeren nichts verändert werden, was schon schwierig genug ist.

2. Hält Nene mit ihrer Brutzeit die Arbeiten Jahr für Jahr auf, denn während der Brutzeit, die von allen bei der Restaurierung helfenden Leuten sehr respektiert wird, wird das Gelände nicht betreten. Ist die Brutzeit vorbei, ist das Gelände und die Ranch wieder von Pflanzen überwuchert. Es ist ein ständig wiederkehrender Kampf gegen die Natur.

3. Es gibt einige Volounteers, die mehr oder weniger konsequent bei der Restaurierung helfen. Diese Arbeiten werden jedoch nur ein Mal pro Woche durchgeführt.

Letztes Jahr wurden Moskitogitter vor Fenster und Türen montiert. Dieses Jahr wurde festgestellt, dass die kleine Solaranlage defekt ist. Die Reparatur kostet Geld, dieses wiederum wird seitens der Verwaltung des NPs nicht locker gemacht.

Schließlich wurde das Ranchgebäude außen frisch gestrichen, doch das Government sagte anschließend, es sei nicht die richtige Farbe. Wo es nur geht, werden Steine in den Weg gelegt.

Der eigentliche Plan sieht vor, die 'Ainahou Ranch zu einem Educational Center zu machen.

2002 oder 2003 (das weiß Frank nicht mehr genau) bekam der NP einen neuen Park Superintendant, der als Erstes nichts Besseres zu tun hatte, als gegen alles, was mit der 'Ainahou Ranch zu tun hat, dagegen zu sein. Frank geriet in einen großen Streit mit der neuen Lady, die ihm weis machen wollte, was zu tun und nicht zu tun sei.

Doch Frank setzte sich durch und somit gehen die mühevollen Restaurierungsarbeiten zwar sehr langsam, aber doch beständig voran.

Frank erzählt uns von Mrs. Alana McKinney, die – man könnte es so ausdrücken – die Chefin der Restaurierungsarbeiten der 'Ainahou Ranch ist. Er kenne sie schon viele Jahre, sie sei eine wunderbare Person und ein Juwel für die Ranch.

Schließlich gibt uns Frank den Tipp, dass Alana jeden Donnerstag mit ihren Volounteers auf der Ranch sei, da an diesem Tag dort gearbeitet wird. Wir sollen einfach an diesem Tag hinfahren und einen schönen Gruß von ihm ausrichten. Er werde Alana sagen, dass wir kommen

Frank hat unser Interesse an der Ranch und überhaupt am Volcanoes NP längst erkannt und fragt, ob wir sonst noch etwas wissen möchten, was uns ev. jemand anderer nicht beantworten kann. Na klar

Ich frage ihn, wie der kleine Krater rechterhand am Napau Crater Trail, ungefähr eine Meile vom Mauna Ulu entfernt heißt.
Nun erfahre ich Erstaunliches, es ist nämlich kein Krater, sondern ein Lava Lake Er entstand während der Eruption des Mauna Ulu zwischen 1969 und 1974.

Wir bedanken uns für die sehr ausführlichen Erklärungen und fahren zum Hotel zurück, wo wir um 17 Uhr ankommen.

Rasch überspielen wir die Fotos des heutigen Tages auf das Netbook, knabbern ein paar Nüsse und machen uns nun, um 17.20 Uhr auf den Weg zur Viewing Area.

Um 18.30 Uhr stehen wir am Parkplatz derselben, der uns zugewiesen wird.
15 Minuten später ziehen wir los, mit uns zahlreiche andere Touris.

Dann kommt das, was eigentlich kommen musste: Die große Enttäuschung - wir sehen kaum etwas, nur mit der Tele kann ich ein paar wenige brauchbare Fotos schießen.

Die Lava fließt an zwei Stellen ins Meer, aber das wussten wir vorher auch schon.

Um 20.30 Uhr verlassen wir die Viewing Area und gehen Richtung Auto. Bereits am Asphalt, aber noch nicht am Parkplatz, sind zahlreiche Verkaufsstände geöffnet. Wir sehen uns Fotos von Leigh Hilbert an, der wirklich fantastische Fotos zu relativ günstigen Preisen anbietet.
Laut Leigh ist heute der erste klare und auch warme Abend, sodass er erstmals seit Monaten nur mit T-Shirt und kurzer Hose bekleidet hier stehen kann.

Auf den letzten Metern zum Auto beginnt es zu tröpfeln. Glück gehabt

Um 21 Uhr treten wir den Rückweg nach Hilo an, wo wir um 22 Uhr ankommen, obwohl ich die erlaubte Höchstgeschwindigkeit fahren kann.

Wie es zu der unglaublichen Zeitangabe von 30 Min. kommt, die uns die Lady vom Activity Desk gab, wird mir schleierhaft bleiben.

Wiederum heißt es Fotos überspielen und ansehen. Besonders zufrieden sind wir nicht, aber es war nicht viel anders zu erwarten.

Um 1 Uhr – schon des nächsten Tages - gehen wir ins Bett