Donnerstag, 5. 8. 2010

Sollte sich jemand unter euch denken, ich habe an diesem Tag vergessen, zu fotografieren, so kann ich ruhigen Gewissens "nein" sagen. Der Fotoapparat war an diesem Tag zwar dabei, aber es ergab sich nicht, ihn zu verwenden.

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Um 6.40 Uhr läutet der Wecker. Erbarmungslos reißt er uns aus dem Schlaf.

Ich springe auf und bereite unser Frühstück zu, während dessen Michi darüber nachdenkt, welchen Wochentag wir haben und welches Datum sein könnte

Doch es dauert nicht lange, macht auch er sich fertig und wir genießen unser köstliches Frühstück im Zimmer

Dabei blicken wir zum Mauna Kea, aber wir sehen ihn nicht, eine dicke Wolkenschicht umgibt ihn. Die Hilo Bay hat nicht einmal ein Gegenüber.
Nur ab und zu scheinen weiße Flecken hervor, es könnte sich um die Häuser handeln.

Fallweise versucht die Sonne durchzudringen, aber es gelingt ihr nicht

Um 7.30 Uhr ruft Michi Alana an und erfährt, dass sie sich verspäten wird. Dummerweise hat sie den Schlüssel für die Werkstatt, der normalerweise an einem bestimmten Ort hinterlegt ist, in ihrer Hosentasche, sodass auch die anderen Volunteers, die heute kommen werden, nichts tun können, bis sie kommt.
Wir sollen uns den anderen selbst vorstellen.

Ich schreibe noch rasch Chris eine Mail, dass K. und ihre Familie nicht an der Tour eilnehmen können, da der Sohn erkrankt ist.

Um 7.40 Uhr fahren wir Richtung Volcanoes NP

In Hilo ist es sehr stark bewölkt, aber die Sonne versucht einige Male, die Wolken zu durchdringen.

Je mehr wir uns dem Volcanoes NP nähern, umso mehr beginnt es zu nieseln.

Um 8.25 Uhr stehen wir beim Kilauea Visitor Center, weil es nicht nur waagrecht, sondern auch von unten nach oben regnet Dabei haben wir irgendwann einmal in der Schule gelernt, dass der Regen von oben kommt. Es scheint nicht immer so zu sein.

Ich krieche im Jeepinneren nach hinten und krame unsere langen Hosen sowie die Wanderschuhe hervor.

Die Fahnen beim Kilauea Visitor Center wehen ziemlich stark, auch die Bäume werden ordentlich durchgerüttelt. Mit 61° F ist es auch nicht sonderlich warm.

Michi gähnt und ich stelle fest, dass ich das Diet Coke zwar hergerichtet habe, aber es steht im Hotelzimmer. Sehr praktisch

Mittlerweile haben wir die passende Kleidung angezogen. Es regnet immer noch waagrecht, aber mehr und mehr setzt sich die Sonne durch. Richtung Halema’uma’u Crater wird der Himmel immer blauer, kaum zu glauben!

Also fahren wir Richtung Süden zur ’Ainahou Ranch.

Um 8.50 Uhr sperrt Michi bei nahezu strahlendem Sonnenschein und fast keiner Wolke am Himmel, das ’Ainahou Gate auf und nachdem ich durchgefahren bin, wieder zu.

Fünf Minuten später sind wir bei der ’Ainahou Ranch. Anscheinend sind wir die Ersten, denn es ist noch kein einziges anderes Auto hier.

Doch das ist ein Irrtum. Vor dem Haupteingang steht ein Auto von Parkrangern. Zwei Ranger wischen mit Tüchern die Hausfassade ab, da vom Hochdruckreinigen noch überall Tropfen hängen.

Die Werkstatt bzw. der Geräteschuppen ist schon aufgesperrt und wir sollen uns bedienen und machen, was wir glauben.

Genau das tun wir auch und beginnen, die Lilien weiter zu schneiden. Von denen gibt es genug und da sind wir gut beschäftigt.

