Dienstag, 14. 4. 2009

Um 5.40 Uhr holt uns das Handy erbarmungslos aus dem Schlaf. Kurz darauf meldet sich auch der Weckruf des Hotels – sicher ist sicher.

Wie es sich für ein Airport-Hotel gehört, gibt es bereits relativ bald Frühstück und so sind wir um 6.30 Uhr beim Buffet. Die Auswahl ist reichlich, es gibt sowohl warme als auch kalte Speisen sowie Kaffee, Tee oder Kakao je nach Wunsch.

Mit dem Shuttle um 7.30 Uhr fahren wir zum Airport. Der Sicherheits-Checkin ist seine Bezeichnung nicht wert – er ist schlichtweg ein Witz.

Anschließend gehen wir zu unserem Gate 59, Boarding Time ist um 9.30 Uhr.
Mit uns werden auffallend viele Inder und Türken reisen.

Da uns unser Hausarzt in Österreich schon vor 11 Jahren nahe gelegt hat, wir sollen uns vor Langstreckenflügen Heparin spritzen, hole ich die zwei Spritzen aus meinem Rucksack. Ein Pieks für Michi, einer für mich – der Fall ist erledigt, das gesundheitliche Risiko hoffentlich stark reduziert.

Beim Boarding stellt mir ein Inder einige Fragen:

„Wie lange bleiben sie in den USA

„6 Wochen“

„Haben sie eine Green Card

„Nein, wir sind Österreicher“.

„Aha“.

„Haben sie eine Registrie….“ – weiter kommt er mit seiner Frage nicht, da ich meine Antwort sofort abgebe:

„Ja, wir sind beide im Besitz von ESTA“.

„Oh, sie haben sich sehr gut vorbereitet“.

Die Frage, die sich mir aufdrängt „ist das nicht normal“ verkneife ich mir, der gute Mann tut ja nur seine Pflicht.

Nun belegen wir die Sitze 56 H + 56 J, unser Fluggerät ist eine Boeing 747-400.

Sämtliche Passagiere sind eingestiegen, der geplante Abflug ist um 9.55 Uhr, aber bis wir weg kommen, ist es 10.25 Uhr.

Um 13 Uhr gibt es Mittagessen. Wir wählen Rindsgulasch „Costa Rica“ mit Erbsen und Karotten, Kartoffeln, Krautsalat, Camembert und Mehlspeise. Dazu Cola light.

In späterer Folge haben wir einen tollen Blick auf die Rocky Mountains.

Trotz ESTA bleibt das herkömmliche Ausfüllen des grünen Zettels nicht aus. Egal, wir haben ja Zeit.

Um 20.15 Uhr MESZ gibt es Abendessen – 45 Minuten vor der Landung . Die Crew hat zu lange geschlafen…

Wir wählen das scharfe Poulardeninnenfilet mit Reis, Brötchen und Schokokuchen. Getränke gibt es aus Zeitmangel nicht mehr

Um 21.02 Uhr MESZ = 11.02 AST landen wir und dürfen den Flieger um 11.20 Uhr verlassen.

Die Immigration geht zügig voran, nämlich von 11.27 Uhr bis 11.45 Uhr. Anschließend holen wir die Koffer vom Band und geben sie kurz darauf wieder ab.

Um 13 Uhr sind wir durch den Sicherheitscheck.

Nun möchten wir einen doppelten Espresso, den wir uns bei „Coffee & Tea“ holen
Ein wenig Zeit will noch totgeschlagen werden – es ist 15 Uhr - und das erledigen wir beim Burger King.

Kurz darauf, nämlich um 15.45 Uhr sind wir bei unserem Gate 86. Für 16 Uhr ist boarding time geplant.

Doch nichts geschieht, kein Mensch darf an Board. Ich sehe ratlose Gesichter, die um sich sehen. Geduld, meine lieben Leute, Verspätungen sind doch Gang und Gäbe .

