Vor sehr vielen Jahren schickten wir von Hawai'i aus eine ausgehöhlte Kokosnuss nach Österreich. Das war problemlos möglich, wir fuhren einfach auf das Postamt und gaben die Kokosnuss wie eine "Postkarte" auf.

Einige Jahre später wollten wir wieder eine Kokosnuss nach Österreich schicken. Doch dieses Mal mussten wir am Postamt einen entsprechend großen Karton kaufen, in dem die Kokosnuss Platz hatte, gut verschließen, Briefmarken darauf - zahlen.

Auch dieses Jahr wollten wir wieder eine Kokosnuss nach Österreich schicken. Wir waren zu diesem Zeitpunkt in Hilo auf Big Island und da wir in Kea'au wohnten, hatten wir bis zum Postamt am Airport nicht weit. Wir erkundigten uns, wie man heutzutage eine Kokosnuss nach Österreich verschickt. Zu unserer Überraschung erfahren wir, dass die Kokosnuss auf jeden Fall einen Agricultural Control Stempel haben muss - das war uns völlig neu.

Wir bekamen zwei Zettel in die Hand gedrückt.

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Kurz darauf waren wir dort.

Wir erfuhren, dass hinter dem Hilo's Farmers Market ein Laden ist, der Kokosnüsse verkaufen könnte. Also machten wir uns auf den Weg.

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Er nennt sich Dolly's Handcrafts.

Der Laden bot tatsächlich einige Kokosnüsse an, allerdings ausnahmslos mit hässlichen Aufklebern, die uns nicht gefielen. Wir wollten eine schön bemalte Kokosnuss, also blieb uns nichts Anderes übrig, als nach Kona zu fahren.

In Kona ist meerseitig gelegen ein Shopping Center, dort gibt es im Laden "Hawaiian Fruit and Flower Comp." sehr schöne Kokosnüsse!

Der Besitzer hat die Lizenz, Agricultural Control Stempel auf die Kokosnüsse zu drücken und er klärt uns auf:

Kokosnüsse mit Inhalt dürfen nicht nach Europa versandt werden, nur sogenannte "dried out coconut". Ob der Kern heraußen ist erkennt man daran, wenn die Kokosnuss auf einer Seite etwas abgeflacht ist und einen Schlitz ähnlich wie bei einem Sparschwein, nur geschlossen, hat. Er macht das seit 30 Jahren, wie er uns erzählt.

Er selbst versendet nur Kokosnüsse, die aufs Festland der USA oder nach Kanada gehen. Will man Kokosnüsse nach Europa oder auf einen anderen Kontinent schicken, muss man damit auf ein Postamt.

Wir kauften zwei Kokosnüsse um je $ 20,- und zwar "dried out coconuts". Der Besitzer gab uns einen Stift zum Beschriften, noch bevor wir zahlten. Wir gingen nach draußen und setzten uns auf eine Bank, um die Adressen deutlich schreiben zu können.

Anschließend gingen wir wieder in den Laden, der Besitzer klebte einige Klebestreifen über die Adressen, die er mit Klammern zusätzlich befestigt. Wir fragten wegen des Zertifikats, nein, eine dried out coconut braucht das nicht, nur jene mit dem Kern brauchen das. Er machte damals extra eine Schulung.

Am nächsten Tag fuhren wir zur Agricultural Inspecion, wo wir gestern schon waren.

Von den beiden Herren bei der Agricultural Inspection wurde auf der Unterseite der Kokosnuss, dort wo sie geöffnet wurde, um sie aushöhlen zu können, der Agricultural Inspection Stempel draufgedrückt. Dies ist kostenlos.

Mit den beiden Kokosnüssen fuhren wir zum Postamt am Airport. Die nötigen Agricultural Inspection Stempel waren vorhanden, daher gab es in der Folge keine Probleme mit dem Versenden. Die Kokosnüsse wurden als "First Class Mail" versandt, pro Kokosnuss waren das im Durchschnitt $ 22,50.

Nun mussten wir noch das nötige Zollformular ausfüllen.

Die Kokosnüsse traten - ohne sonstige Verpackung, sondern so, wie sie waren - die lange Reise nach Österreich an und es dauerte nicht sehr lange, konnten beide Empfänger die jeweilige Kokosnuss in Empfang nehmen.

Resumé: Solch eine Kokosnuss von Hawai'i zu lieben Freunden oder wem auch immer geschickt, ist eine ganz besondere "Postkarte" von Hawai'i. Die Freude der Empfänger ist sicher, denn wann bekommt man schon solch eine Kokosnuss?

Zugegeben: Die "Postkarte" ist deutlich teurer als eine herkömmliche Ansichtskarte, aber es ist auch kein Vergleich.