Es dauert nicht sehr lange, taucht Alana auf. Sie erklärt, was heute gemacht werden muss.

L. und R. kommen und schneiden die Palmen. L. macht sehr schöne Fotos. Ihr sind wir letztes Jahr schon begegnet, als wir bei der ’Ainahou Ranch waren, damals fotografierte sie Nene.
L. ist eine etwas Bummelige, die ständig mit dem Fotoapparat herum läuft und auch die Nene zählt. Sie kennt jede Nene und weiß die Nummern auswendig.

Ich schneide weiterhin Lilien. Michi recht mit Alana hinter dem Haus das Laub und die Nadeln der diversen Bäume zusammen und Michi häuft das dann bei den Lilien rundherum als Mulch an. Das sei laut Alana ausgezeichnet dafür geeignet. Es soll außerdem die Nene abhalten, das Düngekorn zu fressen.

Wenn allerdings ein größerer Windstoß kommt, ist das ganze Mulchzeugs dahin

Alana erzählt, was sie von der letzten Besitzerin der Kahuku Ranch erzählt bekam: Herr Shipman importierte die weißen Lilien aus England, dort musste er sie aber stehlen, denn in dem botanischen Garten, in dem es die Lilien gab, hätte er nachgefragt, ob er ein paar Knollen haben darf, was aber abgelehnt wurde. Daraufhin ist er mit der Gruppe weiter gegangen. Shipman’s Fahrer hielt mit Absicht Abstand zu den anderen, schnappte sich ein paar Knollen und schmuggelt sie in der Hosentasche hinaus So sind die weißen Lilien nach Big Island gekommen.

Shipman züchtete dann die weißen Lilien weiter und verkaufte sie, sodass heutzutage auch in anderen Gärten weiße Lilien anzutreffen sind.

Nach schier endlosen Arbeiten beginnen wir um 12.30 Uhr mit dem Lunch und plaudern mit den anderen.

Schließlich arbeiten wir weiter, aber nicht lange, denn Alana kommt und sagt, sie hätte extra für uns ein Fotoalbum mitgebracht. Wir blättern es durch, es sind sehr interessante und vor allen Dingen alte Fotos der ’Ainahou Ranch drinnen.

Dann kümmert sich Michi noch mal um den Wasserauslass, von dem die Nene nicht trinken sollen.

Wir werkeln in der prallen Sonne, kein einziger Tropfen kam vom Himmel, es ist unheimlich heiß

Auch heute sind ständig Nene hier. Die Höchstzahl, die wir heute auf einen Schlag sehen, sind 12 Nene

Es scheint so, als würden die Nene die Nähe des Menschen suchen. Wenn man Gras frei legt, sind sie rasch hier und picken im Gras herum, vermutlich nach Käfern.
Bald haben sie sich an die Schiebetruhe und den Rechen gewöhnt. Sie drehen nur den Kopf, aber wenn sie schlafen, springen sie auf. Sie scheinen eher schlecht zu hören, denn sie zucken manchmal richtig zusammen.

Sie sind immer zu zweit, immer ein Pärchen. Es laufen mehrere Pärchen herum. Plötzlich beginnt von dem einen Pärchen das Männchen sein Weibchen zu scheuchen, quakt herum, streckt den Hals ganz aus, wird immer lauter und lauter und jagt sie durch die Gegend. Die anderen Nene-Pärchen werden davon angesteckt, sodass wir sehen können, wie auf einmal drei Pärchen am Quaken sind, einer watschelt hinter dem anderen nach
Vom Aussehen her kann man fast nicht sagen, welches männlich und welches weiblich ist, man sieht es nur am Größenunterschied.

