Donnerstag, 7. 5. 2009

Um 6 Uhr läutet das Handy. Wir haben es bewusst so früh gestellt, da wir heute in gewisser Weise einen Termin haben. Es geht zur 'Ainahou Ranch, wo jeden Donnerstag Mrs. Alana McKinney mit einigen Volounteers arbeitet. Außerdem müssen wir heute Abend sehr, sehr früh schlafen gehen, da wir mitten in der Nacht aufstehen müssen – die Lavatour mit Chris wartet

Ein Blick aus dem Fenster zeigt einen ziemlich stark bewölkten Himmel, allerdings lugt schon ein wenig blau hervor. Der Parkplatz vor Coconut Island ist gerammelt voll. Unzählige Leute tummeln sich auf der Insel, wir haben allerdings keine Ahnung, wieso, weshalb, warum.

Beim Frühstück sind sehr viele Kinder, offenbar von zwei verschiedenen Schulen. Alle haben ein- und dasselbe T-Shirt an, aber eine Gruppe in gelb, die andere in grün. Die Aufschrift der T-Shirts ist auch bei allen dieselbe, nämlich "Mi'ilani Uka, Big Island Trip 2009". An jedem der Tische sitzt mindestens eine Begleitperson mit dabei und die Kinder hinterlassen weder am Tisch noch beim Buffet ein nennenswertes Chaos. Manche Erwachsene könnten sich ein Beispiel an ihnen nehmen.

Wir fragen einen Angestellten, was es mit den vielen Leuten auf Coconut Island auf sich habe, aber er weiß es selbst nicht. Er und seine Kollegen versuchen, es herauszufinden, aber es gelingt ihnen nicht.

Der Wirbel auf Coconut Island lässt nach, viele Autos fahren weg und gerade läuft die Dawn Princess ein.

Wettermäßig sieht es inzwischen ausgezeichnet aus, der Mauna Kea ist noch nicht sichtbar, aber die Wolken über Hilo werden immer weniger. Hoffentlich ist es im Nationalpark ähnlich.

Um 8.20 Uhr fahren wir ab und sind eine Stunde später im Kilauea Visitor Center, das noch ziemlich ausgestorben ist. Bei der Information steht überhaupt niemand, die Rangerin mit den zwei Zöpfen ist mit Schreibarbeiten beschäftigt und ihre Kollegin, eine ebenfalls nicht mehr ganz junge Dame fragt uns, ob sie irgendwie behilflich sein kann.

Unsere erste Frage ist jene nach "Devils Throat", doch diese Frage gibt sie an die Kollegin mit den Zöpfen weiter, die allerdings auch keine Antwort weiß.

Ok, dann möchten wir wissen, was es mit der Aufzuchtstation der Nene auf sich hat. Die Auskunft ist, dass die Nenes von Wildschweinen überfallen wurden, die die jungen Nenes und auch Eier gefressen haben.
Das wäre eine plausible Erklärung dafür, dass wir unlängst – als wir über den Keauhou Trail zur Nene Aufzuchtstation kamen – diese völlig verlassen aussah. Andererseits – hmmm, ein paar Tage später war doch die Volounteerin und auch einige Nenes dort... Seltsam.

Plötzlich taucht hinter uns ein Herr auf, der die 70 schon überschritten haben dürfte. Wenn er beim Sprechen den Mund öffnen würde, würden wir etwas mehr verstehen...

Er erzählt, dass Devils Throat früher solch einen kleinen Durchmesser hatte, dass man buchstäblich mit einem Pferd hätte darüber springen können. Der Krater dürfte 200 bis 300 Jahre alt sein und er wird auch jetzt noch immer größer und auch tiefer.

Und auch tiefer Das ist ja richtig unheimlich.

Unsere nächste Frage an den Herrn, dessen Rang wir nicht ausmachen können, gilt der 'Ainahou Ranch, doch darauf weiß er nur ein "who knows". Er gibt uns aber den Tipp, dass wir heute dorthin gehen können, wenn wir möchten, da jeden Donnerstag Mrs. Alana McKinney dort ist. Ach neee

Wir bedanken uns und fahren Richtung 'Ainahou Trail, im Moment hat es 31,6° C und ist ziemlich bewölkt, wobei aber ein Großteil vom Pu'u O'o stammen dürfte.

Am 'Ainahou Trail ist es nahezu windstill, Vögel zwitschern, Ohias blühen und wir sind wieder einmal alleine unterwegs.

Um 10 Uhr erreichen wir die Abzweigung zur 'Ainahou Ranch und gehen rechterhand weiter.

