Freitag, 5. 7. 2013

Um 01:35 hebt ein Flugzeug ab, es kann sich nur um eine Frachtmaschine handeln.

Das Handy meldet sich freundlicherweise im 5:15 und wir hören in einiger Entfernung den Hahn.

Während Michi im Bad ist, bereite ich unser Frühstück zu, das wir uns schmecken lassen

Um 7 Uhr verlassen wir unser Haus. Am Golfplatz wird schon fleißig gespielt. S. hatte uns unlängst beim Volunteeren erzählt, dass sich die Golfer z. B. auf O’ahu bereits um 3 Uhr morgens treffen, damit sie sich schon einschreiben können und als Erste zum Golfen beginnen können. Zuerst frühstücken und plaudern sie in aller Gemütlichkeit, was sollen sie auch sonst in der schwarzen Nacht auf einem Golfplatz tun?

Klickt auf die Fotos zum Vergrößern.

Am Hwy. 11 ist schönstes Wetter.

Um 8:15 sind wir am Ka’u Desert Trailhead, wettermäßig ist es gemischt, zumindest nicht sehr überzeugend. Hingegen sieht es weiter im Westen schön aus.

Wir gehen zu Plan B über. Es gibt hinter dem Manuka State Park nach Süden eine Piste, die in der Bier-Straßenkarte eingezeichnet ist, das interessiert uns sehr. Diese Piste würde sogar noch zu Manuka Area Reserve gehören – wenn es denn stimmt.

Kurz vor dem MM 70,5, geht es rechts zur Kahuku Unit, die nur an Wochenenden geöffnet ist.

Wir lassen Ocean View hinter uns und fahren in den Manuka State Park. Es ist ziemlich stark bewölkt.

Zwischen MM 82 und 83 geht links die Manuka Bay Rd. hinunter.

Rechts geht ebenfalls eine Piste hinauf mit einem verrosteten Gate. Dort steht „Manuka National Area Reserve, please kokua“ drauf, gesperrt ist es nicht.

Uns interessiert aber weniger diese Piste, sondern die gegenüberliegende, die Manuka Bay Road.

Jetzt fällt mir etwas auf! Wenn man den Highway, also die Straße, genau betrachtet, dann sieht man etwas, das einen auf die Manuka Bay Road aufmerksam macht: Quer über alle Fahrbahnen ist ein Pfeil gezeichnet, dieser deutet zur Manuka Bay Road.

Ein Jeep kommt, zwei Frauen sitzen drinnen. Ich frage die Fahrerin, ob sie glaubt, dass wir die Piste mit unserem Jeep (auf den ich deute) fahren könnenn. Sie weiß es jedoch nicht, da sie die Piste heute zum ersten Mal fahren wird. Die Beifahrerin, die einen sehr knappen Bikini trägt, mischt sich in das Gespräch und erklärt mir, wenn unser Jeep ein Allrad ist, können wir fahren, wenn nicht, dann nicht. Ein Allrad sei unbedingt nötig und man muss Acht geben, da es einige sehr schwierig zu befahrene Stellen gibt. Ich bedanke mich für die freundliche Auskunft und gehe zu unserem Jeep hinüber.

Um 9:40 fahren wir bei 27° C auf die Piste. Ich lege zur Vorsicht schon jetzt Allrad L1 ein.

Nach geschätzten 50 m sind wir bei einem gelben Gate, links ist eine kleine Ausweiche. Hier stehen einige Schilder.

Es ist eine Lavapiste mit unterschiedlich großen Steinen durchsetzt. Zu Beginn ist sie gut befahrbar, allerdings kann ich nur sehr langsam fahren.

Zu unserer Rechten ist eine große Betonplatte. Wäre sie nicht so schief, könnte man glauben, es ist die Betonplatte von einem Haus. Es sind sogar Schläuche eingelegt, man kann eine gewisse Zimmereinteilung erkennen.

Von hier sehen wir schon zum Meer. Es ist allerdings ein weiter Weg, der zu Fuß nicht so leicht erreichbar sein dürfte.

Einige Meilen auf dieser Piste zu fahren, ist auch nicht gerade reifenschonend.

Wir überlegen, was wir tun sollen. Wenn ich die Piste weiter vorne angucke, das ist echt haarig. Schließlich siegt die Vernunft und wir stellen in der Nähe der Betonplatte unseren Jeep ab.