Heute ist ein Nene-Männchen dabei, dessen Weibchen letztes Jahr mit einem anderen „durchgebrannt“ ist (so erzählt L.) und seither findet er nichts und ist immer allein.
Er stapft die ganze Zeit bei mir herum und sieht mir beim Lilien Schneiden zu.
Michi macht sich schon Gedanken, ob er Angst um mich haben muss und ob ich vielleicht plötzlich mit Herrn Nene durchbrenne, aber als er sieht, dass Herr Nene nicht quakt und mich auch sonst in Ruhe lässt, ist Michi wieder zufrieden
Vielleicht bin ich ihm auch nur zu groß

Alana kommt des öfteren zu mir und meint, ich solle aus der Sonne gehen, aber ich möchte unbedingt bei den Lilien weiter machen und die Sonne stört mich nicht.

Um 15.30 Uhr packen wir zusammen und zehn Minuten später sind wir draußen, wobei wir die letzten sind.

In diesem Moment beginnen zwei Touristen den ’Ainahou Trail, Alana bleibt kurz stehen und redet mit ihnen. Sie wollen Nene sehen und Alana schickt sie direkt zur ’Ainahou Ranch.

Auf der Rückfahrt von der ’Ainahou Ranch sind wir nur mehr am Gähnen. Wir fahren daher nach Volcano Village, aber um diese Zeit – es ist 16.30 Uhr – hat die Keawe Kitchen natürlich noch geschlossen.

Michi geht in den daneben befindlichen Store und holt ein Diet Coke sowie einen Burrito und während wir das verspeisen, kommen etliche Leute, die bei Keawe Kitchen essen wollen und irgendwann kommt eine Angestellte auf die Leute zu und sagt, sie sollen doch ums Eck gehen, dort gibt es Kaffee. Wir sind ganz verblüfft, die Leute ebenso. Michi macht sich auf den Weg, geht ums Eck und dort sieht er tatsächlich „Café Ohia“.
Über ein paar Stufen geht es hinauf und man betrifft einen winzigsten Raum, der durch mehrere Glasvitrinen mit Kuchenstücken und sonstigen Sachen begrenzt wird, dahinter werden auch warme Speisen zubereitet, Chili con carne z. B., auch Kaffee, aber keinen Espresso.
Die Angestellte ich nicht besonders freundlich, wie Michi später erählt.

Michi kauft um $ 1,56 einen leeren (!) Becher, er guckt mit Stielaugen hinein und die Lady sagt, hinter ihm sei die Warmhaltethermoskanne mit Kaffee, aber diese ist jetzt leer

Die Lady fragt ihren Kollegen, ob hinten noch Kaffee sei und füllt Michis Becher randvoll an. Milch hat keine mehr Platz, aber es ist ohnehin keine zu sehen.

Nachdem der Kunde hinter Michi einen Schritt zurück tritt, kann Michi die Tür öffnen, allerdings muss eine draußen stehende andere Kundin ebenfalls einen Schritt zurück treten, damit Michi mit dem randvollen Becher Kaffee vorbei kann

Im Auto trinken wir den lauwarmen Kaffee und hoffen, dass er zumindest etwas Coffein enthält

Auf der Fahrt nach Hilo fahren wir durch Regen und Nebel
Bei der Aloha-Tankstelle füllen wir den Jeep voll.

Um 18 Uhr sind wir in der Hoteltiefgarage.

Wir sind rechtschaffen müde und Michi sollte noch Chris wegen morgen anrufen. Schaffen wir es, wieder so bald aufzustehen? Wir beratschlagen hin und her, beschließen aber, aufzustehen, denn nächste Woche ist der Lavafluss vielleicht nicht mehr hier.
Also ruft Michi Chris an und sagt ihm, dass wir kommen. Es werden zwei Amerikaner dabei sein. Michi sagt aber zu Chris, dass es möglich ist, dass wir vielleicht verschlafen und er soll dann keinesfalls auf uns warten. Entweder wir sind pünktlich oder wir kommen nicht.
Chris erwähnt, auch er ist sehr, sehr müde.

Um 21.30 Uhr gehen wir ins Bett

Sleep well