Hier bei der 'Ainahou Ranch sieht es frisch gemäht aus, es sind aber keine besonderen Arbeitsgeräusche zu hören.

Wie aus dem Nichts kommt auf einmal eine ältere Lady direkt auf uns zu. Das kann nur Mrs. Alana McKinney sein und so ist es auch Wir stellen uns vor und erzählen ihr, weshalb wir solch ein Interesse an der 'Ainahou Ranch haben, doch das weiß sie schon von Frank Box

Sie freut sich sehr und beginnt gleich zu erzählen.

Die 'Ainahou Ranch wurde 1941 von Herbert C. Shipman, einem erfolgreichen Geschäftsmann aus Hilo, erbaut.
Shipman war bemüht, die damals schon aussterbende Nene nicht nur zu erhalten, sondern auch zu vermehren und baute eine Sanctuary.
'Ainahou bedeutet übersetzt "neues Land" und der heutige 'Ainahou Trail hieß in früheren Zeiten "'Ainahou Track", vor nicht langer Zeit wurden darüber Aufzeichnungen gefunden.

Shipman errichtete Kipuka Nene, da er diese Gans besonders schützen wollte und er züchtete viele Orchideen. Die alten Vorrichtungen sind heute noch hinter der Ranch zu sehen.

Schließlich kommen wir zum ehemaligen "Gaslager", wie ich es bezeichne. Auch hier ist es großteils noch so, wie es seinerzeit verlassen wurde.

1969 begann die Eruption des Mauna Ulu, der nachfolgende Lavafluss versperrte den Hwy..
Die Rinder, die bis zu diesem Zeitpunkt auf der Ranch lebten, wurden in Sicherheit gebracht.

Die Vulkanasche am Dach der 'Ainahou Ranch war so dick, dass es brannte. Cowboys stiegen auf das Dach und fegten mit Palmblättern die Asche weg.

Danach war die 'Ainahou Ranch verlassen und wurde erst Dank Mrs. Alana McKinney mit ihren Helfern freigelegt, die Ranch war nämlich von Bäumen und Sträuchern völlig überwuchert und nicht mehr zu sehen.

Die Tätigkeiten werden jedes Jahr von Nenes Brutzeit unterbrochen, da sich die Nenes dann in der Nähe des Hauses aufhalten und nicht gestört werden dürfen, was sowohl Alana McKinney als auch die Volounteers respektieren. Somit ist jeden Frühling, wenn Nenes Brutzeit zu Ende ist, die Ranch wiederum von Pflanzen überwuchert und die Arbeit beginnt von vorne, statt dass sie dort weitermachen können, wo sie eigentlich möchten.

Die Story, weshalb die Ranch zu einem historischen Gebäude erklärt wurde, macht uns sprachlos: 1971 verkaufte Shipman die 'Ainahou Ranch an den Volcanoes NP und die damalige Verwaltung wollte die Ranch 1993 zu Feuerwehrübungen abbrennen. Dies wurde u. a. von Mrs. Alana McKinney und Frank Box verhindert, die sich vehement für die Erhaltung der Ranch einsetzten und schließlich auch erfolgreich waren. Es wurden die "Friends of 'Ainahou" gegründet, hawaiisch "Na Ho Aloha 'Ainahou" genannt, die heutzutage "Friends of the Hawai'i Volcanoes National Park" heißen.

Der Plan ist, aus der 'Ainahou Ranch eventuell ein Museum zu machen, andererseits sie Gruppen zur Verfügung zu stellen, die picknicken und/oder zelten möchten. Es waren auch schon einige Camper hier, aber der Superintendent hatte Bedenken wegen Feuer und daher wurde Camping verboten. Mrs. Alana McKinney hofft, dass dieses Verbot bald wieder aufgehoben wird. Sie arbeitet seit 1998 hier, hat aber bereits 1993 schon Fotos von der überwucherten Ranch und auch vom Inneren gemacht.

2007 wurde die Fassade gestrichen, aber dann hieß es, es sei die falsche Farbe, das dürfe nicht bleiben, schließlich sei die 'Ainahou Ranch ein historisches Gebäude.

2008 wurden Moskitogitter bei sämtlichen Türen und Fenstern angebracht, aber es sei ein äußerst steiniger Weg, Geld vom National Park für solche Investitionen zu bekommen.
Und dadurch, dass die 'Ainahou Ranch ein historisches Gebäude ist, hat Alana McKinney und ihre Helfer die speziellen Auflagen strikt zu befolgen.

