Unsere Katze "Bine" - und die Nachfolger

 

 

 

Darf ich vorstellen Das ist Bine, ein wildes Samtpfötchen, das sich während unseres zweiten Übersiedlungsaufenthaltes im April 2006 auf Gran Canaria in unser Leben einschleicht und anfangs einen Mindestabstand von fünf Metern zu uns einhält.

 

Bine wurde vor unbekannter Zeit auf Gran Canaria geboren.
Die Canarios sind von Katzen überhaupt nicht begeistert und somit werden unsere Bemühungen, Bine an uns zu gewöhnen und ihr Leckerlis anzubieten, mit verständnislosen Blicken beobachtet.

Unser Samtpfötchen hingegen denkt sich, diese österreichischen „Dosenöffner“ sind ganz praktisch und adoptiert uns

Zu Beginn gibt es Verständigungsschwierigkeiten, denn unser Kätzchen spricht kanarisch, wir hingegen deutsch. Mit der Zeit lernen wir, sie zu verstehen und umgekehrt - sie versteht uns.

Wir haben mit Bine bereits sehr viel erlebt, haben auch schon um ihr Leben gezittert, aber ihre Genesung hat uns mehr, als wir uns jemals vorstellen konnten, zusammen geschweißt.

Aus der früher wilden, sehr scheuen und ängstlichen Katze wird Bine das, was sie heute ist: Ein richtiges Schmusekätzchen, das zu uns gehört und an unserem Leben teilnimmt, genau so, wie wir an ihrem Katzenleben teilnehmen dürfen.

Sie ist uns richtig ans Herz gewachsen und wir möchten sie nicht mehr missen.

Bine hat eine besondere Ader für pflegebedürftige Kätzchen. Unter anderem bringt sie uns einen völlig verwahrlosten, kranken, jungen Kater. Da er ein rötliches Fell mit weißen Einlagen hat, nennen wir ihn "Rusty".

Rusty erholt sich bei uns sehr gut und eigentlich möchte ihn Bine wieder los werden - schließlich ist sie hier die Frau im Haus - äh, im Garten Aber Rusty will nicht. Bevorzugt liegt er auf meinem Schoß und saugt an seiner Vorderpfote, wie ein kleines Kind, das am Daumen lutscht. Auch mit geschätzten 9 Monaten macht er das noch.

Dann - eines morgens, ich öffne gerade von außen die Jalousien - ruft der Nachbar, unser Kater liege tot auf der Straße Wie bitte? Rusty? Ich öffne das Tor und der Nachbar drückt mir den toten Rusty in die Hand

Das arme Kerlchen wurde von einem Auto angefahren Hoffentlich musste er nicht allzu lange leiden...

Bine hatte sich in der Zwischenzeit doch mit der Anwesenheit von Rusty abgefunden, sodass sie sich nun alleine fühlte. Tagelang suchte sie nach ihm.

Es vergingen ein paar Monate, brachte Bine wieder einen völlig abgemagerten, verletzten und fiebrigen jungen Kater zu uns. Mit flehenden Augen sah sie uns an, so nach dem Motto "helft ihm bitte".

Diesen süßen, ebenfalls - wie Bine - schwarz-weißen Kater, den wir "Zorro" nannten, wollten wir natürlich retten, doch diesmal fühlten wir uns überfordert, seine Wunden erschienen uns zu schwer. Wir packten ihn in die Stoff-Katzentasche und fuhren mit ihm in die Tierklinik nach Vecindario. Der Tierarzt meinte, das bekomme er schon wieder hin, aber es wäre besser, wir würden Zorro für eine Woche in der Klinik lassen. Wir stimmten zu und baten auch gleich um Kastration.

Eine Woche später holten wir Zorro wieder ab, seine Wunden waren großteils verheilt (er hat viele Spritzen bekommen), aber er war immer noch zaundürr.

Wir päppelten ihn auf und Zorro entwickelte sich prächtig. Jetzt, im Winter 2009/2010, ist er der "König des Hauses", auch wenn er weiterhin im Garten oder im Katzenhaus lebt, das Michi gebastelt hat. Er ist ein richtiger Schmusekater geworden.

Bine akzeptierte Zorro im großen und ganzen, aber manchmal spürten wir, sie wäre doch wieder lieber alleine. Es gefiel ihr zum Beispiel gar nicht, dass auch Zorro Streicheleinheiten bekam, obwohl Bine nie zu kurz kam.

Und dann passierte Schreckliches...

24. Dezember 2009: Wie jedes Jahr am 24. Dezember so waren wir auch diesmal bei der Familie unseres Vermieters eingeladen. Ehe wir uns auf den Weg machten, bekamen Bine und Zorro ihr Fressen.

Spät abends kamen wir nach Hause. Zorro wartete schon auf uns, von Bine keine Spur. Ich rief, ich pfiff (ja, Bine hörte auch auf Pfiffe), Bine kam nicht.

