Im Nordosten von Big Island gibt es den Waipi'o Valley Lookout, den vermutlich jeder Tourist ansteuern wird, sieht man doch von oben so schön zum schwarzen Strand und ins Waipi'o Valley.

Klickt auf die Fotos zum Vergrößern.

Man darf zwar, wenn man einen Allrad fährt (AWD ist lt. Schild vor Ort nicht erlaubt), hinunter ins Tal fahren, aber viel weiter kommt man nicht, da man Privatland befahren würde, was nicht gestattet ist.

Daher bietet es sich bei Interesse an, eine Tour mitzumachen, bei der man weitaus mehr zu sehen und auch viel Interessantes erklärt bekommt.

Die Waipi'o Valley Shuttle Tour kann man in der Waipi'o Valley Art Gallery in Kukuihaele, ein kleines Stück nördlich von Honoka'a, buchen.

Mit solch einem Shuttle ist man auf der Tour.

Wir unternahmen die Tour im Juni 2012, unser Guide hieß Douglas.

Ehe es mit dem Artikel mit vielen Fotos weiter geht, eine vielleicht nicht ganz unwichtige Info: Ist man bei traumhaft schönem Wetter unterwegs, ist das natürlich für die Fotos toll. Aber!!! Das hat oftmals auch einen großen Haken, denn dann sind oft die Hi'ilawe Falls trocken und das ist ewig schade. Wir wählten absichtlich einen regnerischen Tag, da wir Wasserfälle sehen wollten, die ihren Namen gerecht wurden.

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Man fährt die steile Straße hinunter, wobei der Berganfahrende Vorrang hat. Schon bald sieht man auf Kalo-Felder (Kalo = Taro, das hawaiische Alphabet kennt weder T noch R, Kalo ist daher hawaiisch).

Ich lasse jetzt einfach ein paar Bilder sprechen:

Dank der Regenfälle führen die Hi'ilawe Falls reichlich Wasser. Würde man diese Tour bei purem Schönwetter unternehmen, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass die Falls kein Wasser führen, relativ hoch.

Bei einer Wasserdurchfahrt ist eine Kreuzung, an der Douglas flussaufwärts fährt, anschließend fährt er über die Böschung am anderen Ufer wieder hinauf.
Immer wieder stehen Häuser, aber nur selten sieht man jemanden. Dafür sind ab und zu wilde Pferde zu sehen.

Wilde Pferde gibt es wirklich genug.

Nach einiger Zeit ist das heutige Ziel erreicht, die letzte Wasserdurchfahrt ist gemeistert und es heißt "aussteigen".

Ganz hinten im Tal, dort, wo auf den Fotos das „V“ erkennbar ist, steht das letzte bewohnte Haus, so erklärt Douglas. Dahinter ist nur mehr die Wand mit den Wasserfällen.

Nach dem 1946er Tsunami war ein Teil des Valleys nicht mehr für Nutzpflanzen geeignet. Das Salzwasser des Meeres hat die Taro-Felder vernichtet.

Nach dem Ende des Taros ist Douglas mit seinem Großvater nach oben gezogen, denn der Großvater arbeitete später in der Zuckerfabrik. Sie waren dann seltener bei den Feldern unten.

Douglas wurde hier geboren und wuchs hier auf, wie er erzählt. Heutzutage wohnen noch ca. 60 bis 80 Leute hier unten im Tal, früher waren es weitaus mehr. Die meisten Leute lockt die Arbeitsmöglichkeit und somit das Geld verdienen oben mehr. Viele leben nur zwei Jahre hier unten, dann wird es ihnen zuviel.

Es gibt keinen Schulbus und auch keine Postzustellung. Douglas oder andere, die nach unten fahren, verteilen im Tal die Post.

