Aloha

Habt ihr schon jemals den Namen Glenn K. Kapahu gehört? Nein? Ok, ich bis zum Spätnachmittag des 5. Juli 2010 auch nicht

Dann will ich euch erzählen, wie es dazu kam, dass wir Glenn kennen lernten und wer er überhaupt ist.

Wir saßen am besagten 5. Juli 2010 in Waimea auf Kaua'i auf der Terrasse des an diesem Tag geschlossenen Wrangler's Steakhouse. Meine Blicke schweiften auf die andere Straßenseite, wo mir plötzlich ein Straßenschild mit der Aufschrift "Menehune Road" ins Auge stach. Menehune Road!! Diese wollte ich doch schon längst mal fahren, denn irgendwo an ihrem Ende beginnt der Waimea Canyon Trail, auf dem man von Süden in den Canyon wandern kann.

Also nichts wie auf!

Die Menehune Rd. ist zu Beginn asphaltiert, beidseits stehen ziemlich kleine Holzhäuser, teilweise sind die Häuser aber sehr verfallen, in den Vorgärten sieht es aus – oh Graus

Bald darauf ist rechterhand eine Fußbrücke aus Holz zu erkennen, darunter fließt der Waimea River. Zwischendurch stehen keine Häuser mehr, sodass man meint, ab jetzt sei die Gegend unbewohnt und schon ist auch die Hinweistafel „dead end“ zu sehen.

Kurz darauf erreichten wir bereits das Ende der Straße und parkten uns rechterhand neben anderen Autos ein, ein Schild besagt, dass parken verboten ist

Ein rundlicher Hawaiianer warf einen Stecken weit von sich, den ein dort vorhandener Hund wieder zu ihm zurück brachte.

Langsamen Schrittes näherten wir uns und hörten Musik von Israel Kamakawiwo’ole!!!

Der Hawaiianer sah uns und winkte freundlich, worauf wir auf ihn zugingen. Sein Oberteil war ein wenig nass, die Haare wirkten ebenfalls so. Ja klar, es war schon ziemlich warm.
Doch er klärte uns sofort auf: Er war gerade erst im Waimea River baden, deswegen waren seine Haare noch nicht trocken und da er kein Hand- oder Badetuch zum Abtrocknen dabei hatte, zog er die Klamotten über den nassen Körper. Aha, alles klar.

Michi erwähnte, dass uns die Musik von IZ sehr gut gefällt, wir alle CDs haben.
Der Hawaiianer strahlte über das ganze Gesicht und erzählte, dass Israel sein Cousin sei. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das aufs Erste nicht glaubte, dann bin ich nämlich die Schwester von IZ

Was ich nachfolgend über den Cousin schreibe, ist mit seiner ausdrücklichen Genehmigung gestattet, ebenso die Veröffentlichung der Fotos weiter unten.

Nun erfuhren wir auch den Namen des Hawaiianers, er heißt Glenn Kapahu. Er nennt sich auch „doorman to the Waimea Canyon“, da sein Haus das letzte in dieser Straße ist und nur wenige Meter nach seinem Haus beginnt der Waimea Canyon. Außerdem ist er für die Hawaiianer der „Guardian Angel“.

Glenn erzählte, dass er 2005 einen Traum hatte. In diesem gab ihm IZ den Auftrag, ein Programm zu entwickeln, um den Drogenkonsum der Hawaiianer, in den auch schon viele Kinder hinein gezogen wurden und immer noch werden, zu bekämpfen.

Glenn startete tatsächlich dieses Programm. Es heißt „In DIS life to brother IZ – stop Ice in Paradise for the future of our keiki’s“ (“keiki” ist hawaiisch und heißt übersetzt “Kind”).

Glenn erklärte uns, dass “in DIS life” auch wirklich “in DIESEM Leben”, "in DIESER Generation” heißt und nicht irgendwann später. Sein Cousin IZ ist schon im anderen Leben…

Glenn erzählte, dass er in früheren Jahren zu den Bösen gehörte, die Fäuste waren schneller als die Worte, er nahm Drogen, hatte viele Schwierigkeiten mit der Polizei.

Doch schon seit vielen Jahren hat er sich gewandelt. Jetzt nimmt er sein Leben ernst und möchte seinen Leuten helfen, von „Ice“ wegzukommen, diesem Christal Methamphetamine.

Glenn ist ein sehr netter Mann und erzählte weiter von seinem Projekt, gab uns auch einen Prospekt davon sowie seine Visitenkarte und zum Abschluss durfte ich noch ein Foto von ihm und auch mit Michi gemeinsam anfertigen und Glenn’s „END ICE Age“-Auto“ musste auch mit drauf.