Irrtum…

Unser Fall ist etwas anders, es kommt nämlich um 16.05 Uhr die Durchsage, es gäbe technische Probleme mit unserem Flugzeug. Zur geplanten Abflugszeit, nämlich um 16.40 Uhr, soll durchgegeben werden, ob und wann geflogen werden kann.

Ähem… Wie bitte „Ob und wann “. Was heißt das jetzt im Klartext

Pünktlich um 16.40 Uhr tatsächlich die versprochene Durchsage. Es gibt nichts Neues, in 5 Minuten die nächste Durchsage.

Die Dame muss sich den Wecker gestellt haben, denn wiederum pünktlich, nämlich um 16.45 Uhr, kommt die nächste Durchsage: Es gibt nichts Neues, um 17 Uhr wird bekannt gegeben, wie es mit dem Flugzeug weitergeht.

Ok, wenn es denn sein muss… Aber das Hyatt werden sie uns wahrscheinlich nicht bezahlen... Ich gehe gedanklich ein paar Hotelketten durch und schließlich frage ich Michi: „Was meinst du, in welchem Hotel sie uns unterbringen Im Hyatt doch sicher nicht.“

Ich hätte es mir ja denken können, seine für meine Unkerei zurecht gelegten Worte „ach, was du immer hast“ folgen sogleich. Das nächste ist seine Erklärung: „Wir werden mit sehr viel Verspätung fliegen, aber doch nicht in einem Hotel übernachten“.

Vorsichtshalber hülle ich mich in Schweigen und wünsche mir, dass Michi Recht hat, glaube aber nicht daran.

Um 16.55 Uhr die nächste Durchsage: „Der Flug UA 77 wird wegen eines mechanischen Defekts gecancelt. Alle Reisenden werden gebeten, sich zum Customer Service zu begeben. Der Weiterflug erfolgt morgen früh um 6 Uhr“.

Sehr schön, das ist genau das, was wir und all die anderen wollten… Ein Murmeln geht durch die Runde und wir eilen zum Customer Service.

Ich blicke auf die Menschenschlange zurück – die letzten werden wohl zwei Stunden hier stehen…

Wir beobachten, wie die Notfallspakete zu Ende gehen und die ersten Fluggäste ohne diese Pakete den Customer Service verlassen. Die Leute werden auf zig Hotels gebucht.

Nach 45 Minuten des Wartens sind wir an der Reihe. Ach, wie schön, gerade wird ein großer Karton mit Notfallspaketen gebracht und aufgerissen – weiter geht’s, wir profitieren schon mal davon.

Wir bekommen einen Voucher für das – welches Hotel

Achja, meine Unkerei kommt zum Zug – der Voucher ist für das Hyatt Regency Hotel.

Dazu bekommen wir – ach, wie gnädig – einen Voucher für das Dinner im Wert von $15 pro Person, Getränke ausgenommen. Jetzt möchte ich mal wissen, was man im Hyatt zum Dinner um $15 bekommt… Mir fällt nur eines ein: It’s a shame for United Airlines

Egal wie dem auch sei, wir fahren mit dem Shuttle zum Hyatt und checken ein. Wenn uns eine Angestellte nicht die Türe offen gehalten hätte, hätten wir enorme Schwierigkeiten bekommen, es weht nicht ein Wind, sondern es ist ein Sturm.

Beim Checkin ruft eine Lady bei unserem bereits gebuchten Hotel Pacific Monarch in Honolulu an und gibt unsere Verspätung bekannt, sie ruft auch bei Alamo an. Dort müssen wir das Auto bis morgen 17 Uhr abholen, es gibt keinerlei Vergütung

Das Hyatt verfügt theoretisch über fünf Restaurants. Eines ist privat belegt, irgendeine Feier findet dort statt. Drei weitere sind geschlossen, also gehen wir in das einzig für uns geöffnete. Hier bestellen wir uns einen Caesar Salad mit Salmon.

Um 22.15 Uhr Ortszeit gehen wir ins Bett, das Handy wird uns um 3.30 Uhr wecken, den Hotel-Weckruf haben wir für 4 Uhr bestellt.