Sie bietet uns an, dass wir uns frei im Ranchgebäude bewegen dürfen, sie sperrt uns alle Türen auf und wenn wir Fragen haben, sollen wir zu ihr kommen, sie sei ohnehin draußen. Gerne nehmen wir dieses Angebot an

Wir erfahren auch, dass sämtliche Pflanzen, die auf dem insgesamt 6.324 acres großen Grundstück der Ranch wachsen, geschützt sind. Gerade letzte Woche haben sie eine große Ulme entdeckt, die sie zuvor nie gesehen hatten, weil sie überwuchert war – wie noch so vieles andere.

Alle Pflanzen, die hier wachsen, wurden von Herbert C. Shipman gepflanzt.

Michi fragt, ob es eine Broschüre oder ein Buch über die 'Ainahou Ranch gäbe und Alana antwortet, sie habe eine Broschüre im Haus, die schenkt sie uns

Nun sperrt sie auf und wir betreten als Erstes die Küche, die diesen Namen (noch) nicht zu Recht verdient. Es gibt zwar Schränke mit Regalen, aber praktisch ohne Inhalt. Der Boden ist noch nicht renoviert.

Nebenan befindet sich das Speiszimmer mit einem großen Esstisch und einigen Sesseln. Die Anrichte, die in diesem Raum steht, beinhaltet Geschirr.

Wir gehen in Shipman's Schlafzimmer, das aber so gut wie leer ist. Shipman hatte seinerzeit, bei der Erbauung der Ranch, großen Wert darauf gelegt, dass er von seinem Schlafzimmer aus direkt in den Wassertank sehen kann, um die Höhe des Wasserspiegels bestimmen zu können.

Der Wassertank wurde zwar schon längst entfernt, aber die Grundmauern, auf denen er stand, sind nach wie vor vorhanden, wie man durch eine Art Fenster vom Schlafzimmer aus sehen kann. Ansonsten ist dieser Wassertankraum dzt. mit Gerümpel besetzt.

Früher wurde Strom mittels eines Generators erzeugt, aber mittlerweile ist die elektrische Versorgung dermaßen herunter gekommen, dass sie nicht mehr funktionstüchtig ist.

Wir gehen in das nächste Zimmer weiter, das eine Mischung aus Wohn- und Schlafzimmer ist.

Es gibt im Garten eine kleine Solar Power Station, aber sie ist ebenfalls ohne Funktion, da mehrere Panele gebrochen sind.

Gerade kommt ein älterer Volounteer, der mit seiner heutigen Arbeit beginnen möchte. Es ist Rob, ein Ire, wie er uns verrät.

Alana stellt uns Rob vor und sagt zu mir, wenn ich wieder komme, kann ich auch als Volounteerin hier arbeiten.
Ich falle fast in Ohnmacht, denn ich habe mich die längste Zeit vor unserem Urlaub bemüht, als Volounteerin arbeiten zu dürfen. Aber in dem online-Formular wird die Hawai'i-ID verlangt und die habe ich nun mal nicht

Alana sagt prompt, das ist doch egal und spiele überhaupt keine Rolle, was in diesem online-Formular steht. Wenn ich das nächste Mal komme, soll ich zuvor Kontakt mit ihr aufnehmen, denn sie entscheidet, wer bei ihr als Volounteerin arbeiten darf und wer nicht und sie hätte mich sehr gerne mit dabei! ? Ich bin überglücklich, denn ich hätte nie gedacht, dass ich jemals die Chance, auf Hawai'i als Volounteerin arbeiten zu dürfen, bekomme – vonwegen Hawai'i-ID und so, alles Stolpersteine, die der Mensch nicht braucht...
Doch dann kommt fast ein Niederschlag für mich – Alana hat das entsprechende Papier, das ich als Volounteerin unterschreiben muss, im Auto, ich könnte ab nächster Woche Donnerstag hier arbeiten, aaaaaaber – da sind wir nicht mehr auf dieser Insel

Rob ist ein Nachbarn von Frank Box, wie sich heraus stellt Ach, die Welt ist vielleicht klein. Wir plaudern noch eine Zeit lang mit ihm, bis er sich seiner Volounteer-Tätigkeit widmet.

Und wir sehen uns jetzt ganz genau um. Alana hat das Ranchgebäude nicht abgesperrt, sondern uns angeboten, dass wir uns überall umsehen dürfen, wo wir wollen. Haben wir Fragen, sollen wir einfach zu ihr kommen

Vorerst gehen wir aber auf das Gelände und dort zur Solar Power Station. Gerade kommt Alana auf uns zu und überreicht mir ihre Visitenkarte, auf der auch ihre Email-Adresse steht.
Alana bittet mich, ihr eine Mail zu schreiben, sobald ich näheres über unseren nächsten Hawai'i-Urlaub weiß.