Jetzt möchte ich euch Glenn K. Kapahu vorstellen:

Klickt auf die Fotos zum Vergrößern.

Glenn mit seinem Hund und dem End-Ice-Auto

rechts Glenn, links Michi

Zuerst wagte ich nicht zu fragen, ob ich die Fotos für meine Homepage verwenden darf, tat es aber doch und ohne mit der Wimper zu zucken sagt Glenn „sure“

Zum Abschied umarmte uns Glenn und bat uns, in diesem Urlaub noch einmal zu ihm zu kommen. Wenn wir den Waimea Canyon Trail laufen wollen, würde er uns mit unserem Mietwagen zum Trailhead an der Waimea Canyon Road bringen und von dort könnten wir dann direkt bis zu seinem Haus laufen, um dann mit unserem Auto wieder wegzufahren. Dieses Angebot war in der Tat sehr verlockend, der Haken war nur, dass mit unserem Mietwagen niemand anderer, als Michi und ich, fahren durfte, daher wurde nichts daraus.

Wir waren fassungslos, dass hier in dieser Gegend ein Cousin von IZ wohnt und dass wir diesen Cousin durch puren Zufall auch noch kennen lernten

Ein Erlebnis, das wir nie vergessen werden Und eines steht fest: Im Urlaub 2011 möchten wir Glenn wieder besuchen


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UPDATE: Wie geplant, statteten wir Glenn tatsächlich 2011 wieder einen Besuch ab und zwar am 1. Juni.

Auszug aus meinem Reisebericht:

Glenn erzählt, dass das abgelaufene Jahr eher ein ruhiges Jahr war, er hatte anderes zu tun. Er werde sein „Stop ice age“-Projekt niederlegen und sich anderen humanitären Angelegenheiten widmen.. Das Projekt bleibt jedoch erhalten, allerdings durfte der Projektname „In dis life“ nicht behalten werden und es wurde in „In dis life ohana“ umgetauft.
Anfang September 2011 stand dies auch in den Garden Island News.

Dann sieht uns Glenn an und fragt, was „ohana“ bedeutet. Wie aus der Pistole geschossen antworte ich „family“, Glenn strahlt über das ganze Gesicht und "Ring an Ring" werde ich in die „ohana“, also in die Familie, aufgenommen

Hinter Glenn hängt eine Fahne, die wir nicht zuordnen können, wir werden aber aufgeklärt, dass es sich dabei um die Hawaiian Kingdom-Fahne handle.

Am Foto, leicht zu erkennen: Glenn und ich.

Andere Bewohner, die diese Fahne nicht besitzen, hängen als Protest gegen die Besetzung der Hawai’i-Inseln durch die Vereinigten Staaten deren Fahne auf, allerdings umgedreht, sodass die Sterne unten sind, also auf den Kopf gestellt.

Glenn erzählt viel, auch von einer Versammlung, bei der vom Government zwei offizielle Personen dabei waren, aber auch Polizei. Es war eine Informationsveranstaltung und Glenn war offiziell nicht eingeladen, kam aber einfach bei der Tür herein, begleitet von seinem Freund, der auch bei den Guardian Angel’s ist.

Den Leuten wurde zwei Minuten Zeit gegeben, ihr Anliegen vorzutragen. Daneben saß jemand, der nach einer Minute eine Karte mit der Aufschrift „one minute“ zeigte, dann die nächste Karte mit „30 seconds“ und die letzte Karte mit „10 seconds“, dann war Schluss, die zwei Minuten waren zu Ende, egal, ob die Person mit dem, was sie sagen wollte, zu Ende war oder nicht.

Die erste Lady, die sich zu Wort meldete, sagte, sie verstehe nicht, weshalb die Einheimischen nur zwei Minuten Gesprächszeit haben und die anderen (die Offiziellen, Sherif und Polizei) sitzen oben und der wichtigste Mann überhaupt, das sei Glenn, er stehe dort hinten beim Eingang, das passe überhaupt nicht.

Einer der Gardener sagte, er habe Glenn noch gar nicht gesehen, er müsse sofort nach vorne kommen. Der Polizist dachte, Glenn sei ein 2-Minuten-Rednet und sagte zu Glenn, er dürfe nicht dort hinauf zu den Offiziellen gehen, sondern müsse hier unten beim Rednerpult stehen bleiben. Glenn antwortete, er weiß es, gin aber trotzdem weiter, begrüßte den Gardener mit einer Umarmung, ging hoch auf das Podium zu den Offiziellen und erst dann ging er zum Rednerpult, nahm dem daneben Sitzenden die Zeitkarten aus der Hand und steckte sie in seine Hemdtasche ein! Dann begann Glenn zu reden, wurde aber aufgefordert, das Mikrofon zu nehmen, was er ablehnte, denn seine Stimme sei laut genug und rief zu einem, der ganz hinten stand „can you hear me“? und dieser antwortete „sure“, der ganze Saal hat hellauf gelacht

Dann brachte Glenn das Anliegen seiner Ohana vor und hielt sich nicht an die 2-Minuten-Grenze und das trug ihm sogar noch ein Lob ein, denn der Gardener sagte, solch eine Zusammenarbeit, bei der man keine Zeitkarten braucht, würde er sich auch in anderen Gemeinden wünschen.