In unmittelbarer Nähe der Betonplatte gibt es noch eine zweite.

Über uns ist eine dicke Wolkendecke, von der Kona-Seite zieht eine noch größere Wolkenwand auf uns zu. Wir lassen uns jedoch vorerst nicht irritieren.

Nur wenig unterhalb der großen Betonplatte sehen wir rechts an der Seite kleine Betonteile, aber auch einen abgeschnittenen Holzmasten. Es scheint, als hätte es hier früher mal eine kleine Siedlung gegeben, die sogar Stromanschluss hatten.

Wir schnüren unsere Wanderschuhe, schnappen unsere Rucksäcke und starten um 10:20

Der Wald ist zu 90 % von Ohias geprägt. Die Piste ist in einem sehr wechselhaften Zustand, es geht teilweise sehr rau bergab.

Insgesamt gesehen ist zumindest bis jetzt die Piste in einem deutlich schlechteren Zustand als die Road to the Sea.

Hier gibt es einen Schädling der besonderen Art. Es ist keine Schlingpflanze, die von unten nach oben wächst, sondern eine Schlingpflanze, die von oben nach unten wächst. Ich ziehe an den gold-gelben „Halmen“ an, ich kann meterweit ziehen. Sie vereinnahmen u. a. die Ohias und zerstören sie. Diese Schlingpflanze ist ein Parasit und heißt Kauna’oa pehu (Hawaiian Dodder).

Ein Quad mit den zwei Männern kommt uns entgegen, ich stoppe sie und Michi fragt, wie weit es noch sei. Der Fahrer antwortet „more than 4 miles“. Wir sind bisher 1,8 Km gelaufen, also eine gute Meile. Unsere Schätzung mit 5 Meilen war ganz gut.

Beim Weitergehen sehen wir einen Laubbaum, der ebenfalls von diesem Parasit vereinnahmt wird.

Je weiter wir gehen, umso spärlicher wird der Bewuchs. Die Ohias werden immer weniger, die Farne werden mehr.
Auf einem Lavastein sehen wir den Totenschädel von einer Ziege. Im Hintergrund, entfernt von der Piste, liegt das passende (?) Skelett dazu.

Auf der Piste finden sich alle möglichen Dinge, angefangen vom Haargummi, zum Auspuff, bis zu einem Flipflop. Dann hätte ich noch eine verrostete Feder anzubieten, Länge ca. 5 cm und einen weiteren Haargummi. Weiters kann ich einen Bleistift anbieten, das gefundene Cent-Stück behalte ich lieber selbst, sozusagen als Glücksbringer.
Das Sortiment des Gemischtwarenladens kann auch noch eine Zündkerze anbieten, des weiteren ein Stück Blattfeder.

Kurz vor 12 Uhr gabelt sich vor uns die Piste, rechts scheint nur eine Umgehung der miesen Piste zu sein.

Bisher sind wir 5,5 Km gelaufen. Wenn wir bis zum Meer gehen wollen, haben wir noch mindestens 2 Km vor uns. In 1 Km soll eine Kreuzung kommen, so zumindest verrät es uns das GPS.

Auffallend ist, dass es weiter unten grüner wird, vorerst in Form von Büschen, aber ich kann auch Bäume erkennen.

Bei einer vermeintlichen Gabelung gehen wir links, man könnte auch rechts gehen, die beiden Pisten treffen kurz darauf zusammen.

Um 13 Uhr hören wir das Meer rauschen.

Vor uns liegt der Kipuka Kaulanamauna, ein teilweise grünes Wäldchen mit niedrigem Grasland dazwischen.

Um 13:20 sind wir am Strand. Es ist glühend heiß. Einige Leute haben schon ihr Zelt aufgebaut, andere sind dabei.

It’s Aloha Friday!

Links vom weißen Zelt ist der Kamoi Point, eine sichelförmige Bucht. Sie sieht sehr nett aus, aber zum Baden dürfte es zumindest heute nicht geeignet sein.

Im Schatten der Bäume suchen wir uns ein Picknickplätzchen, sitzen vom Meer etwas erhöht und verspeisen unser Mitgebrachtes

Bis hierher sind wir 9,3 Km gelaufen.

Nach dem Picknick laufen wir über runde Steine in östliche Richtung zur Manuka Historical Site, das ist ein aus Lavasteinen errichtetes Quadrat. Die zweite Hälfte, die der Meerseite zugewandt ist, ist ebenfalls mit ein paar Etagen Lavasteinen versehen und obenauf ist ein Steinmännchen mit weißen Korallen.