Die Solar Power Station ist wirklich ganz schön bedient, aber Alana erzählte vorhin, dass noch Garantie drauf sei.

Ich lege mich mitten auf die Wiese und genieße den Blick auf diese schöne, gepflegte Anlage.
Schließlich schlendern wir gemütlich über das Gelände weiter und sehen den relativ neuen Wassertank.

Alana entdeckt uns und kommt wiederum auf uns zu. Sie macht uns auf einen neuen Trail aufmerksam, der erst kürzlich auf diesem Gelände angelegt wurde. Lachend erklären wir ihr, dass wir den Trail schon gelaufen sind und sehen, wie glücklich sie darüber ist.

Sie erzählt, dass sie Dr. Jaggar kannte, als sie ein kleines Mädchen war.
Alana's Ehemann war der erste Mediziner hier in der Gegend, alle nannten ihn "Doc". Er war ein ganz fantastischer Mensch und ist vor nicht allzu langer Zeit verstorben.

Schließlich verabschieden wir uns sowohl von Alana als auch noch von einigen Volounteers und treten den Rückweg an.

Es kommt uns ein weißer Pickup entgegen, den wir schon von weitem sehen. Der Fahrer, ein sehr freundlicher Ranger, lacht und stellt fest, dass wir wohl den Volcanoes NP sehr gerne mögen, da wir schon wieder hier sind ? Er fragt, ob denn der rote Jeep vor dem Gate unserer sei, was wir bejahen und er mit "I'm glaaaaadddd" bestätigt.
Der Ranger erzählt, dass er für die Pferde und Mules verantwortlich sei und fragt, ob wir jene Leute waren, die vor kurzem dort auf den Stufen der Hütte gesessen sind und gepicknickt haben. Auch das bejahen wir und ernten wiederum ein "I'm glaaaaadddd"

Ich kann es nicht lassen und sage, dass der Volcanoes NP 'mein' Park ist, worauf er seine Rangerkappe abnimmt und mir überreicht

Er fährt jetzt zu Alana, um ihr 'hello' zu sagen, da er sie wegen Nenes Brutzeit jetzt einige Zeit nicht gesehen habe.

Michi erzählt ihm, dass wir gerade von Alana kommen und sie uns viel von der 'Ainahou Ranch erzählt hat. Jetzt ist der Ranger völlig aus dem Häuschen, er strahlt über das ganze Gesicht und sagt "you're compleatly different to other tourists". – Wie wahr, wie wahr...

Um 12.30 Uhr sind wir beim Auto, kurz darauf sind wir beim Kilauea Visitor Center, um uns zum x-ten Mal dort umzusehen. Eigentlich sollte Frank hier sein, aber er ist noch nicht von seiner Tour zurück, daher gehen wir ins Volcano House hinüber.
Dort bleiben wir aber nicht lange, es gibt ohnehin nichts Neues.

Anschließend fahren wir zum Jaggar Museum.
Wir schauen eine Zeit lang dem neuen Vent im Halema'uma'u Crater zu.

Um 14 Uhr fahren wir zur Hilina Pali Rd., wo wir uns auf einer kleinen Ausweiche einparken.Wir ziehen unsere Wanderschuhe an und gehen zu Hilina Pali, blühende Ohias wachsen hier.

Ein netter Picknickplatz ist gefunden und wir verspeisen bei 39,4° C unser Mitgebrachtes. Nebenbei sind auch einige Fotos von Hilina Pali entstanden.

Jetzt aber zurück nach Hilo, wo wir um 16.45 Uhr am Hotelparkplatz ankommen. Wir wechseln unsere Rucksäcke und fahren ins Prince Kuhio Plaza Shopping Center.

Zunächst muss aber der wiederholte Besuch beim Borders sein. Ob wir ihn nicht doch endlich kaufen sollten

Wir stärken uns zuerst mit Espresso und für Michi einen Frapucchino, ehe wir uns der Bücherabteilung widmen. Erstaunlicherweise kaufen wir wieder nichts.

Anschließend geht es zum Sack'N Save, innerhalb von 20 Minuten sind wir wieder draußen und fahren zum Hotel zurück.

Nachdem wir das Eingekaufte im Zimmer abgeliefert haben, gehen wir in die Wai'oli Lounge. Michi bestellt ein Glas Rotwein und ich eine Ochsenschwanzsuppe, die eine Köstlichkeit ist.

Wieder im Zimmer erfolgt der technische Teil des heutigen Tages und um 21.30 Uhr (ja, richtig gelesen!) gehen wir schlafen. Die Nacht wird kurz...