Douglas erzählt weiter, wie ihm der Großvater früher gezeigt hat, wie man Krabben fischt. Aus Schlingpflanzen wurde ein Korb geflochten, innen gab man Kokosnussfleisch hinein, warf das Ganze ins Wasser und ein oder zwei Tage später war der Korb voll mit Krabben. Douglas hat jedoch eine andere Methode: Er nimmt eine normale Speisegabel, daran befestigt er ein Duck Tape, die Gabel befestigt er an einem langen Stecken und mit der Stirnlampe leuchtet er bei Nacht ins Wasser. Die Augen der Krabben sehen ihn an und wenn man einmal weiß, in welchem Winkel man ins Wasser stechen soll, trifft man die Krabben und kann sie direkt heraus holen. Diese Methode geht schneller und ist erfolgreicher.

Er zeigt uns, wie Poi entsteht, erklärt die einzelnen Teile von Taro. Es wird alles verwendet, von der Knolle, aus der Poi gemacht wird, bis zum Blatt, das für Laulau verwendet wird und den Stengel steckt man wieder in den Schlamm, dieser wurzelt neu. Es dauert ein Jahr, bis die Pflanze wieder soweit ist, dass man die Knolle ernten kann.

Die Taro Sorte, die mit Luftwurzeln vor sich hin wuchert, bezeichnet er als „Elefantenohr“.

Wie entsteht nun Poi? Die Taro-Knolle wird gestampft, anschließend wird Wasser dazu gegeben, es fermentiert und wird eine gummiartige, zähe Masse. 99 % der Touristen schmeckt Poi nicht und Douglas sagt, in gewisser Weise ist das richtig, pur schmeckt Taro wirklich nicht besonders. Als Hawaiianer isst man Poi nicht pur. Einer seiner Favoriten ist ein Lomi Lomi Saiman. Dieser wird von ihm mit Schweine- oder Hühnerfleisch, dazu Tomaten, Zwiebeln und Poi vermischt zubereitet, zu kleinen Knödeln geformt und so fällt Poi im Geschmack nicht negativ auf.

Als wir länger dort unten stehen, gibt er jedem Mann eine Kukui Nuss. Diese Nuss sollen die Männer aufheben, bis sie hören, dass es im Inneren rasselt, denn dann hat sich das Fruchtfleisch von der Schale gelöst und ist weitgehend getrocknet. Vorher ist sie unreif und unbrauchbar. Dann soll man die Schale aufbrechen und das Innere mit einem Streichholz anzünden, es brennt bis zu fünf Minuten, da das Öl der Nuss brennt. Der Kukui Nut Tree heißt auch Candlenut Tree.

Am Rückweg zeigt Douglas einen Trampelpfad, der an einem alten Zaun entlang führt und steil bergauf geht. Dort wurde früher Taro hinauf gebracht und oben am Hwy. 19 an die Paniolos (= Cowboys) gegen Fleisch eingetauscht. Später haben die Paniolos Geld dafür gegeben.

Dieser Trampelpfad wird auch heute noch von Jägern benützt. Douglas sah schon Keiler mit 200 Pfund, aber solch große Tiere sind schwierig zum Erlegen und dann noch nach Hause zu bringen.

Beim Zurückfahren sehen wir rechterhand zwei Leute, die im Sumpf stehen und Taro ernten.

Er erzählt noch hawaiische Sagen. Z. B., wenn man hinunter fährt, liegt rechts ein großer Stein, nur etwas kleiner als ein Auto. Von diesem Stein behauptet die Sage, dass King Kamehameha den Stein auf seinem kleinen Finger von unten nach oben getragen hat und noch ehe er oben ankam, hörte er von unten Kriegstrommeln. Er ließ den Stein fallen, um seinen Leuten zu Hilfe zu eilen. Als Jahre später die Straße erneuert wurde, störte der Stein, es ist an dieser Stelle zu eng. Ein Bagger wurde geholt und warf den Stein nach unten. Am nächsten Tag, als die Straßenarbeiter wieder kamen, lag der Stein wieder oben. Also Stein wieder nach unten, am nächsten Tag lag er wieder oben.
Dann war der Bagger defekt und der Vorarbeiter hörte die Story vom Kamehameha und sagte, wenn Kamehameha den Stein hierher gelegt hat, muss er hier bleiben, denn nur Kamehameha könne den Stein von hier wegbringen, nicht jemand anderer.

Die Tour ist wirklich jeden einzelnen Dollar wert. Wir waren neun Personen plus Douglas.