Nach einigen Foto- und Filmaufnahmen treten wir um 14:10 bei 37° C den Rückweg an.

Es liegen ungefähr 10 Km vor uns, die stetig leicht bergauf gehen.

Um 16 Uhr fährt ein Pickup mit Anhänger, von unten kommend, an uns vorbei. Das Auto selbst als auch der Anhänger sind voll bepackt. Kurz darauf kommt der weiße Jeep Wrangler, auch dieses Auto ist bis unters Dach voll.

Und es beginnt zu nieseln. Die Wolken hängen bis zum Boden. Das sieht nicht gut aus, zumal wir noch einige Kilometer vor uns haben. In der Folge geht das Nieseln in Regen über Wir packen Fotoapparat und Camcorder sowie das Stativ in den Rucksack und legen unsere Regencapes über.
Der Regen prasselt auf uns herunter. Seltsam ist, dass wir anscheinend sowohl auf den Pickup als auch auf den Jeep zugehen, sie stehen offenbar. Beim Pickup droht der Wasserbehälter vom Anhänger zu rutschen, der Fahrer befestigt ihn erneut.

Die zwei Autos fahren weiter und wir laufen weiter. Nach einiger Zeit kommt uns ein schwarzer Jeep entgegen, der Fahrer fragt uns, ob ohnehin alles OK sei, was wir bejahen.

Und wir gehen und gehen und gehen Ein weiterer Pickup kommt uns entgegen, mit einem Anhänger, der voll bepackt ist. Der Fahrer will wissen, ob der Hike anstrengend war. Tja, einfach nicht wirklich, guter Mann

Auf einmal sehen wir vor uns wieder den Pickup sowie den weißen Jeep. Eine Dame im Bikini bearbeitet mit einem Rechen die Straße auf einer Anhöhe. Das ist genau jene Stelle, wo ich heute beschloss, dass ich mit unserem Jeep hier nicht weiter fahre. Wie man sieht, war das offensichtlich die richtige Entscheidung.

Ich komme mit der Lady ins Gespräch. Sie erzählt, den Jeep habe sie gemietet. Sie würde nie mit ihrem eigenen Auto hier hinunter fahren, was ich nachvollziehen kann.

Der Pickup-Fahrer sitzt am Boden beim Reifen und hantiert herum. Michi fragt ihn, was mit dem Auto passiert sei. Die Kuppling vom Vorderradantrieb ist herunter gefallen. Er bekomme das schon wieder hin, es sei nicht zum ersten Mal passiert. Wir verabschieden uns und gehen bergauf, wo die Frau immer noch mit dem Rechen versucht, die Steigung etwas in Ordnung zu bringen.

Kurz darauf, um 17:10, sind wir beim Auto, die Scheiben sind glücklicherweise in Ordnung.

Während dessen wir unsere Wanderschuhe ausziehen, kommt der rote Pickup sowie der weiße Jeep, sie krabbeln mit ihren Autos zentimeterweise hoch, sehr, sehr langsam und die Autos werden gewaltig durchgeschüttelt.

Doch nun tritt beim Pickup schon wieder ein Defekt auf und der gute Mann beginnt wieder mit der Reparatur.

Insgesamt sind wir 18,8 Km gelaufen und fahren nun Richtung Highway 11. Es regnet nach wie vor.

Der Pu’u One zu unserer Linken sieht wie ein Tafelberg aus. Das ist jener, der von der Straße weiter entfernt ist.

Das Auto mit eingeschlagenen Scheiben wird vom Abschleppwagen geholt und wir geraten zusätzlich in dichten Nebel.

Beim Nationalparkschild endet der Regen. Der Wald links vom Hwy. dampft richtig. Es sieht gespenstisch aus.

Um 19:30 stellen wir den Jeep unter dem Vordach bei unserem Haus ab.

Unsere Wanderschuhe sind ziemlich nass, Michi kümmert sich darum, während dessen ich unser Abendessen zubereite.

Anschließend macht Michi es sich vor dem TV gemütlich und ich werfe das Netbook an. Das Internet im Hilo Hale ist extrem schnell, ich bin höchst zufrieden.

Um Mitternacht gehen wir ins Bett.

Sleep well