25. Dezember 2009: Von Bine keine Spur und das sollte so bleiben.

Wo ist sie? Warum kommt sie nicht? Die Antwort wusste ich genau, aber sie zu ertragen, war bitter. Ich ahnte, dass es ein Auto gewesen sein muss.

Die Bestätigung bekamen wir Anfang Januar 2010, als wir zum Kaffee bei der Nachbarin eingeladen waren. Sie erzählte, dass einer ihrer Bekannten eine schwarz-weiße Katze mit rotem Halsband (Bine!!!) "irgendwo weiter unten" am Straßenrand liegen sah - tot, von einem Auto überfahren

Jetzt liefen mir endgültig die Tränen hinunter

Auf unseren Spaziergängen "nach weiter unten" suchten wir nach Bine, aber wir fanden sie nicht. Vielleicht war es auch besser so...

Dann kam der 6. Januar 2010, das ist für Canarios DER Feiertag des Jahres! Am 24. Dezember bekommen Jung und Alt nur kleine und wenig Geschenke, am 6. Januar ist dann das große Geschenkeverteilen.

Auch wir bekamen ein Geschenk: Andere Nachbarn, die auch davon wussten, dass unsere Bine nicht mehr lebt, schenkten uns zwei ihrer jungen Kätzchen, gerade mal zwei Monate alt. Sie wogen fast nichts, waren noch sooo klein! Glücklich nahmen wir das Geschenk an und überlegten, wie wir sie nennen könnten.

Da es zwei Weibchen sind, fiel die Wahl leicht: Sara und Laura sollten sie heißen:

Sara = schwarz-weiß
Laura = braun-weiß

Doch schon bald darauf bekamen sie den Katzenschnupfen Ja Himmel noch einmal, wir wollen nicht auch noch diese Kätzchen verlieren! Wir fuhren - ohne Kätzchen - zur Tierklinik nach Vecindario. Ich schilderte meinen Verdacht, erklärte die Symptome, der Arzt bestätigte meine Diagnose.

Er fragte, ob wir die Kätzchen nicht zu ihm bringen möchten. Hmmm, eigentlich nicht so gerne, gibt es denn keine andere Lösung? Doch, wenn ich mich bereit erkläre, beiden Kätzchen an fünf aufeinander folgenden Tagen je 2 Ampullen zu spritzen, ihnen 4x täglich die Augen reinige sowie 2x täglich Augentropfen gebe, geht das. Ohne zu überlegen, sagte ich zu. Der Arzt packte für fünf Tage alles Nötige zusammen, wir zahlten € 34,- und fuhren nach Hause.

Umgehend begann ich mit der Behandlung, kurze Zeit darauf waren die Kätzchen gesund

Es vergeht nur kurze Zeit - ich sitze gerade auf der Terrasse, Sara läuft gerade ein Stück - kommt mir etwas seltsam vor. Was sah ich da soeben? Das gibt's doch gar nicht! Sara ist doch ein Weibchen, aber das, was ich sah, sah alles andere als weiblich aus...
Ich schnappte mir Sara und dann stellten wir fest, dass es nicht an meinen Augen liegt. Sara ist gar nicht weiblich!! Na gut, es soll Schlimmeres geben, aber wie taufen wir "ihn" jetzt? Uns fiel kein passender Name ein und so wandelten wir einfach Sara in "Saro" um - ganz spanisch eben "a" für weiblich, "o" für männlich

Unsere anfänglichen Bedenken, was wohl Zorro zu den beiden kleinen Kätzchen sagt, waren völlig unbegründet. Er nahm sie an, als wären es seine Kinder. Doch dem nicht genug, er verhält sich nicht wie ein Katzenvater, sondern er ist für sie die Mutter!

Er putzt sie, er fängt ihnen Mäuse und Eidechsen, er lernt ihnen, auf Bäume hinauf und wieder hinunter zu klettern - sagenhaft! Würden wir es nicht täglich sehen, wir könnten es nicht glauben.

Zorro legt sich mit den beiden in ein Körbchen, obwohl es drei davon gibt - für jedes eines. Aber nein, sie wollen beisammen sein

Hoffentlich halten sich die Auto von unseren Katzen fern.
Manch einer wird sich fragen, warum wir sie nicht sicherheitshalber ins Haus holen, dann wäre die Gefahr mit den Autos nicht mehr. Das ist schon richtig, aber wir möchten ihnen die Freiheit nicht nehmen, es sind eigentlich wilde Katzen. Sie genießen es, im Garten herum zu flitzen, sich hier und dort zu verstecken, auf die Weinlaube zu klettern oder uns auf der Dachterrasse zu besuchen.

All das würden wir ihnen nehmen, würden wir sie ins Haus einsperren. Das bringen wir nicht übers Herz.

Wie wir es handhaben, wenn wir auf Urlaub sind? Das ist glücklicherweise ganz einfach: Der Sohn unseres Vermieters wohnt mit seine Frau schräg gegenüber von uns. Die beiden und auch jene Nachbarn, von denen wir die Kätzchen bekamen, kümmern sich um sie.

Um Zorro, Saro und Laura - unsere drei Lieblinge