Glenn’s Bruder nickt oftmals zustimmend, wie ich beoboachte.

Nach längerer Zeit verabschiedeten wir uns, nicht wissend, dass wir 2012 wieder nach Hawai'i kommen werden, wo ein neuerlicher Besuch bei Glenn am Plan steht.

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UPDATE: Am 21. Juni 2012 statten wir Glenn wieder einen Besuch ab.

Hier ein Auszug aus meinem Reisetagebuch:

Schon nach einem kurzen Stück sind wir bei Glenn, stoßen dort auf zwei Pferde mit zwei Reitern, die jedoch Kinder sind. Glenn steht bei den Kindern und macht unserem Auto Platz, wir bleiben jedoch stehen und steigen aus. Jetzt erkennt uns Glenn wieder und ruft „oh, the Austrians are back!“. Es folgt eine herzliche Begrüßung.

Glenn erzählt, dass er früher Paniolo werden musste, obwohl er gar nicht wollte. Im Haus läuft gerade Reggie Musik. Michi sagt zu Glenn, die Stimmung ist gut, die Reggie Musik ist gut, aber wir haben eine bessere Musik im Auto

Ja?? Fragt Glenn. In diesem Moment läuft auf unserer CD das Kaua’i Lied, von Israel gesungen, Glenn hält den Kopf durch die geöffnete Fensterscheibe, Michi dreht lauter und Glenn sagt, klar, das Lied von IZ kenne er und beginnt zu singen!!! Den Text kennt er natürlich auswendig. So stehen wir, ich die Augen geschlossen, doch alle drei im Takt der Musik mitschwingend, mitten auf der Menehune Rd. und ich denke, Israel singt. Glenn ist vollkommen entrückt und uns bleibt die Sprache weg...

Es ist eine ganz, ganz eigenartige Stimmung, eine ganz Besondere, die ich mit Worten gar nicht schildern kann.

Mensch, schickt Glenn zum Frisör, zum Zahnarzt, kauft ihm schöne Klamotten und stellt ihn auf die Bühne, dann ist sozusagen Israel auferstanden. Wieso bleibt ein solches Talent unentdeckt?

Schließlich verabschieden wir uns sehr herzlich von Glenn, der Tränen der Freude in den Augen hat. Einer seiner Hunde will bei uns ins Auto steigen, aber Michi sagt zu dem Hund „no, stay here, you’re living in a wonderful paradise“. Glenn lacht hellauf!

Endlich steigen wir ein und spielen ununterbrochen dasselbe Lied, immer wieder Glenn vor Augen.


Eines ist sicher, auch 2013 werden wir ihn wieder besuchen

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Und wie 2012 vorgenommen, besuchten wir auch im Jahr 2013 Glenn. Als er uns sah - wir saßen noch im Auto, hatten aber die Seitenscheibe herunter gelassen - rief er "the Austrians are back - welcome to Kaua'i". Wie schon in früheren Jahren, folgte eine herzliche Begrüßung.

Dann erzählte Glenn, was im letzten Jahr alles war. Er hatte gesundheitliche Probleme und war auch zum Zeitpunkt, als wir bei ihm waren, noch nicht ganz fit.

Wir versprachen, ihn nächstes Jahr wieder zu besuchen.

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2014 fuhren wir zwar zu Glenn's House bzw. an diesem vorbei, aber er war nicht zu Hause.

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Auch im Urlaub 2015 trafen wir Glenn nicht an. Später erfuhren wir von unserer Freundin R., mit der wir in Wrangler's Steakhouse dinierten, dass Glenn immer noch nicht ganz gesund ist. Also werden wir 2016 den nächsten Versuch starten, Glenn endlich wieder mal zu sehen und mit ihm zu reden.


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Im Urlaub 2016 starteten wir einen erneuten Versuch, Glenn zu besuchen, aber er war nicht zu Hause.


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2017 versuchten wir erneut, Glenn anzutreffen, aber er war wieder nicht zu Hause. Von unserer Freundin erfuhren wir, dass es ihm aber wieder gut geht.